Seepferdchen ist nett, reicht aber nicht

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Schwimmen im See macht Spaß, will aber gelernt sein, was gar nicht so schwierig ist.

Wasserburg - An den Seen und in den Freibädern ist schon seit einigen Wochen Betrieb. Die Wasserwacht macht sich hingegen Sorgen: Immer weniger Schulkinder können schwimmen.

An den Seen und in den Freibädern ist schon seit einigen Wochen Betrieb, jetzt stehen die Sommerferien vor der Tür und der Betrieb wird dort eher noch zunehmen. Der eine oder andere sollte sich den Weg ins kühle Nasse vielleicht besser verkneifen. Oder schwimmen lernen.

"Es gibt immer weniger Schulkinder, die sicher schwimmen können" hat Freddy Eisner, Vorsitzender der Wasserburger Wasserwacht, in den letzten Jahren festgestellt. Was eine Studie der DLRG, der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, bestätigt: 2009 konnten deutschlandweit 45 Prozent der Grundschüler nicht sicher schwimmen.

Das Seepferdchen, das immerhin 77 Prozent der Grundschüler stolz an Badeanzug oder -hose tragen, erfüllt nach Ansicht von Wasserwacht und DLRG nicht die Kriterien für sicheres Schwimmen, müssen dafür doch nur 25 Meter zurückgelegt werden. Erst mit dem Bronzeabzeichen, dem ehemaligen Freischwimmer, könne man sicher schwimmen, so die DLRG.

Nicht alle Bäder sind für den Schwimmunterricht geeignet. "In den Spaß- und Attraktionsbädern lernt man nicht richtig schwimmen, weil man überall stehen kann", erklärt Freddy Eisner. Daher seien auch die Schulbecken so wichtig, doch viele machen inzwischen zu.

"Die meisten wurden in den 70er Jahren gebaut, damals wurden sie vom Staat gefördert", sagt Jörg Berchtenbreiter vom Haager Hallenbad. Jetzt müssten viele aus Kostengründen schließen. Auch das Haager Hallenschwimmbad müsste renoviert werden, Geld ist zurzeit keines da. Er hofft trotzdem, dass das Bad bestehen bleibt "Immerhin ist es von der Bevölkerung gut genutzt. Und für die Schulen ist es wichtig, dass ein Schwimmbecken in der Nähe ist, schon jetzt kommen die Schüler aus einem großen Umfeld zu uns. Wartelisten für Schulschwimmstunden von bis zu einem halben Jahr gibt es auch."

Doch neben den langen Fahrtzeiten gibt es für diese Schulen noch weitere Probleme. "Die Zeiten in Schwimmbecken müssen oft von den Schulen bezahlt werden", erklärt Peter Aigner, Lehrer in der Haager Grundschule. Das schuleigene Schwimbecken hält er für einen absoluten Glücksfall: "Bei uns gibt es für alle Klassen jede dritte Woche Schwimmunterricht."

Noch besser geht es den Kindern an der Reitmehringer Grundschule, sie haben jede Woche Schwimmunterricht im schuleigenen Becken. "Wir sind da sehr verwöhnt", gibt Michaela Schrag zu. Etwa ein Drittel der Kinder könne bei der Einschulung sicher schwimmen, die anderen bewegten sich angstfrei im Wasser. Und bis zum Ende der Grundschulzeit können alle Kinder schwimmen.

Die Grundschule Schnaitsee hat kein eigenes Schulbad, fährt zum Schwimmunterricht gute 15 Kilometer einfach nach Reitmehring. "Die Kosten trägt die Gemeinde", sagt Stefan Thanner "Für jede unserer acht Klassen können wir vier Schwimmstunden pro Jahr anbieten." Am Ende der Grundschule haben alle mindestens das Seepferdchen. Für das Bronzeabzeichen ist die Reitmehringer Schwimmhalle aber zu klein. Trotzdem wird noch viel gemacht: Kleiderschwimmen, verschiedene Techniken, die Schule hat auch einen eigenen Satz Schwimmflossen. Dennoch, ohne Eltern wäre der Unterricht in dieser Form wohl kaum möglich. Obwohl einige Schnaitseer Lehrer Schwimmunterricht geben können, reicht es nicht. Eltern müssen einspringen, erwerben dafür extra ein Rettungsschwimmabzeichen. "Sie leisten einen großen Beitrag", lobt Thanner.

Doch wenn es keine so engagierten Eltern gibt, dann wird eben der Schwimmunterricht gekürzt. Da ist es dann auch egal, dass er nach dem bayerischen Kultusministerium fester Bestandteil des Schulunterrichts aller Schularten sein sollte. "Einerseits heißt es, die Kinder machen zu wenig Sport, aber dann wird er zu wenig subventioniert", meint Berchtenbreitner aus Haag.

Allerdings ist die Schule nicht der einzige Ort, wo Kinder Schwimmen lernen können. "Der Andrang bei uns ist hoch", erklärt Sabine Kastner von der Volkshochschule "Unsere Schwimmkurse im Badria sind seit Jahren ausgebucht." Dasselbe sagt auch Eisner über die Schwimmkurse der Wasserwacht. Zugleich gibt er aber zu bedenken: "Wir haben Glück, dass wir das Schwimmbecken in Rechtmehring kostenlos nutzen können. Viele Kollegen im Landkreis jammern über fehlende Schwimmbecken oder horrende Preise."

Zudem nützten die Schwimmkurse nichts, wenn die Eltern dann nicht mit den Kindern schwimmen gingen, meint Sabine Kastner, es sei eben doch immer noch Sache der Eltern. Eisner ist derselben Meinung: "Wir können den Kindern anfangs nur die Angst vor dem Wasser nehmen. Es ist wichtig, dass die Eltern nebenbei noch regelmäßig mit ihren Kindern schwimmen gehen." Und da fehlt es oft. "Wenn die Eltern keinen Bezug zum Schwimmen haben, bringen sie es den Kindern eben auch nicht bei", heißt es aus der Wasserburger Grundschule am Gries.

Seit Jahren beobachtet Freddy Eisner, der auch stellvertretender Vorsitzender der Kreiswasserwacht ist, einen größer werdenden Anteil - geschätzt ist es ein gutes Drittel - von Nichtschwimmern oder unsicheren Schwimmern im Kindes- und Jugendalter. "Die meisten Besucher am See kühlen sich ja auch nur kurz ab, die wenigsten schwimmen eine längere Strecke. Viele können gar nicht schwimmen, obwohl sie es glauben", sagt Eisner.

Die Folgen davon können fatal sein. Laut der DLRG-Jugend Bayern ist Ertrinken bei Kindern immer noch die zweithäufigste Todesursache. Dabei stehe diese Region im Vergleich noch gut da, so Eisner, dennoch gibt er keine Entwarnung. Im Gegenteil. "Die Zahl der Gewässertoten insgesamt steigt wieder", erklärt er.

mo/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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