Schüsse auf dem Badria-Parkplatz

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Wasserburg - Absurde Rechtfertigung: Weil er ein bekannter Rap-Sänger sei und die Leute auf ihn losgingen, habe er eine Waffe in der Hose stecken, erklärte ein Angeklagter.

Weil er ein bekannter Rap-Sänger sei und die Leute auf ihn losgingen, habe er eine Waffe in der Hose stecken, so ein 23-jähriger Kosovare vor dem Amtsgericht Rosenheim, Zweigstelle Wasserburg. Dort musste er sich jetzt wegen vorsätzlichen, unerlaubten Führens einer Schusswaffe verantworten. Nun erwartet ihn eine Freiheitsstrafe von vier Monaten ohne Bewährung.

"Schüsse auf dem Badria-Parkplatz" lautete ein Notruf, mit dem in der Nacht zum 14. August des vergangenen Jahres eine Streife der Wasserburger Polizei von der Einsatzzentrale informiert wurde. Da der Täter schon weg war, positionierten sich die Beamten an der Köbingerbergstraße. Ein am Einsatz beteiligter Polizist wusste, dass dort schon öfter was los war und tatsächlich tauchte dort kurz darauf der Tatverdächtige mit einem Begleiter auf. Bei der Feststellung der Personalien fand die Polizei eine Schreckschusspistole im Hosenbund, die der Kosovare laut Anklageschrift ohne die erforderliche waffenrechtliche Erlaubnis mitgeführt habe.

Auf dem Parkplatz soll er sich dann dem Auto eines 20-jährigen Pittenharters genähert und in zehn bis 15 Metern Entfernung die Waffe halb auf ihn und halb auf das Auto gerichtet haben. Bevor er abzog, soll ihm sein Begleiter den Waffenarm nach unten gedrückt haben und dabei löste sich ein Schuss.

"Da stimmt die Hälfte nicht", beteuerte der Angeklagte. Vielmehr sei der Pittenharter mit seinem Auto direkt auf ihn losgefahren und als er ihn zur Rede gestellt habe, hätte dieser einen Baseballschläger aus dem Kofferraum geholte, ihn damit bedroht und auf ein Parkplatzschild eingeschlagen.

Auf Nachfrage des Gerichts, ob er immer mit einer Waffe in die Diskothek gehe, erklärte der Angeklagte, dass er die Waffe auf dem Parkplatz versteckt gehabt habe. Ganz genau könne er sich an den Abend aber nicht erinnern, da er über 1,3 Promille gehabt habe. Doch da hatte sich der Angeklagte wohl ein bisschen überschätzt, denn laut Polizei waren es 0,8 Promille.

Auch sein Begleiter, der als Zeuge vor Gericht aussagen sollte, berief sich auf zu viel Alkohol und Erinnerungslücken. Er habe von dem Schuss in der Zeitung gelesen und Freunde hätten ihm davon erzählt, sagte der 19-jährige Bäcker.

Dem gegenüber standen die Aussagen eines weiteren Zeugen, der zwei Schüsse, einmal auf den Boden und einmal am Auto vorbei, beobachtet hatte. Und der Polizist, der von der Einsatzzentrale über Schüsse informiert worden war, hatte keinen Baseballschläger gefunden.

Der Geschädigte zeigte sich bei seiner Aussage vor Gericht noch sichtlich beeindruckt von dem Vorfall und sagte, dass er Angst gehabt habe. Er habe bei offener Tür in seinem Auto auf seine Spezln gewartet, als er zwei Schatten gesehen habe. Dabei habe es ein Wortgefecht gegeben, das er aber nicht genau gehört habe. Ohne Vorwarnung habe der eine Mann dann mit einer Waffe in seine Richtung gezielt. Da dessen Begleiter ihm dann den Arm herunterdrückte, habe er auf den Boden geschossen. Völlig außer sich sei er daraufhin aus dem Auto gesprungen, habe sich einen am Boden liegenden Ast geschnappt und gegen ein Schild geschlagen.

Fünf Einträge ins Bundeszentralregister mit Vorahndungen wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Diebstahls, Urkundenfälschung und Sachbeschädigung hat der Angeklagte. Zur Klärung, ob vorangegangene Strafen und Bewährungsauflagen erfüllt sind, gab es einen Fortsetzungstermin, zudem der Angeklagte zunächst nicht erschien. So verhandelte man ohne ihn weiter, da er bereits vernommen worden war und eigenmächtig nicht erschien.

Auf Nachfrage des Gerichts hatte der Angeklagte weder die verhängten 100 Stunden gemeinnützige Arbeit abgeleistet noch seine offene Geldstrafe in Höhe von 150 Tagessätzen zu je 40 Euro bezahlt.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte zwar geschossen, eine Bedrohung sei allerdings nicht nachweisbar. Für das unerlaubte Führen einer Schusswaffe, in diesem Fall eine Schreckschusspistole, beantragte sie eine Freiheitsstrafe von vier Monaten. Die sei erforderlich, da es keine günstige Sozialprognose gebe.

Das Gericht schloss sich in seinem Urteil dieser Forderung an und zeigte sich überzeugt davon, dass der Angeklagte auf dem Parkplatz geschossen habe. Zeugen hätten den Schuss gehört und die Polizei habe die Waffe im Hosenbund des Angeklagten gefunden. Die Aussetzung der Strafe zur Bewährung sei ausgeschlossen, da es sich beim Angeklagten um einen Bewährungsversager handle und weitere Straftaten nicht ausgeschlossen seien, hieß es in der Urteilsbegründung.

Die Verteidigung hatte einen Freispruch beantragt, da es sich um keine scharfe Waffe gehandelt habe, die Zeugen es nicht genau gesehen hätten und der Angeklagte die Vorwürfe bestreite. Der hat nun die Möglichkeit, Einspruch gegen das Urteil einzulegen. Ob er das tut, war noch unklar, denn er hatte sich wohl in der Uhrzeit geirrt und erschien erst nach der Urteilsverkündung im Gericht.

ca/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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