Säubern, sichern, kalken, malen

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Feiner Pinsel für feine Arbeiten: Rüdiger Erl arbeitet an der Bemalung rund um die Fenster des großen Rathaussaales.

Wasserburg - Heute sind die Quader fertig. Die roten Quader an der Rathausfassade. Jetzt geht es an die Löwen, Wappen und Bannerträger.

Und während am großen, rechten Giebel die Feinarbeiten laufen, sind am kleineren linken Giebel die großen Flächen dran.

Vorher-Nachher rund um die Regenrinne: Links der gesicherte und gesäuberte kleine Giebel, rechts der bereits neu gekalkte, aber noch quaderlose große Giebel.

Bis es so weit war, gingen Monate ins Land. Die Fassade wurde gereinigt, der Putz gesichert. Was, laut Restaurator Wolfgang Lauber und Kollege Rüdiger Erl quasi in einem Aufwasch ging, denn die Fassade wurde mit Sinterwasser geflutet. Der Kalkanteil des Wassers stärkte den Putz, das überflüssige Wasser wurde abgetupft und sorgte so für die Reinigung.

Allerdings galt es auch noch, die diversen Bereiche festzustellen, in denen sich der Putz bereits von der Fassade gelöst hatte. Reine Handarbeit, die sich bei der Größe der Fassade entsprechend hin zog. Die Hohlstellen wurde mit Kalk unterspritzt und dadurch wieder fest"geklebt", bei größeren Hohlstellen wurden Zusatzstoffe wie Marmor oder Sand beigemischt. Und an den Ecken, an denen schon die blanken Ziegel zum Vorschein kamen, brachten die Fachleute eine neue dünne Kalk-Putzschicht auf. Vier bis fünf Monate dauerte es, bis der Putz an beiden Giebeln zum Marienplatz sicher und sauber war. "Aber das muss vernünftig gemacht werden, sonst sind alle folgenden Arbeiten sinnlos", so Rüdiger Erl.

"Da müssen wir noch ausbessern": Wolfgang Lauber zeigt eine Fehlstelle an einer Fensterumrandung.

Parallel dazu wurde das Blech oben auf den Treppen des Giebels erneuert beziehungsweise ertüchtigt, neue Dachrinnen aus Kupferblech kamen an das Rathaus, die Dachanschlüsse an der Rückseite der Treppen wurden überprüft, wo nötig verstärkt und neu eingeputzt. Und zu guter Letzt fiel auch noch die Entscheidung, dass der Wasserfang, der das Regenwasser mitten auf der Fassade auf den Marienplatz leitet, so marode ist, dass er nicht mehr ausgebessert, sondern samt Stufen und Löwe neu gemacht wird. "Das Original geht ja nicht verloren, kann ins Heimathaus oder ins Stadtarchiv", so Lauber.

Während der kleinere linke Giebel, das ursprüngliche Rathaus, bis heute "nur" gesichert und gesäubert ist, sind am großen Giebel die Retuschen rund um die Fenster des großen Rathaussaales fertig und abgeklebt, die Bildernischen abgedeckt worden. Dann bekam die Fassadenfläche zwei Anstriche aus Kalk, Innsand und Erdpigmenten, Ende vergangener und Anfang dieser Woche wurde lasiert. In die noch feuchte Lasur wurden die roten Quader gezogen. "Ganz praktisch, dass sie am kleinen Giebel noch zu sehen sind, da können die Linien einfach weitergezogen werden", schmunzelt Rüdiger Erl. Und während er sich jetzt auf die Bannerträger, Wappen und Löwen in den Nischen stürzt, diese saniert, wechselt der Rest der Truppe dieser Tage an den kleineren Giebel, kümmert sich dort um die große Fläche.

Zwar fanden Wolfgang Lauber und Rüdiger Erl an der Rathausfassade übermalte Renaissance-Malerei, diese wird aber nicht wieder hergestellt sondern lediglich gesichert. Optisch wird das Rathaus nach der Fassadensanierung wieder aussehen wie Anfang der 80er Jahre. Ende Oktober soll es so weit sein. Denn dann kann es mit den nächtlichen Temperaturen, sollten die zu tief sein, schon schwierig werden. "Außerdem läuft meine Parkgenehmigung Mitte November aus", lacht Rüdiger Erl. Und es warten weitere Aufgaben, auf Herrenchiemsee und Hohenaschau. Und im nächsten Jahr dann auf der gegenüberliegenden Straßenseite, am Kernhaus.

Sylvia Hampel (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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