Die Stadt brennt

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Eine großflächige Zerstörung zeichnete sich zwischen Fletzinger- und Danninger-Bräu ab.

Wasserburg - Es war ein heißer Sommertag, der 6. August 1885, ein "glühend heißer Tag", wie die Quellen berichten. Doch an diesem Donnerstag um 16.30 Uhr wurde es noch heißer. Brandheiß.

Aus dem Baustadel, der damals noch an die Kaserne, das heutige Polizeigebäude, angebaut war, schlugen plötzlich Flammen. Im Nu stand das Gebäude in Vollbrand und rasch griff die Feuerwalze auch auf die angebauten Salzgräden, die ehemaligen Salzlagerstädel, die damals lediglich zur Aufbewahrung von Gerätschaften dienten, über.

Der stets wechselnde Wind war es dann, der das Feuer nach Westen trieb. Dort, in der historischen Peckenzeyl, heute aufgeteilt in Bäckerzeile und Fletzingergasse, befand sich ostseitig noch eine nahtlos bebaute Gebäudeachse. Auch hier loderte alsbald das Feuer, genauso wie beim Danninger- und Fletzinger-Bräu.

Ein kurzer Gewitterregen war ohne Nutzen, im Gegenteil. Der auffrischende Wind fachte die Flammen vollends an, der Funkenflug wurde immer bedrohlicher. Unmittelbare Gefahr ging für die Kaserne selbst, das "Englische Institut" (heutiges Förderzentrum) sowie die übrigen an die Zeile angrenzenden Häuser aus.

Die Schreckensnachricht eilte in Windeseile durch die Stadt, Rauch und Flammen waren weithin sichtbar. "Bald hatte unsere wackere Feuerwehr ihre volle Tätigkeit entwickelt und nahm mit riesigem Mute den Kampf mit dem entfesselten Elemente auf", wie der "Wasserburger Anzeiger" berichtete.

In Anbetracht des Flammenmeeres stand die städtische Feuerwehr allein aber vor einer aussichtslosen Aufgabe. Erst nach und nach trafen im Laufe des Abends Feuerwehren aus allen Himmelsrichtungen ein, bis aus Rosenheim und Traunstein. Schließlich kämpften 50 Löscheinheiten mit 2060 Mann sowie 27 Saug- und 28 Druckspritzen samt 5500 Metern Druckschläuchen unermüdlich gegen das Inferno an, erste Erfolge stellten sich ein. Am Morgen des nächsten Tages hatte man die Feuersbrunst dann endlich besiegt.

Noch den ganzen 7. August dauerten die Nachlöscharbeiten an. Unterstützend trafen am Abend desselben Tages 33 Mann des königlichen Infanterie-Leibregiments ein, die unmittelbar mit zielgerichteten Pionierarbeiten begannen. Endgültiges "Feuer aus" wurde schließlich im Laufe des 8. August gemeldet.

Der Schaden war enorm: 32 Häuser waren vernichtet, 44 Familien hatten Wohnung, vielfach auch Hab und Gut verloren. An Stadteigentum musste man neben dem Baustadel und der Salzgräden die gesamten Marktbuden, Bau- und Werkholz, Brunnenwerkzeug sowie die Heu- und Brückenwaage abschreiben.

Das größte Problem des damaligen Bürgermeisters Christoph Schnepf aber war die Unterbringung der Obdachlosen. Zusätzlich galt es deren erste Not zu lindern. Ein kurzfristig gegründetes Komitee für die Unterstützung der Abgebrannten wandte sich mit Hilfeaufrufen in alle Richtungen. Die Resonanz ließ glücklicherweise nicht lange auf sich warten. Eine gewaltige Spendenbereitschaft setzte ein, die überörtliche Anteilnahme war enorm. Vom König erhielten die Geschädigten kurzfristig 2000 Mark aus der Kabinettskasse, Stadtpfarrer Josef Lechner spendete 1000 Mark und von München bis Mühldorf, von Rosenheim bis Reichenhall organisierte man Wohltätigkeitsveranstaltungen, deren Erlöse, rund 107.000 Mark, nach Wasserburg flossen.

Trotzdessen: Die abgetragenen Brandhäuser wurden nicht mehr aufgebaut. Heute erinnert nurmehr die unbebaute Fläche im Umgriff des Palmano-Spielplatzes und des Fletzinger-Biergartens an den Brand.

Die Schadensursache ist bis heute nicht geklärt.

Thomas Rothmaier (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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