Schlechter Start ins neue Jahr

Wasserburg - In der Sylvesternacht geriet ein Taxifahrer mit zwei Jugendlichen aneinander. Der 61-Jährige wollte nun gegen seine Verurteilung wegen Körperverletzung angehen.

Wie im "Affenstall" fühlte sich ein 61-jähriger Taxifahrer, als er in der Silvesternacht Jugendliche nach Hause bringen sollte. Die Situation eskalierte und das neue Jahr begann mit viel Ärger und zwei verletzten Mitfahrern.

Die Verhandlung vor dem Amtsgericht Rosenheim, Zweigstelle Wasserburg, endete für den Taxler mit einem Schuldspruch wegen zweier tateinheitlicher Fälle der fahrlässigen Körperverletzung und jetzt einer Erhöhung des Strafmaßes auf 50 Tagessätze zu je 35 Euro. Gegen den früheren Strafbefehl über 60 Tagessätze zu je 25 Euro hatte er Einspruch eingelegt. Und auch diesmal legte er Berufung ein.

Laut Anklage soll der Taxifahrer in der Silvesternacht gegen 3.30 Uhr auf der B15 in Richtung Rott mit seinen Kunden in Streit geraten sein. Bei Sendling soll eine 22-jährige Studentin erklärt haben, sie wolle aussteigen, was sie auch getan habe. Der Taxler sei schnell angefahren und mit offener Hintertür weitergefahren, noch ehe die junge Frau festen Boden unter den Füßen gehabt habe. Deshalb stürzte die Studentin und schlug sich die Handflächen auf. Auch eine 22-jährige Auszubildende haben dann aussteigen wollen und sich am Türholm festgehalten. Durch das Fahrmanöver sei die Tür des Fahrzeugs zugefallen und habe ihre Hand eingeklemmt mit der Folge, dass sie mehrere Quetschungen an den Fingern der rechten Hand hatte.

Der Angeklagte war sich keiner Schuld bewusst und bis zuletzt der Ansicht, dass die jungen Leute ihn nur um den Fahrpreis prellen wollten. Er war sehr aufgebracht und schilderte, dass mehrere Jugendliche in sein Taxi gestiegen seien. Es sei laut geworden, da habe er sie aufgefordert, ruhig zu sein, sie säßen in keinem "Affenstall". Es sei zum Streit gekommen, nachdem die Fahrgäste ihn provoziert hätten und aussteigen wollten, ohne den Fahrpreis zu zahlen. Als er die Polizei rufen wollte, habe man ihm das Handy aus der Hand geschlagen. Also wollte er zur Polizei fahren und da sei die Situation eskaliert. Der Fahrgast vorne habe ihm mit dem Handrücken die Brille von der Nase geschlagen. Er habe nichts mehr gesehen und eine Vollbremsung gemacht. Da eine der Geschädigten während der Fahrt die Tür geöffnet und gedroht habe, hinauszuspringen, sei er ruckartig angefahren, damit die Tür wieder zufalle. Dass sich die Auszubildende die Hand eingeklemmt habe, habe er nicht bemerkt. Alle hätten "aussteigen, nicht bezahlen und abhauen wollen". Mit dem Sturz der Studentin habe er nichts zu tun, alle seien betrunken gewesen und vielleicht sei sie deshalb gestürzt. Die geschädigte Studentin betonte in ihrer Zeugenaussage, dass sie von der Rückbank aus nicht alles genau sehen habe können. Sie hätte aber sehr wohl vorgehabt, ihren Anteil am Fahrpreis zu zahlen. Im Taxi sei es etwas lauter geworden, da man vorher gefeiert habe, da habe der Angeklagte geschrien, "dass wir die Fresse halten sollen". In Sendling, wo ein paar ausgestiegen seien, habe der Angeklagte wieder geschrien und stark gebremst, "damit wir leise sind", und dann sei er mit Vollgas weitergefahren. Als das Taxi hielt, seien einige ausgestiegen, auch sie. Um der Freundin herauszuhelfen, sei sie nochmals zurück. Weil das Taxi aber gleich wieder anfuhr, sei sie aus dem Wagen auf die Straße gefallen.

Die Auszubildende bestätigte, dass ihre Freundin noch mit einem Bein im Fahrzeug gewesen sei, als der Taxifahrer mit Vollgas losgefahren sei. Dabei sei die Tür zugefallen und sie habe sich die Hand eingeklemmt.

Gericht und Staatsanwaltschaft sahen den Tatnachweis erbracht und zeigten auch Verständnis für die nicht immer einfachen nächtlichen Fahrten. Als Taxifahrer müsse man jedoch damit umgehen können. Das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft, das Strafmaß zu erhöhen.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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