"Wasserburger schenkten mir Heimat"

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Gestern vor 25 Jahren weihte Friedrich Kardinal Wetter Dr. Paul Schinagl zum Priester.

Wasserburg - Der Jubilar ist zufrieden, "im Moment frustet mich nichts", sagt Dr. Paul Schinagl, seit 22 Jahren in Wasserburg, seit 17 Jahren Stadtpfarrer.

Am Sonntag lädt der Jubilar alle Pfarrangehörige nach dem Festgottesdienst zum Stehempfang im Pfarrzentrum St.Jakob.

Nach Wasserburg beworben hatte sich Schinagl aus Traunreut, wo er seit Anfang März 1989 Kaplan war. Er bekam die hiesige Kaplanstelle in St.Konrad und kehrte damit wieder ein Stück zurück in seine Heimat. In Titlmoos wuchs er auf, in Grünthal war im Juli 1987 seine Primiz mit über 12.000 Gläubigen. In diesem Jahr schrieb er seine Dissertation über die Geschichte der Abteil Attl in der Neuzeit fertig, ein Jahr später folgte das Rigorosum.

Etliche "Highlights" und ein "dunkles Jahr" gab es für den Wasserburger Stadtpfarrer in den 25 Priester-Jahren. Als erstes großes Highlight nennt er die Versetzung nach Wasserburg. Er arbeitete als Religionslehrer an Schulen, kümmerte sich um Jugendliche, die Minstranten, den Jugendchor und war Wirt bei den damals legendären Discos im Keller von St.Konrad mit bis zu 400 Leuten, "das war sehr professionell, mit DJ und guter Stimmung".

Ein Einschnitt dann 1995. Dr. Paul Schinagl wurde Stadtpfarrer von Wasserburg und Pfarradministrator von St.Konrad, zog in die Stadt ins Pfarrhaus.

Das Wort Gottes als Lebenshilfe, so versteht er seine seelsorgerische Tätigkeit, die für ihn auch ein "Highlight" ist. Die würdige Feier der Liturgie ist ihm wichtig, festliche und schöne Gottesdienste an den Hochfesten im Kirchenjahr, "eine besondere Schönheit ist jedes Jahr die Fronleichnamsprozession durch die Altstadt.

"Highlights" waren für ihn die beiden Primizfeiern in Wasserburg, 2001 von Thomas Brei, 2005 von Claus Kebinger.

Und noch ein "Highlight" nennt der katholische Pfarrer die Freundschaft mit dem evangelischen Kollegen Andreas Reisberg über viele Jahre und auch nach dessen Weggang. Einmal im Monat treffen sich die beiden in der Mitte, in Haag und am Sonntag feiert Andreas Reisberg das Priesterjubiläum mit.

2002 und 2003 waren die weniger schönen Jahre, erst die eine Hüfte, dann die andere ersetzt von künstlichen Hüftgelenken. Das dunkle Jahr aber war 2005: Es starben sein Kollege Georg Warmedinger und sein Vorgänger Geistlicher Rat Ludwig Bauer, der Kirchenmusiker Konrad Bauer und Papst Johannes Paul II. Und es gab den Unfrieden in der Pfarrei um den Kirchenmusiker Elmar Ringl, "dunkle Stunden".

Sehr am Herzen liegt ihm der Pfarrkindergarten, einmal in der Woche ist er dort, "alle Kinder kennen mich und es macht Freude, wenn sie mir auch in der Stadt zuwinken".

Mit 17 Mitbrüdern weihte Friedrich Kardinal Wetter vor 25 Jahren Paul Schinagl zum Priester, am Samstag erhalten in Freising zwei Diakone die Priesterweihe. Der Priestermangel, die immer größer werdenden Pfarrverbände beschäftigen den Wasserburger Pfarrer. Ihn unterstützen Rentner, Kapläne gibt es nicht mehr. Auf den neuen freute sich Schinagl schon. Willibald Mittermeier, Pfarrer in Pfaffing und Albaching, ist ab September im Ruhestand und kommt nach Wasserburg. Einmischen in die Diskussionen zu diesen Entwicklungen will sich der Wasserburger Pfarrer nicht, "das entscheidet Rom". Nein, auch die rückgängigen Kirchenbesucherzahlen frustrieren ihn nicht, "ich kann nur säen und hoffen, dass die Ernte aufgeht". Er freut sich, dass er viele gute Leute um sich hat, die ihm helfen, ihn unterstützen. Die Stadt und ihre Menschen schenkten ihm Heimat, sagt der Jubilar, der auch Mitglied in vielen Vereinen ist und gerne bei den Vereinsfesten dabei. Das letzte große Fest war der Bayerische Schützentag mit Erzbischof Kardinal Marx. Der habe ihn gefragt, wie lang er schon in Wasserburg sein, erzählt Schinagl. Und als er ihm gesagt habe, seit 22 Jahren habe der Erzbischof gefragt, ob er hier sterben möchte. Ja habe er gesagt. "Klare Ansage", so der Kardinal dazu.

Für seine Damen im Pfarrbüro gab es schon gestern ein Gläschen Sekt. So ganz ohne kleine Feier sollte der Tag seiner Priesterweihe am 27. Juni vor 25 Jahren in Freising dann doch nicht vorbei gehen.

vo/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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