Er spielt mit dem ABC

Buchstaben-Jongleur: "Wenn Nachbarn das wüssten"

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Der 19-jährige Stefan ist zwar überzeugter Buchstabenjongleur, sein Umfeld soll das aber nicht unbedingt wissen.
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Schonstett - Für ihn haben Buchstaben nicht einfach nur Sinn und Zweck, er ist vernarrt in die Zeichen unserer Sprache. Darum hat sich Stefan ein besonderes Hobby zugelegt: Buchstabenjonglage.

Mit Stefan ins Gespräch zu kommen war zunächst einfach, doch wenn es um ein Foto von sich geht, wirkt er plötzlich zurückhaltend, fast schüchtern. "Wenn meine Nachbarn das wüssten, was ich in meiner Freizeit mache, mir würden viele den Vogel zeigen" glaubt der 19-Jährige. Der gebürtige Mainzer wohnt seit zwei Jahren in Schonstett und macht in seinem Umfeld noch ein großes Geheimnis aus seiner Leidenschaft: Der Buchstabenjonglage.

Diese neue Art des Buchstabierens macht dem 19-Jährigen großen Spaß. „Als Schüler bin ich oft zu Buchstabierwettbewerben gegangen, den ersten Sieg habe ich mit acht Jahren eingebracht“ erzählt Stefan. Dies sei der Start für sein weiteres Vorhaben gewesen. „Vom Buchstabieren in Deutschem Wortlaut gibt es dann noch Erweiterungen bei den Wettbewerben“, heißt es von Stefan. Dann werde in internationalem Alphabet buchstabiert und eine Stufe weiter sei das Piloten-Alphabet, also das Buchstabiermittel im internationalen Flugfunkverkehr, dran.

Auch im Ländervergleich beispielsweise in Südtirol sei es mit der italienischen Buchstabiertafel recht angenehm, die Wörter aufzuschneiden. "Es ist ein Abenteuer, innerhalb einer Stunde im Wettbewerb auf die verschiedensten Buchstabiertafeln umzuschalten, einfach nach Vorgabe von der Deutschen in die Italienische zu wechseln", erzählt Stefan.

Zahlencode

„Bei manchen Buchstabierwettbewerben geht es nur darum, das Wort in die richtigen Buchstaben zu gliedern, aber bei der Buchstabenjonglage muss ein Wort in die richtigen „Wörter“ sortiert werden, um richtig zu liegen, und das in einer guten Zeit“, erklärt Stefan gegenüber wasserburg24.de. Etwas wirr klingt es am Anfang, doch nach einigen Beispielen versteht wasserburg24.de-Reporterin Regina Mittermair, was es mit der Jonglage auf sich hat.

Beispielaufgabe

Stefan Buchstabiert das Wort Defibrillator nicht einfach mit dem ABC. Stefan zerbricht das Wort in die Buchstabierelemente, wie man es eben bei der Auskunft macht, wenn das Gegenüber einem nicht verstehen will, welcher Name eigentlich gesucht wird.

DEFIBRILLATOR wird also zerlegt in:

Dora, Emil, Friedrich, Ida, Berta, Richard, Ida, Ludwig, Ludwig, Anton, Theodor, Otto, Richard.

Stefan braucht keine vier Sekunden dafür.

Buchstabiertafel mit Unterscheidungen

Neben der Redemitteltafel im Deutschen Sprachgebrauch gibt es Unterschiede zu den Landsleuten aus Österreich und denen aus der Schweiz oder auch aus Italien. „Besonders schön sind aber die Wettbewerbe auf internationaler Ebene, bei denen wir mit der internationalen Buchstabentafel, quasi der aller Piloten, jonglieren“ schwärmt Stefan von der Vielfalt dieses Hobbys. Er macht jedes Jahr bei rund 45 Wettbewerben mit, ist teilweise in den USA, England oder in Finnland unterwegs. „In Finnland gibt es ja viele Wettbewerbe, Luftgitarre oder Baumstammwerfen, aber eben auch einer der anspruchsvollsten Buchstabenjonglierwettkämpfe“, heißt es von dem ABC-Liebhaber. Er nimmt es uns nicht übel, so genannt zu werden. „Aber ich bin kein Spinner, sondern habe das für mich als Gehirntraining entdeckt“ betont der 19-Jährige.

Ihm gefalle daran, dass man die Gedanken steuern müsse und gibt uns nochmal ein Beispiel auf eines der kommenden Events in der Buchstabenjonglage. „Jeder Buchstabe im ABC hat eine Nummer, wenn also BAUM das Lösungswort wäre, sagt der Wettbewerbsleiter dem Teilnehmer den Zahlencode 2-1-21-13 vor und Du musst schnell das Lösungswort finden. Das Ganze geht aber auch anders herum, dann wird das Wort vorgegeben und man muss den Zahlencode übermitteln“.

Stefan ist begeistert von dieser Sache und möchte die Buchstabenjonglage niemals gegen einen Sport oder einen künstlerischen Zeitvertreib tauschen. „Ich finde es großartig, wie ich hier fit bleibe und Spaß an der Sache habe“, so Stefan.

Seine Mitstreiter seien alle in einem recht jungen Alter. „Ich habe noch nie Mitbewerber gehabt, die älter als 40 Jahre alt sind, ich glaube man muss doch noch jung sein, um so etwas wirklich zu können“, lehnt sich Stefan etwas weit aus dem Fenster mit seiner Aussage. „Einrosten werde ich aber nicht so schnell, auch wenn mein Sport nur aus Denken besteht“ lächelt Stefan. Seinen Beruf verriet er erst ganz zum Schluss. „Ich bin Baggerfahrer und liebe meinen Beruf genauso wie die Buchstaben“.

Quelle: rosenheim24.de

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