Aufregung und Mahnwache in Soyen 

Was steckt hinter der Fällung der alten Bahnhofs-Bäume? 

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Die alten Bäume am Soyener Bahnhof sind Geschichte. 
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Soyen - Von einem Tag auf den anderen waren sie weg, die alten Bäume am Soyener Bahnhof. Die Meinungen im Dorf über die kurzfristige Baumfällaktion gehen auseinander. Was waren die Hintergründe und wie geht es jetzt weiter? 

Die Aufregung begann mit anrollenden Baggern, die am 2. November die über 100 Jahre alten Bäume am Bahnhofsgelände plötzlich umlegten. Entsetzen bei den Soyener Anwohnern. 

Mit dem Aufruf zu einer Mahnwache am Samstagabend, 4. November, am Bahnhof, kochte der Unmut der Bürger weiter hoch. Der Facebook-Post zur Versammlung am Bahnhof wurde mehrmals geteilt. Um 19 Uhr fanden sich über 100 Soyener und Naturschützer am Bahnhofsgelände ein. Überall flackerten Kerzen, das Ganze ähnelte einer Beerdigung. 

Mit diesen Fotos wurde via Facebook zur Mahnwache aufgerufen. 

Die Stimmung im Ort indes zweigeteilt: Die einen zeigten Verständnis für die Aktion des Bauunternehmers, die anderen stellen den Naturschutz in den Vordergrund. Weder der Bürgermeister, noch der Bauunternehmer Hinmüller selbst, der die Fällung veranlasst hat, waren an dem Abend vor Ort. 

Bürgermeister: "Mir wäre es anders auch lieber gewesen!" 

Zwischen dem Besitzer des Geländes und einigen Bürgern habe es seit einiger Zeit schon Unstimmigkeiten gegeben. Möglicherweise sei das Ganze eskaliert, versucht Bürgermeister Karl Fischberger die Mahnwache am Samstagabend zu erklären. 

Er zeigt zwar Verständnis für den Groll mancher Bürger, verweist jedoch auch auf den Privatgrund von Bauunternehmer Jürgen Hinmüller. Der Gemeinde gehöre nur das Umfeld des Bahnhofs, was auf dem Privatgrund selbst geschehe, da seien ihnen die Hände gebunden. Soyen orientiere sich bei der Thematik an den umliegenden Gemeinden: Die Bahnhöfe in Rott oder Gars seien ebenfalls in Privatbesitz. Einzig die Stadt Wasserburg sei Eigentümerin des Bahnhofs in Reitmehring. 

Die Gemeinde sei mit dem örtlich ansässigen Bauunternehmer in engem Kontakt. "Auch wenn es Privatgrund ist, wir haben immer gesagt, man möge vorab mit uns reden, bevor mit den Bäumen was geschieht. Warum jetzt zum Rundumschlag ausgeholt wurde, ist mir schleierhaft", so Fischberger. Er wolle so bald wie möglich das Gespräch mit dem Unternehmer suchen um eine Erklärung für die "Hauruck-Aktion unmittelbar nach den Feiertagen" zu bekommen und um weitere Spontan-Ideen in Zukunft zu vermeiden. 

Auch künftig soll das Umfeld am Bahnhof gemeinsam im Zuge der Ortsgestaltung neu geplant und angelegt werden. "So lautete eigentlich auch die Vereinbarung mit den Bäumen", sagt Soyens Bürgermeister abschließend. "Mir wäre es anders auch lieber gewesen." 

Der Bahnhof aus der Vogelperspektive - ohne Bäume.

Bauunternehmer: "Das ist das Gleiche, als würden Sie in Ihrem eigenen Garten Bäume fällen!" 

Warum die Bäume so schnell weichen mussten, kann Bauunternehmer Jürgen Hinmüller erklären: "Wir haben es uns mit der Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht. Freilich waren die Bäume nicht akut sturzgefährdet, aber eben auch nicht mehr so gut in Schuss. Und sie standen weder unter Naturschutz, noch waren sie als schützenswert eingestuft." 

Am Ende sei die Verkehrssicherungspflicht ausschlaggebend gewesen, es habe Ärger mit der Versicherung gedroht, wären die Bäume noch länger stehen geblieben. Hinzu käme, dass die Firma, die die Bäume umgeschnitten hat, nur sehr kurzfristig Zeit gehabt hätte: "Aufgrund der Borkenkäferplage sind die Arbeiter ziemlich ausgebucht. Aus terminlichen Gründen entschieden wir uns für die spontane Fällung gleich nach den Feiertagen." 

Hinmüller beteuert, es sei "keine böse Abschicht" seinerseits gewesen, obgleich er den Ärger der Bürger schon nachvollziehen könne: "Ich habe Verständnis für den Erhalt der alten Bäume, an denen die Leute hängen." Er sei sich aber sicher, dass sich die Soyener bald wieder beruhigen würden. Außerdem handele es sich um seinen Privatgrund, "das ist das Gleiche, als würden Sie in Ihrem eigenen Garten Bäume fällen", sagt Hinmüller. 

"Es wird auf jeden Fall Ersatzpflanzungen geben. Und auch wenn es für den Platz selbst noch keine konkreten Pläne gibt, wie sich das Bahnshofsgelände weiterentwickeln soll. Die Zukunft wird  gemeinsam mit der Gemeinde, dem Bürgermeister und dem Architekten, der für die Dorfgestaltung zuständig ist, entschieden." 

Mahnwache nach Baumfäll-Aktion am Bahnhofsgelände 

Ihre Meinung zur Fällung der Bahnhofs-Bäume:

mb

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