Am 23. Mai ist Welt-Schildkröten-Tag

Harte Schale, weicher Kern - Eine Liebeserklärung an die Schildkröte

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Am 23. Mai ist Welt-Schildkröten-Tag: Eine Hommage an die gepanzerten Tiere. 
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Schonstett/Landkreis - Am 23. Mai feiern Tierfreunde aus aller Welt den "World Turtle Day". Wie viele Schildkröten gibt es bei uns in der Region und unter welchen Umständen dürfen sie gehalten werden? Eine Schildkrötenexpertin aus Schonstett klärt auf über die Leidenschaft zu den Panzertieren:

Daten und Fakten rund um die Schildkröte

  • Seit mehr als 220 Millionen Jahren bevölkern Schildkröten - damals noch zusammen mit Dinosauriern - die Erde. 
  • Es gibt über 320 verschiedenen Arten und über 200 Unterarten.
  • Dass der Fortbestand bis heute gesichert ist, ist der Anpassungsfähigkeit der Tiere zu verdanken. Menschliche Einflüsse jedoch gefährden die Tierart akut. Der Welt-Schildkröten-Tag gilt als Aktionstag zum Schutz der Schildkröten, soll auf Schutzprojekte und eine artgerechte Haltung hinweisen.
  • Krokodile sind unter den noch lebenden Reptilien die nächsten Verwandten der Schildkröten.
  • Die wechselwarmen Kriechtiere bringen ihre Jungen durch Eiablage zur Welt - die Anzahl der Eier variiert je nach Größe der Schildkröte.
  • Schildkröten können weit über 100 Jahre alt werden - sie zählen zu den am ältesten werdenden Tieren der Erde. Sofern nicht dokumentiert, kann das Alter einer Schildkröte nur anhand bestimmter Faktoren geschätzt werden.
  • Die langsamsten Schildkröten der Gattung Gopherus laufen pro Stunde nur 0,21 bis 0,48 Kilometer weit. 
  • Die Lederschildkröte mit bis zu 2,50 Metern Panzergröße hingegen gleitet bis zu 35 Kilometer pro Stunde durchs Wasser.
Eine Handvoll Tier: So groß ist eine frisch geschlüpfte Baby-Schildkröte. 

Bauchmuster der Schildkröten vergleichbar mit menschlichem Fingerabdruck 

Grundsätzlich müssen Schildkrötenhalter ihre Tiere registrieren und anmelden. Das erklärt Michael Fischer vom Landratsamt Rosenheim. "Bis auf die Rotwangen-Schmuckschildkröte, die relativ häufig in Gartenteichs gehalten wird und oft bei uns vorkommt, gibt es eine allgemeine Meldepflicht. Andernfalls hält sich die Schildkröte illegal bei uns auf." Der Halter muss über ausreichende Kenntnisse und über Einrichtungen zur Haltung und Pflege gemäß den tierschutzrechtlichen Vorschriften verfügen. Zudem muss mit einer gelben EU-Bescheinigung nachgewiesen werden, dass die Schildkröte aus einer legalen Zucht stammt. 

"Die ganze Registrierung gleicht einem Personalausweis für die Schildkröte", erklärt Fischer. Neben Merkmalen wie Gewicht, Größe oder Geburtsjahr ist auch jeweils ein Foto der Reptilien in sogenannten "Cities" hinterlegt - das Bild zeigt das Tier einmal auf dem Rücken und einmal auf dem Bauch. Das Bauchmuster der Schildkröten ist vergleichbar mit dem Fingerabdruck des Menschen. Keine Schildkröte hat dieselbe Musterung. Die genauen Vorschriften zur Schildkrötenhaltung sind in einem Infoblatt des Landratsamtes Rosenheim zusammengefasst. 

So viele Schildkröten gibt es in der Region 

  • Landkreis Rosenheim: knapp 1.600 gemeldete Schildkröten
  • Landkreis Traunstein: ca. 1.700 gemeldete Schildkröten
  • Landkreis Altötting: 2.228 gemeldete Schildkröten
  • Landkreis Mühldorf am Inn: 1.319 gemeldete Schildkröten
  • Landkreis Berchtesgadener Land: etwa 700 gemeldete Schildkröten
Für die Schildkrötenhaltung gibt es strenge Richtlinien. Alle Tiere müssen bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes registriert werden. 

