Letzte Deponie macht endgültig dicht

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So gut wie geschlossen: Die Deponie Sieghart wird bis 2016 abschnittweise abgedichtet.

Soyen - Auch wenn es immer noch Lkw-Verkehr nach Sieghart gibt: Müll wird dort schon lange nicht mehr verfüllt.

Die ehemalige Landkreis-Deponie ist geschlossen und wird derzeit endgültig abgedichtet.

Die Wellen schlugen hoch vor 25 Jahren, als der Landkreis Rosenheim seine Pläne bekannt gab: Eine ehemalige Kiesgrube in Sieghart bei Soyen, direkt über dem Inn gelegen, sollte den Landkreis aus dem akut drohenden Müllnotstand befreien, der sich damals nach Verfüllung der Deponie in Flintsbach abzeichnete.

Es gründete sich spontan eine Bürgerinitiative dagegen, Proteste wurden formuliert, Rechtsanwälte beschäftigt. Trotzdem wurde 1990 der erste Hausmüll in Sieghart abgekippt. Weil sich aber die Gesetzgebung änderte, die Müllverbrennung vor der Deponierung vorgeschrieben wurde und 1994 die zentrale Anlage in Burgkirchen (Landkreis Altötting) in Betrieb ging und außerdem die Mülltrennung immer effektiver wurde, sank die Bedeutung der Deponie nach und nach. 2005 kippte der letzte Mülltransporter seine Ladung in Abschnitt 3. Gleichzeitig wurde der erste Abschnitt bereits mit Lehm und Erde abgedichtet und begrünt, nachdem sich der Müll dort ausreichend gesetzt hatte.

Ausgerechnet dort sind jetzt wieder große Baumaschinen im Einsatz. "Die Deponietechnik hat sich doch etwas verändert seit 1990", so Gerhard Kippes, der im Landratsamt für dieses Projekt verantwortlich ist.

Immerhin wurde beim Bau 1989 der Boden der kompletten ehemaligen Kiesgrube, die drei Hektar umfasst, bereits nach unten mit einer dicken Lehmschicht abgedichtet. Darüber wurden Drainagen verlegt. Das Sickerwasser daraus landet in einem Tank, der immer noch regelmäßig geleert wird.

Den ersten Füllabschnitt hat man nach oben ähnlich abgedichtet mit Lehm und Humus. Inzwischen muss das letztlich unbekannte Innenleben einer Restmüll-Deponie aber deutlich aufwändiger abgeschottet werden. Und so wird derzeit das Humusmaterial wieder entfernt und die Lehmschicht überprüft. "Es schaut gut aus, daran müssen wir nichts mehr machen", ist Baudirektor Kippes froh. Doch über dem Lehm gibt es einen komplett neuen Aufbau: Eine vier Millimeter dicke Folie wird verlegt und verschweißt, darüber kommt ein Kunststoff-vlies. Eine 20 Zentimeter dicke Kiesschicht sorgt für das Ableiten von Niederschlägen. Darauf kommen dann 80 Zentimeter Bodenaushub und schließlich 20 Zentimeter Humus. "Die Kombinationsabdichtung mit Kunststoff und Lehm ist der neueste Stand. Wachsen kann darauf fast alles, bloß kein Wald", versichert Kippes. Der Grund: Höhere Bäume hätten keine ausreichende Standfestigkeit und könnten die Abdichtung beschädigen.

Bis zum Jahresende soll der Abschnitt 1 komplett zu sein, 1,5 Millionen Euro wird der Landkreis dann in die Abdichtung investiert haben - oder besser der Landkreisbürger, denn der zahlt die Maßnahme über die Müllgebühren. 2014 soll es weitergehen mit dem Abschnitt 2. Da dort noch Lehm fehlt, wird mit 2,5 Millionen Euro gerechnet. Ebenso viel wird für Abschnitt 3 geschätzt, der 2016 an der Reihe ist.

Dann ist die Deponie Sieghart mit ihrer sechs bis 15 Meter hohen Müllschicht endgültig geschlossen. Im Landkreis Rosenheim gibt es jetzt keine Mülldeponie mehr. Aber: "Das Amt wird trotzdem dauerhaft mit der Deponiepflege und -kontrolle beschäftigt sein", weiß Kippes. Andererseits liefert die Deponie auch Einnahmen in Form von Deponiegas, das vor Ort zu Strom gemacht wird.

Für die Soyener, speziell die Riedener, wird es ab 2014 noch einmal massiven Lkw-Verkehr geben: Schon jetzt sammelt der Landkreis Aushubmaterial für die Abdeckung der Abschnitte 2 und 3. Dafür erhalten die Anlieger danach aber eine sanierte Zufahrtsstraße Richtung Sieghart. Das hatte der Landkreis damals als Zugeständnis versprochen.

Karl Königbauer (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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