Beileidigungen und eine Watschn für den "Bullen"

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Wasserburg - "Spackos" und "Vollpfosten": Nur weil er sich vor Gericht entschuldigte, entging ein 21-Jähriger dem Arrest. Sein Ausraster vor der Disco Universum blieb aber nicht folgenlos.

"Spackos", "Vollpfosten" und "Fass mich nicht an, Bulle" gehörten zum Repertoire eines 21-jährigen Deutschtürken im Dezember letzten Jahres. Damit nicht genug. Laut Aussagen der Polizeibeamten soll sich der junge Mann der Feststellung seiner Personalien widersetzt und einen Beamten gewatscht haben.

Der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm: Die Äußerung seines Vaters "in Rosenheim hat die Polizei immer Recht" sorgte für Unverständnis und Ärger im Gerichtssaal: "Mit so einer Äußerung tun Sie ihrem Sohn keinen Gefallen" mahnte die Jugendgerichtshilfe und auch der Jugendrichter sah in dieser Aussage "eine ebenso blödsinnige Erwägung, wie 'alle Türken sind Schläger' oder 'alle Russen kiffen'". Man müsse bei jeder Anzeige genau hinschauen und hier gäbe es keine Zweifel über die Rechtmäßigkeit des Polizeieinsatzes. Die Überprüfung der Personalien sei korrekt verlaufen und es habe keinen Anlass gegeben, sich so aufzuführen, betonte der Jugendrichter.

Dabei wollte der 21-jährige Wasserburger im Dezember am Rande einer Schlägerei vor der Diskothek Universum in Wasserburg "eher einen Glücksschrei" von sich gegeben haben, als er, in seinen Augen völlig ungerechtfertigt, die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich gezogen hatte. Von den Handgreiflichkeiten einiger Russen wollte er nichts mitbekommen haben. Zumindest behauptete er das in seiner Aussage vor dem Jugendgericht, wo er sich wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung verantworten musste.

Nicht als Polizisten erkannt

Vielmehr habe er sich von vier Männern, die er im ersten Moment nicht als Gesetzeshüter erkannt habe, angegriffen und bedroht gefühlt, behauptete der Angeklagte. Zumal der Beamte, der ihn angesprochen hatte, keine Uniform getragen habe. Deshalb habe er sich dann auch gegen die Feststellung seiner Personalien gewehrt. Er habe die Beamten mehrfach gebeten, ihn nicht im Gesicht anzufassen. Genaueres könne er aber nicht mehr sagen, da er zu diesem Zeitpunkt einigen Alkohol getrunken gehabt habe. Allerdings könne es schon zu Beleidigungen gekommen sein, räumte der Angeklagte ein und bedauerte, dass die Situation so eskaliert sei.

Aus diesem Grund habe er im Anschluss auch mehrfach versucht, sich bei den Beamten auf der Dienststelle zu entschuldigen, allerdings habe er sie nie erreicht. Im Gerichtssaal nutzte er jedoch die Gelegenheit, sich bei den beiden Polizisten zu entschuldigen.

Deren Erinnerung an den Tathergang war dann etwas genauer. Sie sagten aus, dass sie von Rosenheim aus zur Unterstützung der Wasserburger Kollegen zu der Diskothek gerufen worden seien. Dort sei der Angeklagte bereits im Vorfeld mehreren Einsatzkräften ins Auge gestochen. Laut Einsatzleiter habe er als tatverdächtig gegolten und sei deshalb auch als Schuldiger belehrt worden. Der Aufforderung, sich auszuweisen, sei der Angeklagte mit dem Vorzeigen seines Führerscheins auch noch bereitwillig nachgekommen und auch dem freiwilligen Alkoholtest, der einen Wert von rund 1,16 Promille ergeben habe, hätte er zugestimmt.

Ärger habe es erst gegeben, als sich der uniformierte Polizeibeamte die Personalien notieren wollte, denn damit sei der Angeklagte "definitiv nicht einverstanden gewesen". Er habe sich auf den Polizeibeamten zubewegt, um wieder an seinen Führerschein zu gelangen. Der zweite Beamte, der durch eine Armbinde als Polizeibeamter erkenntlich gewesen sei, habe ihm daraufhin die Hand entgegenstreckt und ihn mehrfach aufgefordert, stehenzubleiben. Dem habe sich der Angeklagte widersetzt und ihm eine Watsche gegeben. Dem vollen Schlag habe er zwar ausweichen können, sagte der Beamte, jedoch habe ihn der Angeklagte noch leicht getroffen und mit den Fingerspitzen im Auge verletzt.

Alkoholbedingte Enthemmung

Laut Jugendgerichtshilfe habe zum Tatzeitpunkt wohl eine alkoholbedingte Enthemmung vorgelegen und auch eine Reifeverzögerung sei nicht auszuschließen. Daher erging der Vorschlag, mit einer Geldbuße und einem FreD-Kurs Alkohol nach Jugendrecht zu ahnden. Die Staatsanwaltschaft schloss sich den Ausführungen an und plädierte neben dem FreDKurs für eine Geldbuße von 800 Euro. Es sei keine Notwehrhandlung zu erkennen und die Aussagen der beiden Polizisten seien glaubwürdig und ohne Belastungseifer gewesen.

Auch das Gericht fand, dass die Überprüfung korrekt abgelaufen sei und riet dem Angeklagten, seine Aggressionen zu bändigen, denn im Erwachsenenrecht erwarteten ihn für die gleiche Tat mit bis zu drei Monatsgehältern deutlich härtere Strafen. So wurde er zu einer Geldbuße von 600 Euro und der Kostenübernahme für den FreDKurs in Höhe von 200 Euro verurteilt.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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