Solarpaneele auf Altstadthaus müssen weg

Wasserburg - Das Verwaltungsgericht hat jetzt beschlossen: die Solarpaneele auf einem Wasserburger Altstadthaus müssen weg. Der Grund: Denkmalschutz.

Zum Ortstermin waren die Richter und Schöffen eigens nach Wasserburg gekommen. Von der Straße und von der Burg aus machten sie sich einen Eindruck vor allem von der Dachlandschaft der Innstadt, die aus denkmalpflegerischer Sicht ein hohes Gut darstellt und daher als Ensemble geschützt ist, wie Christoph Scholter vom Landesamt für Denkmalpflege bei der Verhandlung im Wasserburger Rathaus einmal mehr erklärte. Die war öffentlich, nachdem beim Ortstermin auf Wunsch des Klägers die Presse noch ausgeschlossen war.

Doch auch so wurde klar, dass die Richter dabei den Eindruck gewonnen hatten, dass die Beseitigungsanordnung des Landratsamtes Rosenheim nicht ganz unbegründet war. Dieses sei "voreingenommen und uneinsichtig" gewesen und habe ihn besonders schikanös behandelt, war dagegen der Kläger überzeugt.

Der hatte im Winter 2009/10 ohne Bauantrag auf seinem Haus eine große Fotovoltaikanlage aufgebaut, die Stadtbauamt und Nachbarn gleichermaßen entrüstete. Einen Teil davon entfernte er dann nach entsprechenden Reaktionen wieder, den Rest allerdings hielt er für verträglich, da die Solarpaneele nur "ein Hundertdreißigstel des Gesamtpanoramas von der Burg aus" einnehmen würden, wie sein Anwalt mit Bezug auf die Berechnung eines Ingenieurs vortrug. Das sei "äußerst geringfügig" und im Vergleich zu anderen Glasflächen und Pergolen, die ebenfalls zu sehen seien, zu vernachlässigen.

Dass es einige Bausünden auf den Wasserburger Dächern gibt, diesen Eindruck gewann auch das Gericht. Aber das Landratsamt und die Stadt seien ja gerade dabei, diese Situation zu verbessern: Die Stadt arbeitet an einer neuen Gestaltungssatzung, in die auch die Dächer und damit Fotovoltaikanlagen einfließen werden. Dafür wurde allerdings das VG-Verfahren noch abgewartet.

Dass die verglasten Lichthöfe zwar ursprünglich nicht zu den mittelalterlichen Inn-Salzach-Gebäuden gehören, wegen derer die Wasserburger Dachlandschaft so wichtig sei, das wollte auch Christoph Scholter nicht abstreiten. Sie seien meist im 19. Jahrhundert entstanden, aber inzwischen eben auch Denkmal, so seine Sichtweise.

Strittig blieb, ob das gut 20 Jahre alte Parkhaus an der Überfuhrstraße noch im Ensembleschutz liegt oder nicht. Denn die Anlage darauf wollte der Kläger als Bezug sehen, was von der Stadt entschieden bestritten wurde. Das Gebäude sei klar außerhalb der Grenzen.

Dem Gericht war "aufgestoßen", wie es Präsident Geiger formulierte, dass der Kläger versichert hatte, die Anlage sei von der Straße aus nicht zu sehen, "was nicht stimmt". Außerdem gab es Ungereimtheiten um die konkrete Besitzeintragung, was den Richter ebenfalls "befremdete".

Der Kläger dagegen sah sich öffentlich an den Pranger gestellt als "Schänder der Dachlandschaft". Dabei habe er mit seiner Frau das Gebäude gerade als Denkmalschützer erworben und mit großem Einsatz wieder hergestellt. Die Anlage sei wichtig, um die Nebenkosten für die Mieter niedrig zu halten. Da müsse man mit einer "von der Stadt subventionierten Miete" nebenan konkurrieren, spielte er auf den GWG-Neubau an der Schlachthausstraße an, was Bürgermeister Michael Kölbl zu verständnislosem Kopfschütteln veranlasste: Der Bau sei von der Stadt nicht subventioniert.

Dass man dem Landratsamt keine Pläne vorgelegt habe, begründete der Hausbesitzer mit der Voreingenommenheit in der Bauabteilung dort. Die habe ihn bei den Gesprächen "an der Nase herumgeführt" und letztlich immer nur festgestellt, dass man "nichts Glitzerndes" auf dem Dach wolle.

Die Amtsvertreterin betonte dagegen, dass die Anlage so nie genehmigungsfähig gewesen sei. Man habe aber einen Kompromiss gesucht. Die Forderung des Bauherren, einen Antrag nur in persönlicher Anwesenheit des Landrates abzugeben, sei jedoch "nicht zu erfüllen gewesen", stellte sie klar.

Noch liegt die schriftliche Begründung des Urteils nicht vor. Daher wollte sich das Landratsamt auch noch nicht äußern. Bürgermeister Kölbl war über die Zurückweisung des Widerspruchs gegen die Beseitigungsanordnung dagegen "sehr froh". Das sei für die Dachlandschaft und den Denkmalschutz in Wasserburg sehr wichtig. Es gebe Wege, auch in der Altstadt Fotovoltaikanlagen zu installieren, war er überzeugt. Sie dürften aber nicht im Vordergrund stehen und seien sicher Einzelfallentscheidungen.

koe/Wasserburger Zeitung

 

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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