Bilanzsumme sinkt, Gewinn steigt

Wasserburg - Eine "pumperlgsunde" Bank, in der die Wirtschaftskrise "zum großen Teil nicht stattgefunden hat": So präsentierte Direktor Steinbichler die Sparkasse Wasserburg beim Bilanz-Pressegespräch.

Ein Rekordgewinn lässt verschmerzen, dass die Bilanzsumme deutlich gesunken ist. Um fast sieben Prozent oder 61,5 Millionen Euro ist die Bilanzsumme 2009 gesunken. Das könnte Bankmanager verunsichern. Doch Richard Steinbichler und sein Kollege Peter Schwertberger sehen keinerlei Grund zur Sorge. Mit 824,2 Millionen ist dieser Kennwert nun in etwa wieder auf dem Stand von 2007. Der Spitzenwert von 2008 mit 885,7 Millionen sei auch auf Sondereffekte zurückzuführen gewesen, so die Bank-Verantwortlichen.

Zurückgezahlte Refinanzierungsdarlehen hätten sich 2009 bilanzmindernd ausgewirkt, so die Sparkasse. Außerdem seien inzwischen 40,7 Millionen Euro Großeinlagen wieder abgeflossen, die auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Oktober 2008 unvermittelt bei der "sicheren" Sparkasse gelandet waren. Insgesamt haben die Kunden jetzt knapp 630 Millionen Euro bei der Sparkasse angelegt. Und: "Die Zeiten des großen Wachstums sind wohl allgemein vorbei", so Steinbichler.

Um ihr eigentliches Geschäft ist der Sparkasse Wasserburg jedenfalls nicht bange. Das Kreditvolumen ist gleich geblieben (439,5 Millionen Euro). Denn auf der einen Seite wollten ungewöhnlich viele Kunden ihre Kredite außer der Reihe tilgen. Gleichzeitig gab es noch nie so viele Zusagen von Baudarlehen (44,6 Millionen, plus 32,7 Prozent) und anderen Krediten. Insgesamt stiegen die Zusagen auf 114,5 Millionen (plus 27,5 Prozent).

Insgesamt ist die Sparkasse daher mit dem Kreditgeschäft "äußerst zufrieden: Wir sind jetzt auch im Bereich der Geschäftskredite ein hoch akzeptierter Partner der Wirtschaft und haben gegenüber den Geschäftsbanken deutlich aufgeholt", so Kreditvorstand Peter Schwertberger.

Ergebnis: 8,2 Millionen nach Steuern

Das Bankergebnis war bisher immer nur umschrieben präsentiert worden. Diesmal legte der Sparkassenvorstand Zahlen auf den Tisch: 8,2 Millionen Euro Gewinn nach Steuern bedeuteten das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte. Nun verfügt die Sparkasse Wasserburg über ein Eigenkapital von 109 Millionen Euro, das ist einmal mehr ein Spitzenplatz unter den bayerischen Sparkassen im Verhältnis von Eigenkapital zu Risikoaktiva. Diese Quote beträgt 21,5 Prozent, vorgeschrieben sind acht Prozent.

Dabei hat auch die Wasserburger Sparkasse für die missglückten Abenteuer der Bayerischen Landesbank bluten müssen: Drei Millionen Euro waren fällig, wurden aber schon 2008 abgeschrieben. "Die Vorgänge bei der LB waren inakzeptabel, der Unmut von Kunden, die sich bei uns gemeldet haben, absolut verständlich", fasst Richard Steinbichler knapp zusammen. Allerdings habe sich nur ein extrem kleiner Teil der 47.000 Kunden persönlich beschwert: "Wir konnten ja auch wirklich nichts dafür."

Was die eigene Bank angeht, kann der Vorstandsvorsitzende keinerlei Krisenzeichen erkennen. Man habe keine besonderen Kreditausfälle gehabt und sei auch bei der Kreditzusage nicht strenger geworden: "2009 hatten wir auch im gewerblichen Bereich ein Rekordergebnis an Kreditzusagen. Von Kreditklemme kann also nicht die Rede sein, und das wird auch so bleiben."

"Erzkonservativ", so Steinbichler, sei man auch im Anlagengeschäft: Mit der Anlage in deutschen Staatsanleihen und Pfandbriefen habe man jedes Risiko gemieden, was sich im Rückblick als absolut richtig bestätigt habe.

Rückgrat Molkereien weiter stabil

Gleichzeitig hat auch die wirtschaftlich ausgeglichene Wasserburger Region, auf die sich die Sparkasse bei ihren Geschäften beschränkt, das ihre zum Erfolg beigetragen. Der Lebensmittelbereich, Rückgrat der Wirtschaft im Raum Wasserburg, war sehr stabil. Handwerk und Mittelstand "geht es gut", auch dank der Konjunkturprogramme, fassen die Bank-Vorstände zusammen. Ein Wachstumsträger sei dabei im Moment besonders das Geschäft mit Fotovoltaikanlagen. Nur im Maschinenbau habe die Krise durchgeschlagen, "aber da zieht es auch schon wieder deutlich an." Das Fazit von Richard Steinbichler lautet daher: "Wir sind hier fast auf der Insel der Seligen. Zum großen Teil hat es keine Krise gegeben."

Bei der Sparkasse Wasserburg schlägt sich das auch in einer leicht aufgestockten Mitarbeiterzahl von 264 aus, 13 Prozent davon Auzubildende, eine Quote, auf die Steinbichler besonders stolz ist. 222.000 Euro hat man im letzten Jahr für Spenden und Sponsoring ausgegeben, 1,15 Millionen Euro Gewerbesteuer an die Gemeinden des Geschäftsbereiches überwiesen. Dazu kommen die Auschüttungen der beiden Stiftungen für Kultur und Soziales, das waren 2009 stolze 79.000 Euro.

2010/11 geht die Sparkasse nun selbstbewusst an ein nicht einfaches Projekt: Die Hauptstelle an der Rosenheimer Straße, ein inzwischen denkmalgeschützter Bau des berühmten Architekten Alexander von Branca aus den 60er-Jahren, soll energetisch saniert werden. Vorerfahrungen hat man unter anderem in Isen gemacht, wo die Geschäftsstelle bereits saniert wurde, was zu 80 Prozent Energieeinsparung geführt hat.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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