Derblecken und Stargast Barnabas kamen gut an

Bier und Wortwitz bringt Soyen in Schwung

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Witzige Denkzettel und spaßige Redenschwinger auf der Bühne: Das Starkbierfest im Soyener Ortsteil Rieden gehört zum guten Ton der Kommune

Soyen – Zum 10. Mal fand es am Samstag statt, das Soyener Starkbierfest, diesmal jedoch erstmals ohne Starkbier! Dies blieb aber die einzige Änderung, die traditionelle Rede von Bruder Barnabas stand natürlich auf dem Programm.

So wurde den zahlreich erschienen Soyenern unter „normalem“ Biergenuss ein äußerst unterhaltsamer Abend geboten. Das Zelt war wie in den Jahren davor gut gefüllt. Nach der einjährigen Schaffenspause des Soyener Barnabas-Teams, hatten die Gemeinde Bürger große Erwartungen an den geselliegen Abend im Bierzelt. Nahezu 400 Soyener versammelten sich im Festzelt des Gasthauses Rieden und saßen schon mal Probe für die Festwoche der 1200 Jahrfeier im Juni am Bahndamm.

Für einen gemütlichen Start in den „Feierabend“ sorgte „De kloane Blosmusi“aus Waldmünchen, die mit teils ortsansässiger Besetzung auftrat. Die gute bayerische Küche der Wirtsleute des Gasthauses Rieden sorgte für beste Zufriedenheit. Alles so wie immer. Nur eines, das war neu, kein Starkbier auf dem Starkbierfest!

Barnabas und das Derblecken von Soyen

Das sorgte anfangs bei manchen für Verwirrung, doch ist einfach zu erklären: Starkbier wird normalerweise nur in der Fastenzeit vor Ostern getrunken. So war das auch in den vergangenen Jahren in Soyen der Brauch. Aus organisatorischen Gründen musste das Fest diesmal aber etwas nach hinten geschoben werden. Naja auch das normale Helle wurde vom anwesenden Volk gut angenommen.

Bier und Rede kamen an

Nach der Stärkung und guter Biergrundlage war Soyen bereit für das eigentliche Unterhaltungsprogramm. Karl Fischberger der amtierende Bürgermeister hat sich in die erste Reihe getraut, zum Schutz hatte er jedoch Ehefrau Annemarie im Petto. Der erste Akt gehörte den Soyener Landfrauen, die unter der Regie von Frieder Meidert „Grimm’s Märchen Misch Masch“ auf der Bühne präsentierten.

Durcheinander im Gemeindeleben?

Die Charaktere wurden natürlich auf die Soyener „Dorflegenden“ umbesetzt. So wurde unter anderem der 2. Bürgermeister Peter Müller, der ja bekanntlich immer mit seinem einzigen roten Pullover gesichtet wird, perfekt von einer der Landfrauen verkörpert. Das Stück spielte in Soyen vor 1200 Jahren und war Unterhaltungsakt und Ratespiel zugleich, denn einige der Soyener Ortsnamen waren äußert geschickt in Dialoge eingefädelt. Zum Beispiel: „ I schau GSCHWENDT noch ob i no an Kasten Bier hob.“ Das Stück behandelte den „Soyener Alltag“, z.B. dass Hans Hinterberger alles versucht um die Leute von der CSU zu überzeugen, Christa Knörr nicht mehr Sekretärin, sondern die Dienerin des Bürgermeisters ist und Afra Zantner, Vorsitzende des Helferkreises nur die Hälfte ihrer eigentlich versprochenen 48 Flüchtlingen finden konnte.

Märchenstunde im Dorf

Nachdem das Dorf in einen Dornröschenschlaf gefallen war und alle, bis auf die Bauhofmitarbeiter nach 1200 Jahren wieder erwachten, schaut der Bürgermeister in den Spiegel und stellt fest: „1200 Jahr – und ned älter worn!“

Das Stück fand bei allen Anwesenden großen Anklang und war der perfekte Einstieg zur darauffolgenden Barnabas Rede. Alois Trautbeck ist seit dem ersten Starkbierfest, im Ort nur noch als Bruder Barnabas bekannt und schlüpfte auch zum Jubiläum wieder in die priesterliche Kutte. Mit dem satirischen Text der ebenfalls aus der Feder von Frieder Meidert stammt, stellte er auch dieses Jahr wieder gekonnt die „Soyener Dorfprominenz“ an den Pranger. Ob der Soyener Fischerwirt, der mit seinem romantischen Festsaal mit Neonlicht und nassem Pflaster Austragungsort für die die diesjährige Bürgerversammlung war oder die Mailbox Ansage der Gemeindemitarbeiterin Diana Müller, die mit ihrer erotisch angehauchten Stimme viele Menschen im Ungewissen lässt, ob sie in der Gemeinde oder im Erotikcenter angerufen haben. Alle die es verdient haben, bekamen was ab.

Auch Internetanbieter NGN („Nix Gnaues Ned“), der Retter für die Soyener Internet Plage werden sollte, bekam was auf die Rübe, denn er versagte laut Bruder Barnabas schon im Januar, als er vom tiefen Winter überrascht wurde und prompt seine Arbeit niederlegen musste. Aber es gibt neben den zahlreichen Sündern im Dorf auch Heilige. Für die absteigende Sterberate wird Ulli Wagenstetter verantwortlich gemacht, denn seit er nicht mehr im Amt des Totengräbers ist, sterben weniger Leute. Tja sterben ist halt Vertrauenssache.

Auftritt macht Lust auf mehr Spaß

Unter tobendem Applaus verließ Alois Trautbeck nach 30 minütiger Predigt seine Kanzel und lies sich verdientermaßen vom Dorf feiern. Für die „Dorfprominenz“ war der Abend aber noch lange nicht gelaufen, denn schon stand das dorfeigene Comedy-Duo „Harry & Toni“ in den Startlöchern. „Die alten Rittersleut“ wurde von den beiden Dorfkomikern gelungen umgedichtet auf die Gemeindemitarbeiter. Zum Abschluss des Abends gingen die beiden noch auf Ballonfahrt über Soyen. Dabei stießen ihnen Sachen ins Auge die sich in der Gemeinde eher selten abspielen. „Wer rauscht denn da mit 80 durch die 30er Zone?“....“Das ist der Pfarrer, damit er nicht wieder 30 Minuten zu spät in die Messe kommt wie an Heiligabend!“ Auch Bürgermeister Fischerberger kam zum Ende des Abends nochmal in den Genuss guter Satire. Er hat den diesjährigen Maibaum aus seinem eigenen Waldbestand gestiftet, leider war er dann aber doch zu schief gewachsen und wurde von einem Baum aus der Gemeinde Rechtmehring, Landkreis Mühldorf ersetzt und nach drei Tagen von den Rechtmehringern wieder gestohlen.

Nach ungefähr drei Stunden kultivierter Sticheleien blieben die Seelen der Betroffenen aber unverletzt und alle konnten über den amüsanten Abend lachen. Ob es nächstes Jahr wieder ein Starkbierfest in Soyen gibt, bleibt aber noch ungeklärt. Alle Soyener hoffen auf eine Fortsetzung. Denn: Was wäre Soyen ohne Barnabas?

Sebastian Schindler

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