Am Schluss werden 20.000 Kubik Gas abgefackelt

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Unterreit - 45 Speicher- und zwölf Beobachtungsbohrungen gibt es im größten Erdgasspeicher Deutschlands in Bierwang. Nach und nach müssen diese modernisiert werden.

Die ersten zehn Bohrungen hat man dieses Jahr überarbeitet.

Seit Juni arbeitet die Eon Gas Storage im Bereich ihrer Betriebsstelle Bierwang an der Revision der Bohrungen um den Erdgasspeicher. Das Besondere: Nach erfolgreichem Abschluss an einem Bohrloch ist eine Flamme kilometerweit sichtbar. Das Restgas muss abgefackelt werden.

Man verfüge über 45 Speicher- und zwölf Beobachtungsbohrungen, so Betriebsbereichsleiter Dr. Ernst-Joachim Krömer vor Ort in Holzgaden. Mittlerweile seien die bis zu 35 Jahre alt und würden jetzt nach und nach modernisiert. Zu den wichtigsten Arbeiten gehört dabei der Austausch und die Vergrößerung des mittleren Stahlrohres von gut elf auf knapp 18 Zentimeter Durchmesser. Hinzu kommt ein neues Sicherheitsventil mit neuen gasdichten Verbindern von der Oberfläche bis in 1,6 Kilometer Tiefe. Das bedeutet auch den Austausch des sogenannten E-Kreuzes. Dieses Eruptionskreuz ist der Bohrlochabschluss mit allen Armaturen.

Für einen Austausch dieser Teile muss das gelagerte Erdgas davon abgehalten werden, mit maximal 160 Bar nach oben ins Freie zu drücken. Dazu genügt es allerdings, das Bohrloch mit rund 35 Kubikmeter schwerem Wasser zu füllen. Ist die Revision vollzogen, muss das Wasser wieder heraus. Stickstoff hilft ihm dabei, wieder leichter zu werden, so dass es vom unten drückenden Gas wieder nach oben befördert wird. Im Ergebnis entweicht das Wasser samt Stickstoff und nachfolgendem Gas kontrolliert, jedoch mit geringem Druck. Druck allerdings, erklärt Dr. Krömer, sei aber die Voraussetzung, das Gas aufzufangen. Weil das nicht gehe, fackele man dieses Gemisch in etlichen Metern Höhe ab. Bei der Länge der Bohrungen kommt einiges zusammen, rund 20.000 Kubikmeter werden verbrannt. Nach einer Stunde sei dieser Spuk in der Regel vorbei. Zum Vergleich verbraucht ein Einfamilienhaus im Jahr 2000 Kubikmeter. "Wir würden das Gas viel lieber verkaufen, aber es gibt noch keine Technologie, es zu sammeln", bedauert der Betriebsleiter. Theoretisch könnte man es auch einfach so entweichen lassen, weil es leichter als Luft ist und sich rasch auflöst, aber die Verbrennung sei umweltneutraler. Die Flamme ist weithin sichtbar und lockt Schaulustige an. Damit es aber keinen Fehlalarm gebe, benachrichtige man jedesmal Polizei und die Rettungsleitstelle.

Zehn Bohrungen habe man heuer auf diese Art überarbeitet, nächstes Jahr werden es voraussichtlich sechs sein, danach vier bis fünf jährlich. Gearbeitet wird in den Sommermonaten, weil man den Zugang im Winter für den laufenden Betrieb benötigt und das Wasser beim Gefrieren zum Problem werden kann. Beauftragt werden mit diesen Arbeiten international tätige Firmen überwiegend aus Norddeutschland, Holland und auch den USA.

Eine dieser Überholung eines Bohrlochs dauert im Schnitt eine Woche und kostet 1,2 Millionen Euro.

kg/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © ps

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