Archäologischer Fund gibt weiter Rätsel auf

Identität geklärt: Bei diesem Fund handelt es sich um einen Schreibgriffel aus dem Hochmittelalter. Fotos Steffan

Wasserburg - Nach 35 Jahren ist es jetzt dem Kreisheimatpfleger gelungen, den Teil eines archäologischen Fundes in Wasserburg zu bestimmen. Anderes gibt dagegen weiterhin Rätsel auf.

1976 kamen zwei Bronzeobjekte und eine römische Münze in den Besitz des städtischen Museums, die Otto Flemisch auf einem Grundstück zwischen Rosenheimer und Dr.-Fritz-Huber-Straße gefunden hatte. Einige Scherben und eine mittelalterliche Münze verblieben in Privatbesitz. Der Fund hänge wohl zusammen mit einem Trampelpfad vom steilen Hang der Rosenheimer Straße in Richtung Innwerk, dessen hohlwegartige Rinnen mit verschiedenem Aushubmaterial aus der Altstadt, auch aus dem Heiliggeist-Spital, aufgefüllt worden waren, so vermutete Ferdinand Steffan.

Jetzt half ihm weiter, dass Grabungsfunde aus dem Bereich des alten Klosters Herrenchiemsee ausgewertet und veröffentlicht wurden. Als Folge konnte auch der bronzene "Stilus" vom unteren Burgerfeld einem besonderen Typ von Schreibgriffeln zugeordnet werden. Mit der Spitze des Gerätes konnte man Notizen in ein Holz- oder Beintäfelchen, dessen Oberfläche mit Bienenwachs beschichtet war, ritzen und im Bedarfsfall mit dem hammerartigen Ende das Wachs wieder glätten.

Die ältesten Belege für diesen "Griffeltyp" stammen aus dem 12. Jahrhundert, nach dem Ende des 14. Jahrhunderts kommt er nicht mehr vor. Da dieser Stilus mit keiner klösterlichen Schreibstube im Bereich des Fundortes in Verbindung gebracht werden kann - das Kapuzinerkloster entstand ja erst im 17. Jahrhundert - muss es sich nach Ansicht Steffans um einen Siedlungsfund aus dem Bereich der Altstadt handeln, der auf die Flächen des Burgerfeldes verlagert worden ist.

Hand in Hand mit diesem Schreibgerät geht eine kleine Münze, ein sogenannter Handheller oder Radkreuztyp aus dem 13. Jahrhundert. Das dünne Bronzeplättchen zeigt auf der einen Seite eine geöffnete Hand, auf der anderen ein Radkreuz mit Punkten zwischen den Speichen.

Warum heißt der Handheller Handheller? Die Frage beantwortet sich selbst.

Ungeklärt ist bislang nicht nur die runde Bronzeapplik, sondern auch der Rand eines mittelalterlichen Gefäßes mit einem Strahlenstempel, der in der Keramikliteratur noch nicht dokumentiert ist.

Völlig aus dem zeitlichen Rahmen fällt schließlich die spätrömische Fundmünze vom gleichen Grundstück. Sie stammt aus der Zeit von Kaiser Constantius II. oder Julian III. (355/361 n.Chr.), und lässt sich mit Münzen aus dem Innenhof von Haus Marienplatz 19 (Huber/Kress) und jenen, die beim Bau der Innstaustufe gemacht worden sind, in Verbindung bringen. Sie könnte aus der Altstadt auf die Flur im Burgerfeld verlagert worden sein. Aber für Ferdinand Steffan ist auch denkbar, dass sie zu einem originalen Fundkomplex bei einem römischen Innübergang gehört haben könnte.

Der Heimatpfleger weist darauf hin, dass der kleine Schreibgriffel mit seinen 7,3 Zentimeter Länge zu einem der wenigen mittelalterlichen Funde der frühen Stadtgeschichte gehört. Denn außer einem romanischen Zierbeschlag (etwa 1150 bis 1200), der 1888 in der Ledererzeile gefunden worden war, gibt es nur etliche Knochenfunde und einige neuzeitliche Eisenobjekte.

re/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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