Soyener Jürgen Lang: „Wahnsinnig tolles Gefühl, etwas Gutes zu tun“

Wie der quietschbunte Fiat Seicento seinen Weg aus dem Raum Wasserburg nach Ungarn fand

Bunter Fiat Seicento wechselt Besitzer
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Jürgen Lang und seine Frau zusammen mit Erika aus Ungarn (rechts neben dem Wagen), der neuen Besitzerin des bunten Fiat Seicento.

Soyen - „Geld, oder Zufriedenheit und Freude?“ Jürgen Lang aus Soyen muss da nicht lange überlegen: Er freut sich, wenn andere glücklich sind - und hat dies mit einer ganz besonderen Geste bewiesen. Die Geschichte des kleinen bunten Fiats aus Bayern, der nun ein neues Zuhause bei einer ungarischen Familie fand.

Doch von vorn: Jürgen Lang besitzt ein kleines Haus im Süden von Ungarn. Als er erfuhr, dass Erika, seine 58-jährige Nachbarin in Ungarn, seit über 30 Jahren zwar den Führerschein besitzt, aber noch nie ein eigenes Auto besaß, fasste er einen folgenreichen Entschluss: Er spendete seinen quietschbunten Fiat Seicento. „Bei ihr ist der Fiat in besten Händen“, ist Jürgen überzeugt.


„Das ist der Hit“ auf ungarisch in Dauerschleife

Ergo wurde der Kleinwagen Ende Oktober nach Ungarn überführt und als Überraschung an Erika übergeben. Die hat mit dem 55-PS-starken Modell aus dem Baujahr 2000 eine wahre Freude. „Die Erika hat, nachdem sie realisiert hat, dass das Auto auch wirklich für sie bestimmt ist, minutenlang mit Freudentränen in den Augen nur gequiekt vor Freude und auf ungarisch die Worte ‚Das ist der Hit‘ gerufen“, erinnert sich Jürgen lachend im Gespräch mit wasserburg24.de.


Der bunte Fiat Seicento gehört nun der Ungarin Erika.

Erika hat vier Kinder, ihr Mann ist vor zwei Jahren gestorben. „Sie ist eine fleißige Frau, geht an sechs Tagen die Woche im schnitt zehn Stunden arbeiten, verdient aber gerade mal umgerechnet 280 Euro. Zum Leben reicht es ihr, aber sämtliche Wünsche bleiben auf der Strecke. Deshalb habe ich ihr das Auto geschenkt“, schildert Jürgen.

„Ich hab ihr den Wagen auf ihrem Grundstück geparkt mit den Worten ‚Das ist deiner‘ - und sie konnte es zunächst gar nicht glauben. Ein wahnsinnig tolles Gefühl, etwas Gutes zu tun und unglaublich für mich, wenn ich einen Menschen glücklich machen kann. Das kann ich gar nicht beschreiben.“ Gerade in diesem ereignisreichen Pandemie-Jahr tue es „verdammt gut, jemanden eine besondere Freude zu bereiten“.

Hintergrund: Fiat Seicento lange Zeit Blickfang im Staudhamer Feld

Im Juli 2019 hat wasserburg24.de über den quietschbunten Kleinwagen berichtet. Dass der ursprünglich dunkelblaue Wagen überhaupt ein neues Design bekam war Jürgens Experimentierfreude mit Spraydosen geschuldet. In seinem Garten entstand dank 16 Schichten Farbe das kunterbunte Endergebnis, das dann lange Zeit beim Autohaus Müller im Staudhamer Feld als Blickfang des Gewerbegebiets zwischen dem Wasserburger Ortsteil Reitmehring und der Gemeinde Edling zu begutachten war.

So lange, bis Nachbarin Erika verlauten lies, sie könne sich kein Auto leisten. „Das hätte sie nicht sagen dürfen“, betont Jügern grinsend. Denn mit dieser Aussage fiel der Entschluss bei Jürgen, den Kleinwagen Erika zu schenken. Nun kurvt der bunte Fiat in Ungarn herum. Erika ist damit fortan mobil, kann problemlos jederzeit ihre Kinder besuchen oder Kleinigkeiten wie Einkaufen erledigen.

Erika und ihre Tochter haben eine wahre Freude mit dem kunterbunten Fiat in Ungarn.

„Viele werden sich jetzt denken, was ist denn das für einer? Schenkt mir nix dir nix ein Auto her“, schließt der 54-jährige Soyener seine Erläuterung. „Aber ich kann nur sagen: Was ist wichtiger: Geld, oder Zufriedenheit und Freude? Die Antwort steht in Ungarn.“

mb

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