"Spannendes" Bauen in der Altstadt

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In der Realität: Schmidzeile 23 und Marienplatz 3 ...

Wasserburg - In der Wasserburger Altstadt gibt es noch viele Häuser, die auf ihre Sanierung warten. Zwei aufwendige Projekte sind aktuell in der Schmidzeile und am Marienplatz in Arbeit.

Bauarbeiter, die mit Schubkarren Aushub über die Schmidzeile zum Container radeln: Seit einigen Wochen wird schon am Haus Nummer 23 gearbeitet, bisher eigentlich nur, um die Baustelle vorzubereiten. Denn die Sanierung des vier Meter schmalen und dafür 25 Meter langen Gebäudes ist zum Großteil Handarbeit.

Heute wird ein spektakulärer Schritt vorgenommen: In das Gebäude wird ein Kran eingebaut, "eine andere Alternative hatten wir nicht", so Eik Kammerl, dessen Büro die Planung und Bauleitung hat.

Nach seiner Bestandsaufnahme wurde es höchste Zeit, dass die Sanierung des "tollen, sehr Wasserburg-typischen Hauses" in Angriff genommen wurde: Das Gebäude, eingezwängt in der Schmidzeile, sei teilweise einsturzgefährdet. "Sonst hätten die Nachbarn was unternehmen müssen, um auch ihre Häuser zu stabilisieren", so der Architekt.

Es war eher ein einfaches Haus, immer wieder geändert und daher kein Einzeldenkmal, auch wenn es, schmal und tief, mit unregelmäßigen Mauern, "die Wasserburger Architektur auf die Spitze treibt", wie Kammerl es formuliert. Der findet das Projekt denn auch "spannend", auch wenn oder gerade weil von dem alten Gebäude nicht mehr viel übrig bleibt außer dem Gewölbekeller und der Fassade zur Schmidzeile.

Denn aus statischen Gründen wird eine Art ausgemauerter Stahl-Neubau entstehen: Zuerst werden bis zu 15 Meter hohe Stahlpfeiler und -streben eingezogen, dann wird die Substanz Stück für Stück in Handarbeit abgetragen, Mauerwerk und Decken werden zwischen die Träger eingefügt. Ganz am Ende wird der Kran nach oben aus der Baustelle gehoben und das für ihn verbliebene Loch geschlossen.

Fast komplett neu entsteht die Innfassade: Zurückgenommene Loggien, hinter denen die Stahlkonstruktion sichtbar bleibt. "Ein ehrliches modernes Element an der Innfront, sehr zurückhaltend und bewusst nicht historisierend", so Kammerl.

Vier Mietwohnungen werden bis zum Frühjahr 2012 auf den fünf Geschossen mit insgesamt gut 350 Quadratmeter Nutzfläche entstehen, deren Wohnqualität vor allem von der verglasten Südfront über dem Inn bestimmt wird. Im Obergeschoss wird es eine Dachterrasse geben, unten eine Innterrasse. Allerdings: Für einen Lift war kein Platz mehr, und mit dem Auto kann man vor dem Haus nicht stehen bleiben.

Von Bauarbeiten noch nichts zu sehen ist beim zweiten Großprojekt des Büro Kammerl nur ein paar hundert Meter weiter: Der Bauausschuss hat kürzlich dem Sanierungskonzept für das Haus Marienplatz 3 zugestimmt, das eine ganz andere Dimension hat. 15 mal 45 Meter misst der Bau, der ab Frühjahr 2012 in zwei Jahres-Bauabschnitten komplett saniert werden soll.

Das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert ist historisch erhalten bis auf die Teile, die beim letzten Stadtbrand zerstört wurden. Daher ist es auch ein Einzeldenkmal, "und jeder Schritt muss mit dem Denkmalamt abgeklärt werden", so Eik Kammerl.

Das Amt hat dem Grundkonzept schon einmal zugestimmt. Es werden auf vier Geschossen mit 1370 Quadratmetern 16 Wohn- und Gewerbeeinheiten entstehen, je acht im Vorder- und im Hintergebäude. Für eine dem Brandschutz entsprechende Erschließung muss in der Mitte ein neuer Innenhof mit Lift geschaffen werden. Dafür werden die beiden vorhandenen Lichthöfe vergrößert. Alle historischen Mauern und auch die Balkendecken werden erhalten, die Marienplatz-Fassade werde nicht verändert, versichert Eik Kammerl.

Eine Besonderheit des Gebäudes ist ein erhaltenes "Gesinde-Stockwerk" mit kleinen, niedrigen Zimmern, das in eine der Wohnungen integriert wird. Bleiben soll auch die Parfumerei im Erdgeschoss. Ob daneben eine kleine Gastronomie entsteht, ist noch nicht endgültig entschieden.

Zugeständnisse an moderne Wohn-Erwartungen sind beispielsweise zwei Dachterrassen Richtung Innenhof oder neue Loggien Richtung Inn. Auch dass ein letzter kleiner Rest einer "Wasserburger Himmelsleiter" weichen muss, habe das Denkmalamt akzeptiert, so Kammerl: "Wenn diese Häuser weiter bewohnt werden sollen, muss man Kompromisse schließen."

Das gilt wohl auch für den Bauherren, in beiden Fällen ein privater Investor aus der Region. Auf 3,5 Millionen Euro ist alleine der Umbau am Marienplatz 3 veranschlagt. "Man kann sowas auch in der Altstadt rentabel machen. Aber ein wirtschaftliches Spekulationsobjekt wird nie herauskommen", ist der Architekt überzeugt.

Quelle: rosenheim24.de

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