"Singa is unsa Freid"

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Begeisterten zum Ende der Volksmusiktage: Stimmgewaltige Gesangsgruppen...

Wasserburg - Das Heiraten ist scheinbar immer noch hoch interessant, denn bei den 38. Wasserburger Volksmusiktagen mit der vielsagengen Überschrift "Diandl, wannst heiratst" blieb im Rathaussaal kein Platz frei.

Organisatorin Claudia Geiger begrüßte auf der Bühne die Kirchleitn-Soatnmusi, den Ebersberger Singkreis mit seinem Dirigenten Sepp Krammer, die Geschwister Forster, die gstandenen Mannsbilder der Reichersdorfer Sänger und nicht zuletzt die Baumgartner Geigenmusi, die als Kindergruppe schon beim Wasserburger Löwen erfolgreich waren.

Bert Lindauer bereicherte den musikalischen Abendgenuss mit seinen unnachahmlichen baierischen Gschichten und Weisheiten um Brautschau, Kinderkriegen, Heiraten und Zusammenleben früher und heute mit Sätzen wie: "Wenn'st erst amoi 40 Jahr verheirat' bist, dann is scho wurscht, mit wem."

... und schwungvolle Instrumentalgruppen.

Viel war von der Bedeutung des Frühlings in Sachen Gefühle zu hören, wenn die Geschwister Forster sangen: "Spitz'n d' Palmkatzerl außa" oder die Reichersdorfer Sänger schilderten, was los ist "Im Fruahjahr, wann da Schnee weggeht" und "auf da Heschzinga Alma". Der Ebersberger Singkreis durfte das titelgebende Lied singen, erzählte sonor, dass "de Liab steigt oft übern höchsten Zaun" und walzerbeschwingt "Diandl, i liabat di" mit einem souverän vorgetragenen Sopranpart. Nachdenklich machten die Geschwister Forster, als sie feststellten: "De Liab is wiar a Bach" und kann auch einfach vergehn.

Einige treffende Sprüche seiner Mutter streute Bert Lindauer dazwischen, und auch die harte Erkenntnis: "Das Dirndl ist die Beute, die auf den Jäger wartet." Ein besonderes Vergnügen bereitete die Kirchleitn-Soatnmusi mit dem Heimatwerk-Galopp, dem Walzer für d'Claudia und dem Briafal-Walzer, - auch wenn heutzutage eher SMS-Botschaften gefragt sind. Auch die schönen Boarischen und Walzer von der Baumgartner Geigenmusi hätte man nicht missen mögen, bevor die Geschwister Forster mit dem nicht nur bei Pferdefreunden geliebten "I hob hoit zwoa kohlschwarze Rappal" alle in die Pause schickten.

Allerdings, wer in der Pause draußen auf dem Platz vorm Rathaus kuschelnde Liebesleute entdecken wollte, wurde aufgrund der unwirtlichen Temperaturen enttäuscht. Dafür kehrten alle gestärkt - "Was flüssig ist kein Fasten bricht" hatte der Lindauer Bert als Losung mit auf den Weg gegeben - und erwartungsvoll in die zweite Halbzeit zurück, empfangen von der jahreszeitlich passenden Oster-Polka der Baumgartner Geigenmusi, die später noch den Oktober Walzer und den technisch höchst anspruchsvollen Hildener Jodler spielten. Dem Erlebnisbericht der Reichersdorfer "Aufs Gassl bin i ganga", einem einschlägigen sechsstrophiges Zwiegespräch "Dirndl is harb (= beleidigt)" vom Ebersberger Singkreis folgte das Birgit-Polkerl von der Kirchleitn-Soatnmusi, und dann die köstliche Geschichte vom Lindauer Bert über die Religionsunterrichtsfrage "Wer hat Jericho zerstört", die selbst in Rom eine falsche Antwort erhielt.

Wiederhörensfreude machten die Geschwister Forster mit den beiden Liedern "Is am Himme koa Stern" und "Wo i hoid geh", die Reichersdorfer Mannsleut bewunderten ihr "herzigschöns Dianei" und hatten sogar eine Bleibe parat: "I hob halt a Häusl am Roa". Der Ebersberger Singkreis, diesmal ohne instrumentales Zwischenspiel, bereitete auf einen ruhigen Nachhauseweg vor "Is scho still um a'n See". Vorher aber erntete die Kirchleitn-Soatnmusi stürmischen Beifall für den Maxglaner Marsch von Tobi Reiser. Eigentlich sollten sie mit dem Kirchleitn-Boarischen auch das Schlussstück bringen, aber da spielten die begeisterten Zuhörer nicht mit. Mit unaufhörlichem Applaus verlangten sie eine Zugabe - und sie bekamen eine: Dirigiert von Sepp Krammer durften sie, nach Textansage vom Lindauer Bert, selber singen: "Singa is unsa Freid", und sie machten es gar nicht schlecht.

ags/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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