Ein Sprach- und Finanzjongleur

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Prost auf einen gelungenen Abend: Georg Fahrenschon, Ex-Finanzminister und künftiger Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, mit Bruder Barnabas alias Michael Leb.

Eiselfing - Die Welt soll auch künftig zu Errungenschaften wie Wohlstand und sozialer Sicherheit in Bayern aufschauen, so Georg Fahrenschon beim Nockherberg der Eiselfinger CSU.

Georg Fahrenschon, ehemaliger Finanzminister des Landes und künftiger Chef des deutschen Sparkassenverbandes, forderte beim Nockherberg der Eiselfinger CSU eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung für die Zukunftsgestaltung und sprach über große Herausforderungen.

Bürgermeister und Ortsvorsitzender Rupert Oberhuber zeigte sich enttäuscht über die im Vergleich zu den Vorjahren deutlich geringere Besucherzahl und führte dies auf zahlreiche parallel stattfindende Nockherberg-Veranstaltungen in der Region zurück. In den höchsten Tönen lobte er hingegen den Ehrengast des Abends und bescheinigte diesem eine gelungene Amtsführung. "Sie hatten die bayerischen Finanzen bestens im Griff und es ist schade, dass wir künftig auf Sie verzichten müssen. Aber man sieht, dass gute Leute eben auch außerhalb der Politik gebraucht werden."

Georg Fahrenschon bezeichnete seinen beruflichen Wechsel weg vom Vollzeitpolitiker hin zum Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands als eine "Metamorphose". Selbstverständlich habe er sich vorher gefragt, ob er überhaupt der Richtige für diese Stellung sei und seine Fähigkeiten genau abgewogen. Gleiches sollten auch alle politischen Mandatsträger berücksichtigen und sich erst vernünftig mit den Themen auseinandersetzen, bevor einfach wild diskutiert werde. "Es macht keinen Sinn, jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf zu treiben und dabei das eigentlich Wichtige aus den Augen zu verlieren."

Der ehemalige Minister ging während seiner ruhigen und sachlichen Ausführungen auf die enorme Bedeutung einer geregelten internationalen Finanzwelt für die Wirtschaftskraft Deutschlands ein. Auch ein florierendes Bundesland wie Bayern dürfe sich angesichts einer zunehmend vernetzten Welt nicht isolieren und müsse sich dem harten Wettbewerb stellen. "Unsere Stärke sind die mittelständischen Strukturen und das funktionierende Zusammenspiel der Menschen und Verbände vor Ort." In anderen Bundesländern kassiere man monatlich die Zahlungen aus dem Länderfinanzausgleich und lehne sich zurück. Die Bayern hingegen ruhten sich nicht auf ihren erreichten Lorbeeren aus und ständen für Fortschritt und Zukunft der Bundesrepublik. "Wir haben dieses Land in den vergangenen Jahrzehnten mit nach vorne gebracht und die Welt schaut zu Recht auf Süddeutschland."

Auch der Chinese als neue Wirtschaftsgroßmacht benötige "deutsche Schrauben" für die Errichtung seiner Industrieanlagen und verlasse sich auf deren hohe Qualität. Neben der Ökonomie ging Fahrenschon auch auf die seiner Meinung nach bedenkliche Zunahme der Individualisierung innerhalb der Bevölkerung mit der dazugehörenden "Ellbogen-Mentalität" ein. Nicht zu vernachlässigen sei darüber hinaus der demographische Wandel. "Gerade die CSU steht für ein traditionelles Familienbild und wenn wir kein sterbendes Volk sein wollen, müssen wir uns auch künftig offen dazu bekennen". Mit Blick auf die Zukunft der jungen Generationen dürfe man sich nicht immer weiter verschulden und habe das Geld wieder vermehrt den Bürgern zur Verfügung zu stellen.

Der Bruder Barnabas, alias Michael Leb, begann seine Fastenpredigt mit allerlei kleinen Seitenhieben auf den Ehrengast und zeigte sich überzeugt, dass der Großteil der weiblichen Besucher nur wegen des "George Clooney der CSU" gekommen war. Jetzt, da dieser als künftiger Präsident des Sparkassenverbandes feststehe, habe er endlich ein Ziel erreicht, welches ihm unter Horst Seehofer stets verwehrt geblieben sei - ein richtiger Leitlöwe zu werden. Die Ausführungen seines Vorredners hätten ihn überzeugt und die Art und Weise der Erläuterungen beeindruckt. "Unser Schorsch Fahrenschon ist so ein richtiger Sprachjongleur. Der schmiert dir eine mit Worten und du meinst hinterher, dass er dir ganz freundlich die Hand geschüttelt hat."

Beim alljährlichen Blick auf das Geschehen in der Gemeinde Eiselfing verzichtete Barnabas bei der zwölften Auflage des Nockherbergs bewusst darauf, einzelne Personen hervorzuheben. "Wir haben bei uns so viele tolle Leute, die sich engagieren, das sollten wir anerkennen und niemanden in die Pfanne hauen." Nichtsdestotrotz wäre es keine richtige Predigt gewesen, wenn Michael Leb nicht ein paar Eiselfinger Projekte wie gewohnt humorvoll beschrieben hätte. So habe die Gemeinde eine "neue Offensive für mehr Transparenz" gestartet - und im Verwaltungsgebäude neue Fenster einbauen lassen. Außerdem werde sich in Kürze eine Delegation des Guinnessbuchs der Rekorde einfinden, um mit dem neuen Beachvolleyballplatz neben der Turnhalle das größte künstlich angelegte Katzenklo der Welt zu honorieren. Der ersehnte Bau des Gehwegs mit der Sanierung der Straße durch Alteiselfing werde bei ihm und vielen anderen Bürgern eine lange gepflegte Mentalität verändern. "Künftig heißt es dann leider nicht mehr: Flott ins Dorf reinfahren und so schnell wie möglich wieder raus."

reg/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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