Prinzessin? Nein Danke!

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Vielfältige Arbeit macht den Job interessant
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Soyen - Sie hat ihren Willen durchgesetzt und den Beruf erlernt, der ihr Spaß macht. Ramona Mitschke hat sich für das Handwerk Steinmetz entschieden.

Mama und Papa hatten ihrer Tochter zunächst davon abgeraten, in Papas Fußstapfen zu treten. Doch Ramona war nicht zu bremsen. Ihre Eltern konnten es ihr nicht ausreden, sich voll und ganz der Arbeit rund um Stein zu widmen. Ein klassisches Frauenbild füllt Ramona als Steinmetzin nicht aus. Staubig ist es, wenn an den Steinbrocken und Platten gearbeitet wird. Trotzdem ist es nach wie vor ihr Traumberuf.

Einen typischen Frauenberuf hatte sie nie im Visier, was oft auch Vorteile bringe: „Ich kann mir in vielfältiger Weise im Alltag selbst helfen. Und manchmal kommt es mir so vor, als würde ich oft auch anders denken, als Frauen, die zum Beispiel im Büro arbeiten. Aus meiner Sicht hat das Ganze nur Vorteile für mich“.

Schiefe Blicke gibt es auch

Manchmal allerdings kommen die Klischees zu Tage, wie Ramona weiter berichtet: „Es kommt schon mal vor, dass ich von Leuten als Frau in solch einem Beruf nicht ernst genommen oder aber komisch beäugt werde. Ich wurde auch schon gefragt, ob ich denn die Kraft dazu hätte.“ Hätte sie diese nicht, dann würde sie wohl auch den Beruf nicht bereits seit sieben Jahren machen. Tag für Tag, egal bei welchem Wetter.

Projekte mit Feinschliff

Der Arbeitsalltag gestaltet sich recht vielseitig: „Wir sind sehr viel draußen auf Baustellen oder am Friedhof. Fensterbrett, Steintreppe, Küchenarbeitsplatte, Grabstein, Inschriften, alles Mögliche gilt es zu bearbeiten. Wenn das Wetter nicht so toll ist sind wir oftmals auch in der Halle. Dann mache ich viele Schriften in Steine“.

Wie selbstverständlich erzählt die junge Soyenerin vom täglichen Einsatz mit Pressluft und gleichzeitig viel Gefühl. Hier kommt ihr das Feminine doch zugute: „Natürlich kann immer auch schnell mal was kaputt gehen. Aber mit Gefühl und Konzentration hat noch alles geklappt“, freut sich Ramona.

Keine Kolleginnen in Sicht

Während der Lehrzeit hat die 22jährige viele Profile erarbeitet. In der Berufsschule war sie die einzige Frau in der Klasse, lediglich in der Meisterklasse dieser Sparte war eine Weitere am Start. Und weil so mancher „echte Kerl“ die Frauen scheinbar immer noch lediglich auf Küche und Herd reduziert, gab es sogar in der Berufsschule vereinzelt blöde Bemerkungen, was ne Tussi in so nem Männerjob mache. Auch für einige im Freundeskreis der jungen Steinmetzin erschien es gewöhnungsbedürftig. Nicht jeder konnte damit umgehen, dass Ramona im Handwerk zu Hause ist und sich nicht als Prinzessin auf der Erbse wohlfühlt.

Steinmetzin Ramona Mitschke

Sie tickt eben doch ein bisserl anders, und das aus Überzeugung. Die Frage, wie denn das Heben schwerer, selbst für Männer oft nicht stemmbarer Elemente funktioniere, erwidert sie kurz und knapp, dass es ja mittlerweile Hilfsmittel im Arbeitsalltag gäbe, wie etwa einen Kran. Damit könnten Steinplatten auf- und abgeladen werden. Außerdem interessiert uns, ob manchmal vielleicht doch der „Mädchen-Bonus“ mitspielt? Ramona schüttelt den Kopf: „Nein, es gibt nix, was ich nicht mache in diesem Job. Wenn ich so angefangen hätte wäre meiner Meinung nach der ganze Beruf ein Schmarrn“. In nur sehr wenigen Situationen müsse sie sich raushalten, z. B. beim Anheben stämmiger Küchenarbeitsplatten, weil es hier nicht gelingt, die eigene Kraft die der männlichen Kollegen anzugleichen. Doch dies bleiben Ausnahmen. Es bestätigt keine Regel. Spannend sei jeder Tag, sie lerne immer wieder neue Sachen dazu und kein Projekt gleiche dem anderen, erzählt sie zufrieden. Bereut habe sie den Schritt in den Beruf der Steinmetzin noch nie, beteuert Ramona Mitschke. Ein positiver Nebeneffekt käme noch dazu: „So mancher Mann ist neidisch auf meine Muckis, aber das kommt bei dem Job einfach so ohne viel zu tun“, lächelt die Handwerkerin und freut sich auf den nächsten Arbeitstag. Samt staubigem Umfeld und Steinmetz-Kluft.

Quelle: rosenheim24.de

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