Ein Baum mit Zukunft

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Rund 100 Jahre alt, 60 Zentimeter stark: Dr. Georg Kasberger (links) und Franz Röhrer unter einer "ausgewachsenen" Lärche. Fotos Königbauer

Babensham - Die Lärche ist der Baum des Jahres 2012. Im Alpenvorland könnte sie aufgrund des Klimawandels bedeutsamer werden. Zu Besuch in einem Privatwald bei Babensham:

Naturfreunde verbinden den lichten Nadelbaum vor allem mit Bergwäldern. Doch auch im Alpenvorland spielt die Lärche durchaus eine Rolle - möglicherweise zunehmend.

Welche Baumarten kommen mit den derzeitigen Klimaveränderungen am besten zurecht? Das ist im Moment eine der entscheidenden Fragen im Waldbau - und damit auch für die Allgemeinheit. Denn die Wälder prägen das Landschaftsbild ganz entscheidend.

Bisher war auch im Landkreis Rosenheim bei den Nadelbäumen die Fichte klar dominant. Ihr Holz wird verwendet für den Hausbau und als Möbelholz, Fichten gelten als "Brotholz" der Waldbauern. Doch das könnte sich schon bald ändern. Denn dass die Durchschnittstemperatur steigen wird sowie mehr und heftigere Stürme zu erwarten sind, darüber herrscht unter Klimaforschern weitgehend Einigkeit. Das aber wird der Fichte in unseren gemäßigten Lagen extrem zusetzen: Als Flachwurzler ist sie sturmanfällig, und der Borkenkäfer als ihr größter Schädling liebt wärmeres Wetter.

Die Lücke füllen könnten aus Sicht des Waldbaues Tannen und Douglasien, letztere allerdings als nicht heimische Art aus ökologischer Sicht umstritten. Und es gibt die Lärche: "Der robuste Baum ist nach der Eiszeit wieder in den Alpenraum zurück gewandert und prägt dort teilweise bis zur Baumgrenze das Bild", so Dr. Georg Kasberger, Leiter der Forstabteilung im Rosenheimer Amt für Landwirtschaft.

Äußerst schnellwüchsig ist die Lärche in den ersten Jahren im Alpenvorland, wie die starken Jahresringe dieses etwa 20-jährigen Exemplares zeigen.

Naturfreunde lieben den lichten Nadelbaum, den einzigen, der im Winter seine Nadeln abwirft, im Frühjahr dann hellgrün austreibt und im Herbst ganze Berghänge in ein intensives Gelb taucht. Und Verbraucher schätzen die Qualitäten des Holzes, vor allem im Außenbereich. Lärchenholz ist wesentlich witterungsbeständiger als das der Fichte und bietet mit seinem leicht rötlichen Ton eine attraktive Optik. Daher bestimmt es auch im Alpenvorland das Bild bei Außenschalungen, Balkonen oder Zäunen und hat inzwischen das imprägnierte Fichtenholz im Garten- und Landschaftsbau oder bei Terrassen weitgehend verdrängt.

Aus eigener Produktion wäre der Bedarf an Lärchenholz bei den Sägewerken längst nicht mehr zu decken. Denn im Moment hat dieser Baum im Landkreis Rosenheim einen Anteil von rund zwei Prozent, schätzt Dr. Kasberger. So wird viel Lärchenholz aus Österreich geholt, wo der Anteil bei 25 Prozent liegt.

Doch es gibt durchaus schöne Lärchenbestände im Landkreis auch vor den Bergen, beispielsweise bei Babensham. Revierförster Ludwig Krug führt mit Stolz in den Privatwald von Helmut Sening, der vor 20 Jahren neu angelegt wurde. Lärchen und Buchen prägen dort das Bild, und nach einer ersten Durchforstung zeigte sich, dass die Lärche hier stattliche Zuwächse erzielt. Gewählt wurde die Baumart auf den 1,4 Hektar unter anderem, weil es sich um eine Hanglage handelt, die der Lärche viel Licht bietet. Dann das ist einer der Nachteile des Baumes im Waldbau: "Als Pionierbaum braucht sie Luft und Licht", so Ludwig Krug. Ohne Pflege bestehe die Gefahr, dass andere Pflanzen sie überwachsen.

Welche stolzen Bäume entstehen können, kann auf einem Waldstück ein paar hundert Meter nördlich besichtigt werden: Vor 50 Jahren ließ hier der Wasserburger Pfarrer Neumeier in einem Kirchenwald Lärchen pflanzen. Nun wurde erstmals durchforstet, und Franz Röhrer, der zuständige Förster des erzbischöflichen Ordinariats, zeigt mit Respekt für die Weitsicht des Geistlichen die Exemplare, die nun voraussichtlich für die nächsten 50 Jahre weiterwachsen dürfen. Unter ihrem Schutz entsteht gerade in üppiger Naturmischung die nächste Baumgeneration - ein lichter grüner Wald, wie ihn Besucher gerne sehen.

Noch einmal ein Stück weiter kann man eine Vorstellung entwickeln, wie die Lärchen dann aussehen werden: 60 Zentimeter Stammdurchmesser haben die rund 100 Jahre alten Exemplare, die nun nach und nach geerntet werden und pro Baum etwa drei Kubikmeter Holz liefern.

Wobei die Zukunftsperspektive auch bei der Lärche nicht ganz ohne Fragezeichen ist. Die Forstwissenschaft hat auch für sie Klimamodelle entwickelt, wo sie noch wachsen kann, wenn sich Niederschlagsmengen und Durchschnittstemperaturen wie erwartet verändern. Nimmt man dabei ein mittleres Szenario an, würde die Lärche auch weiterhin im Voralpenland überleben. Wird es mit der Klimaerwärmung dagegen noch schlimmer, würde sich dieser Baum nurmehr in höheren Lagen finden, erläutert Dr. Kasberger.

Das ist neben dem etwas höheren Pflegebedarf ein Grund dafür, warum bei den Waldbauern die Begeisterung für die Lärche nicht ganz so hoch ist, wie bei Holzkunden und Naturfreunden. Tanne, Kiefer, Douglasie sind für Rupert Mayer, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Wasserburg-Haag, die wesentlichen Zukunftsbäume. Aber auch der Baum des Jahres 2012 hat für ihn durchaus seinen Platz im Wald: Lärchenholz habe einen guten Markt und das werde aufgrund der guten Holzeigenschaften sicher so bleiben.

Karl Königsbauer

Quelle: rosenheim24.de

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