Abschiebebescheid für Asylbewerber aus Schonstett

"Die Mitteilung hat Kingsley in ein tiefes Loch gezogen!"

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Kingsley E. aus Schonstett soll nach über zwei Jahren erfolgreicher Integration nach Nigeria abgeschoben werden. 
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Schonstett - In der kleinen Gemeinde ist man fassungslos: Der voll integrierte Asylbewerber Kingsley E. aus Nigeria soll abgeschoben werden. Der Helferkreis versucht dies mit allen Mitteln zu verhindern. Auch das zuständige Amt hat sich geäußert.

Nach einer lebensbedrohlichen Flucht durch halb Afrika und Europa hat Kingsley E. in der kleinen Gemeinde Schonstett im Landkreis Rosenheim im Herbst 2015 Fuß gefasst. Der dortige Helferkreis betreut derzeit 24 Asylbewerber, fast alle aus Nigeria. "Kingsley war von Anfang an einer der engagiertesten", erklärt Johanna Mayer vom Flüchltingshelferkreis Schonstett gegenüber wasserburg24.de. 

Musterbeispiel an Integration

Der 34-Jährige sei voll integriert, habe selbstständig in Abendkursen und an den Wochenenden eifrig Deutsch gelernt und stehe kurz vor der Prüfung zum B1-Schein für gute Deutschkenntnisse. Außerdem habe er eine feste Arbeitsstelle in einem Schreinereibetrieb. Er stelle sich dort geschickt und fleißig an und sei beliebt bei den Kollegen. Vom Schreinermeister bekam Kingsley ein sehr gutes Zeugnis, in der Überzeugung, dass dies bei der Asylbehörde Gewicht hätte. 

Mit seiner nigerianischen Freundin hat der 34-Jährige ein gemeinsames Kind. Ein zweites sei in Hoffnung auf eine baldige Heirat und einem normalen Familienleben unterwegs. 

Drohen weitere Abschiebungen in Schonstett? 

Kurzum hat Kingsley eine gelungene Integration innerhalb der letzten zwei Jahre hinter sich - bis vor 14 Tagen Post vom BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - eintraf. Darin hieß es, dass sein Asylantrag abgelehnt worden sei, verbunden mit der Androhung der Abschiebung. "Die Mitteilung hat den sonst so tapferen Kingsley in ein tiefes Loch geworfen", sagt Mayer betrübt. "Ich kann in dieses Land nicht zurück", war seine verängstigte Reaktion auf die Hiobsbotschaft. 

"Niemand hier kann das Drama verstehen. Es ist unmenschlich! Ausgerechnet Kingsley, der so gut integriert ist und sich so bemüht hatte, in Deutschland ein neues Leben zu beginnen, soll plötzlich alles hart Erkämpfte hinter sich lassen und nach Nigeria zurück", so Mayer. Das ganze Haus sei massiv verunsichert. Auch die anderen Asylbewerber fürchten nun die Abschiebung

Erfolgschancen im Fall Kingsley E. schwindend gering 

"Wir haben sofort Einspruch durch einen Anwalt erhoben, doch die Chancen auf Erfolg stehen schlecht", bedauert Mayer. "Wir sehen unseren unermüdlichen Einsatz und die Bemühungen der letzten zwei Jahre zerbrechen, wenn mit Kingsley der erste unserer Asylbewerber abgeschoben wird. Wir fragen uns alle, was für ein System hinter solchen Entscheidungen steht", so Mayer abschließend.

Das sagt die Regierung von Oberbayern:

Die Regierung von Oberbayern erklärte auf Anfrage von wasserburg24.de, dass das Landratsamt Rosenheim für die konkrete Person ausländerrechtlich zuständig sei und verwies zugleich darauf, dass zu einer konkreten Person aus datenschutzrechtlichen Gründen keine weiteren Auskünfte erteilt werden könnten.

Das sagt das BAMF:

Grundsätzlich es so, dass für die Frage, ob einem Betroffenen im Heimatland Verfolgung oder sonstiges asylrelevantes Umstände drohen, allein das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zuständig ist. Die Ausländerbehörden seien an das Ergebnis dieser asylrechtlichen Prüfung gebunden.

Weiter heißt es von Seiten der Regierung von Oberbayern: "Ist eine solche Entscheidung des BAMF vollziehbar und erfolgte keine freiwillige Befolgung durch Ausreise, dann sind die Ausländerbehörden verpflichtet, die Abschiebung einzuleiten."

Der Stand der Integration oder feste Arbeitsverhältnisse dürften hierbei grundsätzlich keine Berücksichtigung finden. Es sei denn, die Integration sei derart nachhaltig, dass aus diesem Grunde eine Aufenthaltserlaubnis im Raum stehe. Hierfür bestünden aber hohe rechtliche Hürden, so dass dieser Fall selten vorkomme. 

Bestehen keine Duldungsgründe wie Reiseunfähigkeit, Passlosigkeit oder bevorstehende Eheschließung sei die Abschiebung rechtlich und tatsächlich möglich. Dann sähen sich die Behörden in der Pflicht, die Ausreisepflicht mit der Abschiebung durchzusetzen.

Ähnlicher Fall in Rosenheim

Vor einigen Wochen hatte übrigens ein ähnlicher Fall in Rosenheim für Schlagzeilen gesorgt: Dort kämpfen die Basketballer des SB/DJK Rosenheim gegen die geplante Abschiebung ihres Spielers Varfie Komah. Der Verein hat deswegen sogar rechtliche Schritte in die Wege geleitet. Bei unseren Usern hatte dieser Fall kontroverse Reaktionen erzeugt.

mb/mw

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