Anonymer Brief enthält schwere Vorwürfe

Fast-Vergewaltigung in Schonstett? Polizei dementiert Gerüchte

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Das Caritas Haus Schonstett: Laut dem anonymen Brief soll sich hier eine "Straftat" ereignet haben. 
  • schließen

Schonstett - Am 11. April erreichte die Redaktion von wasserburg24.de ein anonymer Brief aus der kleinen Gemeinde. Eine "besorgte Bevölkerungsschicht in Schonstett" schildert in dem Schreiben eine "Straftat im Caritas-Heim" und erhebt schwere Vorwürfe gegen einen Asylbewerber:

Laut dem Schreiben soll sich "vor geraumer Zeit im Caritas-Haus Schonstett eine Fast-Vergewaltigung einer behinderten Frau im Rollstuhl, die sich nicht mal hätte wehren können", ereignet haben. Nur durch einen "umsichtigen Bürger" hätte diese Straftat gerade noch verhindert werden können. "Caritas, Behörden und Flüchtlingshelfer wollen darüber Stillschweigen bewahren" und die Sache solle "verschleiert" werden, hieß es weiter. 

Asylbewerber verwechselt Tür

Die Redaktion von wasserburg24.de hat sich daraufhin der Sache angenommen und bei der Polizei Wasserburg nachgefragt. Polizeihauptkommissar Richard Gottwald bestätigt, dass es Ende März einen Einsatz im Caritas-Heim gegeben habe. Es sei hier aber definitiv nichts unter den Tisch gekehrt worden

Laut dem Polizeihauptkommissar sei am frühen Abend des 27. März ein Asylbewerber aus dem Landkreis Ebersberg in erheblich alkoholisierten Zustand in das Caritas Haus Schonstett getorkelt. "Vermutlich hat er sich in der Tür geirrt und wollte wohl eher dem Asylbewerberheim Schonstett einen Besuch abstatten", so Gottwald. Im Haus habe er anzügliche Bemerkungen gegenüber den Heimbewohnern gemacht und die Mitarbeiter angepöbelt. Die riefen die Polizei und die Kollegen nahmen den Mann vor Ort in Gewahrsam. Gegenüber den Beamten habe der Mann ebenfalls beleidigende und in sexuelle Richtung gehende Bemerkungen gemacht. "Man kann aber in keinster Weise von einer Fast-Vergewaltigung reden", stellt Gottwald klar. 

"Absolut haltlos und übertrieben"

Der Flüchtlingshelferkreis Schonstett erklärt auf Nachfrage von wasserburg24.de, der Fall sei für sie längst erledigt. "Der Mann ist mittlerweile bei Vaterstetten untergebracht und war zum Zeitpunkt der Randale im Caritas-Heim sehr stark alkoholisiert. Der Begriff 'Straftat' stand jedoch nie im Raum", erklärt Flüchtlingshelferin Johanna Mayer. 

Und auch Margit Rychly, Einrichtungsleiterin des Schonstetter Caritas Hauses, hält den Vorwurf der Fast-Vergewaltigung für "absolut haltlos und übertrieben". Sie ist der Meinung, das Auftreten und die obszönen Beleidigungen des Asylbewerbers seien nicht zielgerichtet und absichtlich, sondern vielmehr dem Alkoholkonsum geschuldet gewesen: "Der Mann torkelte in der Gegend herum, konnte sich kaum auf den Beinen halten - wir hatten eher Bedenken, dass er auf die Heimbewohner im Rollstuhl fallen würde und sie so verletzen könnte." 

Mitarbeiter des Caritas-Heims - und nicht wie es in dem anonymen Brief heißt "ein umsichtiger Bürger" - hätten eingegriffen und die Polizei verständigt. Damit sei der Fall für das Heim abgeschlossen gewesen. "Wir sind ein offenes Haus, bei uns kann jeder raus und rein. Bis auf die Tatsache, dass es manchmal etwas lauter wird, kommen wir mit unseren Nachbarn im Asylbewerberheim gut zurecht", erklärt Rychly abschließend. "Sie sind fleißig, hilfsbereit und man begrüßt sich täglich mit einem netten 'Servus'."

Warum gab es keinen Pressebericht?

Obwohl der Vorwurf der Fast-Vergewaltigung von den Behörden als deutlich übertrieben eingestuft wird, stellt sich die Frage, warum die Polizei nicht über den Einsatz berichtet hat? Stefan Sonntag, Pressesprecher vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd, erklärt dazu gegenüber wasserburg24.de, dass bei Delikten kleineren Ausmaßes grundsätzlich nicht berichtet werden müsse: "Nur bei Straftaten von erheblicher Bedeutung wie Mord oder Totschlag steuern wir Pressemitteilungen. Die jeweiligen Polizeistationen in der Region entscheiden selbst, wann sie einen Einsatz der Öffentlichkeit mitteilen. Dabei steht auch immer die Frage der Auslegung im Raum und natürlich der Opferschutz - im Fall des Schonstetter Einsatzes im Caritas-Heim haben die Wasserburger Kollegen eben entschieden, nicht zu berichten."

Unter dem Aspekt "Fake-News" warnt Sonntag zudem vor übertriebenen Anschuldigungen bezüglich angeblicher Straftaten: "Wir haben es immer wieder vereinzelt mit solchen Fällen zu tun. Nach einer Überprüfung von Seiten der Polizei stellt sich aber heraus, dass Delikte, über die angeblich nicht berichtet werde, schlichtweg frei erfunden sind", so Sonntag abschließend. 

mb

Zurück zur Übersicht: Schonstett

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser