Schlechtes Wetter verregnet Bilanz

+
Die richtige Ausrüstung macht's und schon erlebt man im Open-Air-Kino auch bei Regen einen netten Abend.

Edling - Vielleicht ist 13 ja wirklich eine Unglückszahl. Denn beim 13. Open-Air-Kino am Stoa ist das Wetter so miserabel wie nie zuvor.

Vor zwölf Jahren hatten Rainer Gottwald, Besitzer des Wasserburger Utopia-Kinos, und sein damaliger Partner Bernhard Tröstl die Idee, im Edlinger Amphitheater "am Stoa" ein Open- Air-Kino auszurichten. Seit dem gibt es jeden Sommer wieder das Kinoerlebnis der entspannten Art.

Seit 21. Juli laufen nun schon jeden Abend die Projektoren - bis auf wenige Ausnahmen auch bei schlechtem Wetter. "Dieses Jahr läuft es bis jetzt richtig beschissen. So schlechtes Wetter hatten wir noch nie, und das wirkt sich natürlich auch auf die Zuschauerzahlen aus", zog Gottwald ernüchtert Zwischenbilanz. An den Rekord von 1500 Besuchern vor mehreren Jahren denkt er wehmütig zurück: "Dieses Jahr hatten wir am besten Abend 430 Gäste. Das war beim Film "Die Hummel" am ersten Tag. Eigentlich versuchen wir schon, auch bei schlechtem Wetter das Programm durchzuziehen. Aber abgesehen von ein paar schönen Tagen im Juli hatten wir bis jetzt richtig Pech. An zwei Abenden mussten wir die Veranstaltung sogar ausfallen lassen, weil es zu stark geregnet hat."

Ein paar hartgesottene Freiluft-Liebhaber verirren sich aber auch bei Regenwetter zum Edlinger Stoa. Die Schweizer Liebeskomödie "Die Standesbeamtin" verfolgten am Sonntag trotz unbeständigen Wetters immerhin rund 60 Besucher, die meisten ausgerüstet mit Schirmen, Isomatten und Decken.

Unter ihnen war Florian Maierbacher. Der 29-jährige Einkäufer ist fast seit Anfang an dabei: "Ich komme eigentlich seit zwölf Jahren jedes Jahr zwei bis drei Mal hierher. Als Edlinger habe ich hier ja sozusagen ein Heimspiel." Für ihn ist auch schlechtes Wetter kein Grund, zuhause zu bleiben: "Mir gefällt das Ambiente hier am Stoa, und ich komme auch bei Regen her. Nur wenn es wirklich zu stark schüttet bleibe ich zuhause."

Auch Kathi Steffinger aus Wasserburg ist Stammgast im Freiluft-Kino. Bei der 32-jährigen Heilpädagogin sind mehrere Besuche im Sommer fest im Terminplan verankert: "Ich komme seit zehn Jahren regelmäßig hierher, weil mir einfach die Atmosphäre so gut gefällt. Ich treffe hier viele Bekannte aus Wasserburg, und anders als beim normalen Kino hat man hier die Möglichkeit und auch die Zeit, vor dem Film zusammenzusitzen und zu ratschen."

Ein weiterer wichtiger Grund für Steffinger, immer wieder zum Kino am Stoa zu kommen, ist das Programm: "Mir gefällt schon die Programmauswahl im Kino Utopia sehr gut, und hier habe ich die Möglichkeit, Filme nachzuholen, die ich das Jahr über verpasst habe."

Abgesehen von einigen wenigen Blockbustern wie Tarantinos "Inglourious Basterds" oder Ridley Scotts "Robin Hood" sieht Gottwald die Programmschwerpunkte eher in anderen Genres: "Action-Filme bringe ich nicht mehr so oft. Ich versuche beim Großteil des Programms eher in Richtung Komödie oder Drama zu gehen. Das hat sich über die Jahre bewährt."

Neben den Stammgästen kommen auch immer wieder neue Besucher zum Stoa, die von dem besonderen Ambiente gehört haben und sich selbst überzeugen wollen. Ingrid und Leonhard Torggler, ein Ehepaar aus Moosach im Landkreis Ebersberg, haben aus der Zeitung vom Open-Air-Kino erfahren: "Wir haben uns schon hundert mal vorgenommen, hier einen Film anzuschauen. Heute haben wir es endlich geschafft. Im normalen Kino friert man halt nicht und wird nicht nass, aber dafür hat man nicht diese besondere Kulisse", erklärten die beiden.

Monika Kramer ist ebenfalls zum ersten Mal am Stoa. Die Psychologin aus Rosenheim wurde von Freunden von einem Besuch am Stoa überzeugt: "Unter meinen Freunden sind ein paar Stammgäste, die mich heute mitgenommen haben. Trotz des schlechten Wetters freue ich mich auf ein schönes Kinoerlebnis."

Und offensichtlich ist das Freiluft-Kino auch weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt. Astrid Mayer kam den weiten Weg aus Laufen im Berchtesgadener Land bis an den Stoa, obwohl sie gar nicht wusste, welcher Film laufen würde: "Wir sind insgesamt zu dritt. Ich habe die Karte als Überraschung von meinen Freunden geschenkt bekommen und bin zum ersten Mal hier." Somit scheint auch das besondere Kinoerlebnis Besucher an den Stoa zu ziehen.

Möglichkeiten, dieses Erlebnis selbst zu testen, bieten sich noch bis 16. August. Bis dahin sind noch einige Premieren im Programm. Heute zeigt Gottwald mit der Vorpremiere von "8. Wonderland" einen Science-Fiction-Thriller, der das Thema Sozialer Netzwerke im Internet behandelt. Am Mittwoch folgt Sönke Wortmanns Geschichtsdrama "Die Päpstin", ehe am Donnerstag die schottische Produktion "Fish Tank" Premiere feiert. Am Freitag bekommen die Besucher im Film "Vincent will meer" unter anderem Drehorte in Berchtesgaden und im Allgäu zu sehen.

Am Samstag soll die deutsche Komödie "Soul Kitchen" und am Sonntag die französische Produktion "Der kleine Nick" die Zuschauer zum Lachen bringen. Das Finale des Open-Air-Kinos bestreitet am Montag mit "Eclipse" der dritte Teil der Vampir-Saga "Twilight".

Gottwald hofft für die letzte Woche des laufenden Open-Air-Programmes auf ein paar regenfreie Resttage, um die Bilanz wenigstens ein bisschen positiver ausfallen zu lassen. Eine Rückkehr des Kinos am Stoa im nächsten Jahr wollte Gottwald nicht garantieren: "So schlecht wie es dieses Jahr gelaufen ist, war es noch nie. Ob es nächstes Jahr wieder ein Open-Air-Kino geben wird, müssen wir erst noch sehen. Garantieren kann ich es nicht." Somit könnte es das letzte Gastspiel des Open-Air-Kinos am Stoa gewesen sein, das vor zwölf Jahren mit fünf Spieltagen im Sommer angefangen hatte und über die Jahre zu einer festen Institution in der Region herangewachsen ist.

Von Johannes Mitterer/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser