Die Schäfflertänze in der Region

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Auftanz vor den historischen Mauern der Alten Spinnerei: die Kolbermoorer Schäffler bei einer ihrer Proben.

Kolbermoor/Wasserburg - Eine alte Tradition wird in diesem Jahr wieder hochgehalten: die Schäfflertänze. Im Kreis Rosenheim sind zwei Schäfflergruppen aktiv: 

Alle sieben Jahre führen die Schäfflergruppen in ihren bunten Kostümen ihre Tänze auf, zurückgehend auf einen alten Brauch aus der Pestzeit im 16. Jahrhundert. Einst eine Münchner Tradition, breitete sich diese im 19. Jahrhundert im altbayerischen Raum aus. Im Kreis Rosenheim sind zwei Schäfflergruppen aktiv: Kolbermoor seit 1886 und Wasserburg folgte im Jahr 1912.

 Der Furcht und Angst zu Pestzeiten wollten die Schäffler, die Zunft der Fasshersteller, der Überlieferung zufolge im 16. Jahrhundert ein Ende bereiten - und mit Musik, Tanz und ihrer farbenfrohen Tracht die Bürger in München wieder auf die Straßen locken, ihnen neuen Lebensmut geben. Seit 1760 hat das Schauspiel in München eine feste Tradition, damals wurde zudem auf Anordnung von Herzog Wilhelm IV. der Sieben-Jahres-Rhythmus eingeführt - wohl deshalb, um ein Überhandnehmen der Feste zu verhindern, vermuten Historiker.

Im 19. Jahrhundert breiteten sich die Schäfflertänze schließlich bayernweit aus, wandernde Schäfflergesellen sollen die Münchner Tradition auch im Umland eingeführt haben - 1886 feierte der Brauch unter anderem in Kolbermoor Premiere, 1912 folgte Wasserburg. Kolbermoor hatte damals, so die Überlieferung, per königlichem Dekret von Prinzregent Luitpold die Erlaubnis erhalten, den Tanz einzustudieren und nunmehr alle sieben Jahre aufzuführen.

Mit dem ersten Schäfflertanz gründete sich in Kolbermoor die Schäfflervereinigung, aus der 1893 der "Dramatische Club Immergrün" entstand (auch Theater) und der später in den heutigen Trachtenverein "Immergrün" umbenannt wurde. Aus diesem rekrutieren sich nach wie vor die Kolbermoorer Schäffler, während die Wasserburger Tänzer dem TSV angegliedert sind (Breitensportabteilung).

Kostüm, Tänze und Figuren sind bayernweit bis auf kleinere Abweichungen gleich: rote Jacke, schwarze Kniebundhose, weiße Kniestrümpfe, Haferlschuhe, Schurz und Hut - während sich die Federn darauf von Region zu Region unterscheiden. Die Tanztruppe an sich besteht aus 16 Tänzern, dem Fähnrich, zwei Fassträgern, dem Kronenhalter, den Kasperln und natürlich dem Schäfflermeister - in Kolbermoor in diesem Jahr erneut Bürgermeister Peter Kloo, dessen Familie eng mit der Tradition verbunden ist: 1977 mit nur 15 Jahren war Kloo zum ersten Mal bei den Schäfflern mit dabei, damals noch als "Fass-Kasperl" - Schäfflermeister war zu diesem Zeitpunkt noch sein Vater, Altbürgermeister Peter Kloo sen., den sein Filius 1991 "beerbte".

Nachwuchssorgen haben die Kolbermoorer Schäffler auch heute noch keine, jede Saison kommen zahlreiche junge Tänzer aus dem Trachtenverein hinzu - allerdings ausschließlich Männer, Frauen werden nach wie vor nicht zugelassen. "Auch das ist eine alte Tradition", erklärte dazu Peter Kloo.

Nach einem festen Muster laufen die Auftritte ab, jeweils rund 20 Minuten dauernd: erst Einmarsch und Auftanz, dann die Tanzfiguren "Laube" und "Kreuz", schließlich vier Quadrillen, bevor der Höhepunkt, die "Krone", folgt. Weiter geht's mit Fasslklopfen, womit an die Zunft der Fassbauer erinnert wird, dann kommt der "Reifenschwung" mit den Schnapsgläsern und schlussendlich der Trinkspruch mit dem Abmarsch. Rund ums Tanzgeschehen sorgen die Kasperl für Spaß und unterhalten die Zuschauer.

Die Kolbermoorer Schäffler starten bereits heute Abend mit dem Schäfflerball im Mareissaal in die neue Saison (20 Uhr), im Vorfeld erfolgt um 18 Uhr der obligatorische erste Tanz vor dem alten Rathaus in der Stadtmitte. Begleitet werden die Kolbermoorer Schäffler seit jeher von den Panger Musikern, seit 1970 von der Blaskapelle "Am Was'n".

In Wasserburg beginnt das Schäfflerjahr am Dreikönigstag mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Jakob, um 13.30 Uhr folgt der Ehrentanz zum Jubiläum anlässlich des 100-jährigen Bestehens im Rathaussaal, wozu die Wasserburger Stadtkapelle aufspielt.

Mit Eröffnung des Schäfflerjahres folgen sowohl für die Wasserburger als auch für die Kolbermoorer Schäffler zahlreiche öffentliche wie private Auftritte in der Region, wobei sich die Wasserburger Tänzer auf den nördlichen Landkreis konzentrieren, während die Kolbermoorer mit über 200 Terminen vom Mangfalltal über das Inntal bis ins Chiemgau aktiv sind. Das Schäfflerjahr endet traditionell mit dem Faschingswochenende.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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