Seit 20 Jahren unterm Johanniterkreuz

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Gerd Peiss vom Regionalverband, Albert Reiter mit Karl Zeuner vom BRK (von links).

Wasserburg - Sie leisten bei Unfällen und Katastrophen Erste Hilfe, transportieren Kranke: Das achtspitzige Kreuz der Johanniter prägt seit 20 Jahren das Rettungswesen in Wasserburg mit.

Ob Opernfestival auf Gut Immling oder Gautrachtenfest: Die Johanniter-Unfall-Hilfe stellt bei vielen Großveranstaltungen in der Region Wasserburg eine Anlaufstelle bei medizinischen Problemen aller Art dar. Doch kaum jemandem, der sich im Sanitätszelt wegen eines Sonnenstichs oder einer Sturzverletzung behandeln lässt, ist bewusst, dass die freundlichen Helfer Mitarbeiter eines protestantischen Ritterordens sind.

Sein Start im katholisch geprägten Wasserburg galt vor 20 Jahren als Sensation, erinnerte sich beim Festakt zum Jubiläum der Mann der ersten Stunde, der noch heute den Ortsverband leitet, Albert Reiter. Damals löste sich eine ganze Gruppe von Ehrenamtlichen im Streit aus dem Wasserburger BRK und gründete eine "Konkurrenz". Noch im Gründungsjahr gelang es dem jungen Verein, einen ersten Sanitätsdienst aufzubauen. Damalige Ausrüstung: ein einziger Sanitätskoffer.

Die Wasserburger Johanniter im Einsatz.

1995 wurde bereits der erste Krankentransportwagen der Wasserburger Johanniter in den öffentlichen Rettungsdienst aufgenommen. Im Jahr 2000 begann der Umbau einer ehemaligen Lagerhalle der Isar-Amperwerke in der Schmerbeckstraße zur professionellen Rettungswache.

Hier startete im Jahr 2000 auch die erste Johanniter-Jugendgruppe. Mittlerweile gibt es sechs Nachwuchsteams mit 103 Teilnehmern, die in diesen Tagen wieder zu Gast in vielen Haushalten der Region waren - als Christbaumabholer.

Weitere Zahlen von Reiter, der seine Bilderreise durch 20 Jahre Johanniter in Wasserburg mit vielen Anekdoten würzte, charakterisierten die Bedeutung für das Rettungswesen in der Region Wasserburg: Im vergangenen Jahr führten die Johanniter 1936 medizinische Einsätze im Krankentransport und Rettungsdienst durch. Der Fahrdienst legte nach Informationen des Ortsverbandsvorsitzenden die Rekordzahl von 333 641 Kilometern zurück. 76 ehrenamtliche und 21 hauptamtliche Mitarbeiter sowie fünf Zivildienstleistende sind für den Betrieb zuständig, 7778 Fördermitglieder unterstützen den Verein. Er hat im vergangenen Jahr 66 Kurse angeboten, in denen sich 809 Teilnehmer ausbilden ließen. 231 Bürger sind über den Hausnotruf mit den Johannitern verbunden - übrigens nicht nur Senioren, sondern auch Behinderte oder erkrankte Menschen, die auf schnelle Hilfe angewiesen sind.

Das Aufgabengebiet der Johanniter habe sich, so Reiter, in den vergangenen 20 Jahren umfangreich erweitert: 2009 eröffnete der Ortsverband eine weitere Dienststelle in Kirchseeon, 2010 übernahm er die erste Trägerschaft für eine Kinderkrippe. Zur Wasserburger Gruppe gehören eine Hunde- und sogar eine Fahrradstaffel. Es gibt einen Schulsanitäts- und einen Rückholdienst. Seit 1997 beteiligen sich die Wasserburger Johanniter außerdem an den Hilfstransporten der Weihnachtstrucker nach Rumänien, Moldawien und in die Ukraine. Sie werden auch zu überregionalen Einsätzen gerufen, die in den vergangenen 20 Jahren vom Hochwasser in Dresden bis zum ökumenischen Kirchentag in München reichten.

Seine "Hochachtung für die Leistungen der Wasserburger Johanniter" brachte auch der Vorstand des Regionalverbandes München, Gerd Peiss, in seinem Grußwort zum Ausdruck. Er würdigte vor allem die "hervorragende Jugendarbeit" der Ortsgruppe, die den Johannitern den notwendigen Nachwuchs sichere.

Lobende Worte und eine Ehrenurkunde gab es auch vom BRK-Kreisvorsitzenden Karl-Heinrich Zeuner, der das "gesunde Konkurrenzverhältnis" zwischen Johanniter-Unfall-Hilfe und Bayerischem Roten Kreuz nicht verhehlte. Die Gründerzeiten der Johanniter vor 20 Jahren seien durch Spannungen zwischen den beiden Rettungsorganisationen geprägt gewesen, doch das "Kriegsbeil", so Zeuner schmunzelnd, sei längst begraben. Heute präge eine professionelle Zusammenarbeit in Wasserburg den Alltag, bestätigten Reiter und Zeuner. "Schließlich haben wir ein Ziel gemeinsam: Menschen zu helfen", so der BRK-Kreisvorsitzende.

Die Verbundenheit der Johanniter mit einem dicht geknüpften Netzwerk an Rettungs- und Hilfsdiensten symbolisierte auch der Festakt, an dem Vertreter der Rettungsleitstelle und des Katastrophenschutzes, der Berg- und Wasserwacht, der Feuerwehr und des THW sowie der zuständigen Behörden teilnahmen. Die Stadt Wasserburg vertrat Dritter Bürgermeister Otto Zwiefelhofer, der von zahlreichen Kollegen aus den Nachbarorten begleitet wurde, den Johanniter-Orden Harald Baron von Koskull.

duc/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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