Von der Leidenschaft zu den Panzertieren

Kleine Kinder wünschen sich normalerweise flauschige Haustiere, mit denen sie spielen können - Hund, Katze, Hamster. Doch bei Gusti Meyer war das anders: Sie ist mit Schildkröten groß geworden - und heute stolze Besitzerin einer Zucht in Weichselbrunn bei Schonstett. Gekommen sei die Leidenschaft für die Reptilien im Alter von zehn Jahren, als sie die ersten beiden Exemplare von ihren Eltern bekam. "Mit Anfang 20 hat sich die Faszination erst richtig entfaltet, ich führte das Hobby mit vier verschiedenen Rassen, den griechischen, maurischen und russischen Schildkröte sowie den Breitrandschildkröten, intensiv fort." Mittlerweile leben rund 70 Tiere im idyllischen Weichselbrunn - es waren schon mal über 150", lacht die Besitzerin. 

Herkules sei mit knapp 90 Jahren der Älteste und mit einer Größe von 40 Zentimetern und einem Gewicht von rund 5,5 Kilogramm der Größte in der Schonstetter Krötenfamilie. Mit Baltasar begann alles, das war Gusti Meyers erste Schildkröte. Er ist um die 50 Jahre alt. Da die Züchterin die Schildkröten mitunter paarweise verkauft, variiert die Zahl - genau wie beim Nachwuchs, der von Jahr zu Jahr unterschiedlich groß ausfällt: "Die Zahl der Babies ist abhängig von Witterung und Befruchtung", sagt Gusti Meyer. 

Wasserschildkröten habe sie auch, die buddeln sich kaum sichtbar im Schlammgrund des hauseigenen Gartenteichs ein. "Mit etwas Glück kann man sie beim Sonnenbaden beobachten", schmunzelt Gusti Meyer und lässt den Blick auf den Teich schweifen. "Doch kaum nähert man sich, verschwinden sie blitzschnell mit einem Platsch‘ ins Wasser." Und auch jede einzelne Schildkröte von Gusti Meyer ist gemäß den Vorgaben bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts gemeldet. 

Die Breitrandschildkröte Herkules ist die älteste Schildkröte von Gusti Meyer. 

Mit dem Panzer durchs Gehege

Die Schildkröten leben zwischen dem Wohnhaus der Familie Meyer und einer angrenzenden Wiese in einem naturnahen Gehege. Es besteht aus weitläufigen Flächen, einem Glashaus und mehreren Häuschen. Eine etwa ein Meter hohe, begrünte Steinmauer deutet die Grenzen an, in denen die Tiere nach Geschlechtern und Rassen getrennt leben. Wichtig für die Reptilien sei laut der Schildkrötenexpertin genügend Freifläche zum Auslauf und Verstecke in Form von Baumstämmen, Wurzeln, Büschen oder kleinen Häuschen. 

Von Mitte November bis etwa Ende März halten sie Winterschlaf in Überwinterungskisten im Keller. Die Wasserschildkröten buddeln sich in eine Schlammschicht im Teich ein. "Wenn sie einmal schlafen, sind sie komplett eingezogen", schildert Gusti Meyer. "Bis auf den Panzer hört und sieht man von den Tieren nichts mehr." Ab dem Frühjahr werden sie ab 20 Grad wieder aktiv - bei kühlerem Wetter verschanzen sie sich in den Häusern. An heißen Sommertagen suchen die Schildkröten regelmäßig die Wasserbecken auf oder halten in schattigen Plätzen Mittagsschlaf. 

"Grünzeug aller Art fressen sie am liebsten, Obst und Gemüse. Aber auch Schnecken, Käfer und Regenwürmer lassen sie sich nicht entgehen", erzählt Gusti Meyer lachend. Beim Anblick der kriechenden Panzertiere wird die Leidenschaft der Schildkrötenbesitzerin sichtbar. In der Ruhe liegt die Kraft - treffender kann man es zum Welt-Schildkröten-Tag nicht ausdrücken. 

Welt-Schildkröten-Tag: Die Schonstetter Kröten 

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