"Bayern, des samma mir"

Ohne Fremdwörterbuch durch Wasserburg: Beispiele aus der Altstadt. Fotos Kaiser

Wasserburg - Wir befinden uns im Jahre 2010 nach Christus. Ganz Deutschland ist von Anglizismen besetzt. Ganz Deutschland? Nein!

Ein von unbeugsamen Bayern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.

Gut, die Anspielung auf "Asterix und Obelix" passt vielleicht nicht nur zu einer deutschen Stadt, aber zu Wasserburg auf jeden Fall. Woanders mögen Sprachwissenschaftler den Verfall der deutschen Sprache beklagen, und in Rosenheim titelten unsere Kollegen kürzlich gar "Deutsch im Ausverkauf", weil so häufig Englisches zu lesen und zu hören sei. In Wasserburg findet der genaue Beobachter dagegen eher selten fremdsprachige Ausdrücke.

Da gibt es beispielsweise noch "Zweiräder", wo andere schon mit Bikes fahren. Da findet der Einkäufer "Gewandhäuser", die woanders nur noch als "Boutiquen" oder - schlimmer - als "Fashion Stores" bekannt sind. Und Kinder werden mit Spielwaren statt mit "Toys" beschäftigt. Und bei der "Bohnenrösterei" gibt es keinen "Coffee to go", sondern einen Kaffee - meistens einen Cappuccino oder Espresso. Denn wenn schon ausländisch, dann eher Italienisch, wie sich im Straßenbild zeigt.

Diese Sprache ist vor allem in der Gastronomie zu sehen. Da gibt es typische Gerichte wie Gnocchi, aber auch "il Gelato" - kein Problem für die "nördlichste Stadt Italiens", wie Wasserburg wegen seiner Architektur oft genannt wird.

Der Rundgang durch die Altstadt zeigt aber auch, dass besonders im Bereich der Schönheitspflege englische Termini benutzt werden. Nicht nur gibt es da Studios für "Nail-Style" oder "Piercing", sondern auch das Angebot eines Friseurs, das "Haar & Relax" verbindet. "Wellness-Schönheitspflege" und das Bräunen auf Sonnenbänken wird hoffentlich auch vor der Angst bewahren "blass in's Nightlife", so die Werbung, zu starten.

Klar: Begriffe wie der "Sale" und bestimmte englischsprachige Werbesprüche - beispielsweise der Werbeslogan "always new fashion" des Modegeschäfts "Topset" in der Salzsenderzeile - sind auch in Wasserburg nicht wegzudenken. Zu verständlich und prägnant sind sie heutzutage meist schon, als dass sie hier nicht benutzt würden. Den Kunden wird es auch gleichgültig sein, dass einige wenige Geschäfte im Städtchen der Innschleife "open" sind, während der Großteil einfach nur geöffnet hat - Hauptsache man kommt eben rein.

Sprachlich sauber voran geht auch die Internetseite der Stadt, wo einzig der "BayernViewer", eine Karte für maßstabsgetreue Luftbilder, als "denglische" Bezeichnung auffällt, wie die Mixtur aus Englisch und Deutsch genannt wird.

Rein sprachlich gesehen ist Wasserburg also "A Traum", so in bestem Bayerisch zu entdecken in der Schustergasse - auf dem Aufsteller eines italienischen Bistros.

Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser