Stadtrat entscheidet heute über Altstadtbahn

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Ein Gleis ins Nirgendwo: Am Donnerstag soll nun die endgültige Entscheidung über die Bahnlinie Reitmehring-Altstadt fallen.

Wasserburg - Eines der meistdiskutierten Themen soll abgeschlossen werden: Der Stadtrat wird im Rahmen einer Sondersitzung am Donnerstag über die Zukunft der Altstadtbahn entscheiden.

Einige Stadträte sind noch schwer im Zweifel, wie sie am Donnerstag (Beginn 17 Uhr) abstimmen sollen: In den letzten Wochen waren sie teils massiver Lobby-Arbeit ausgesetzt. So hat die Firma Meggle an zwei Abenden, einer davon nichtöffentlich, intensiv ihre Position dargestellt: Die Bahn müsse nun endlich raus aus ihrem Gelände, sonst könnten geplante Investitionen nicht umgesetzt werden, was den Standort Reitmehring gefährden könnte.

Bürgermeister Michael Kölbl im Charivari-Interview:

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Aber auch die Bahnbefürworter machen im Endspurt noch einmal mobil. So unterstrich Bernd Meerstein als örtlicher Vertreter von Pro Bahn in einem Pressegespräch, es sei "dramatisch, welche Chance man für die Zukunft vergibt, wenn man die Bahnstrecke aufgibt."

Im Mittelpunkt der Kritik steht das Gutachten von Gevas, das die Grundlage für die Stadtratsentscheidung bilden wird. Es kam wie berichtet auf ein krasses Missverhältnis von Investitionskosten und volkswirtschaftlichem Nutzen einer Reaktivierung der vier Kilometer langen Strecke.

Hier seien Kosten künstlich hochgerechnet worden. Gleichzeitig habe man den möglichen Nutzen stark verkürzt. "Überall wo ähnliche Nebenstrecken reaktiviert wurden, sind die angesetzten Zahlen deutlich übertroffen worden", so Meerstein. Die von Gevas gewählten Beispiele seien "für Wasserburg völlig unpassend."

Kritisiert wird unter anderem auch vom Fremdenverkehrsverein, dass das touristische Potenzial der Bahnlinie überhaupt nicht berücksichtigt sei. Aber auch das Bildungszentrum Sozialverwaltung habe man vergessen. Zur Schülertransport-Frage ist Pro Bahn überzeugt: "Da ließe sich viel machen, die Gutachter haben hier viel zu starre Vorgaben angesetzt." Den Druck aus der Meggle-Zentrale wertet Bernd Meerstein als "Säbelgerassel". Die Firma sollte stattdessen eine gemeinsame Lösung suchen und eine "Meggle-Bahn" daraus machen: "Das wäre Image-Werbung."

"Wir sehen keine Not für eine Stillegung. Es ist auch eine gemeinsame Entwicklung von Meggle und Bahn möglich", ist auch Adil Oyan, Sprecher der Ausschussgemeinsschaft aus Grünen, Block und Freien Wählern Reitmehring überzeugt. Die AG wird daher am Donnerstag auf politische Mittel setzten und einige Alternativanträge einbringen, obwohl auch in der AG unterschiedliche Positionen in der Bahnfrage vertreten sind. Beantragt wird, die Kostenschätzung für die Reaktivierung einer Plausibilitätsprüfung zu unterziehen. Außerdem will die AG eine Bürgeraktion ins Leben rufen, um den weiteren Verfall der Trasse zu verhindern beziehungsweise den für den Abbruch der Bahnverbindung ursächlichen Dammrutsch wieder auffüllen.

Dass diese Anträge eine Mehrheit bekommen, ist kaum zu erwarten. Denn der größte Teil der SPD und voraussichtlich die komplette CSU-Fraktion liegt auf der Linie der Stadtverwaltung. Bürgermeister Michael Kölbl wird morgen eine Beschlussvorlage vorlegen, nach der die Altstadtstrecke nicht reaktiviert und die Entwidmung der Trasse eingeleitet wird. Gleichzeitig soll diese außerhalb des Meggle-Geländes aber als Option für die Zukunft erhalten werden. Die Rede ist dabei beispielsweise von einer Strecke für einen Elektrobus.

"Auf Fragen von morgen gibt es keine Antworten von gestern", so Kölbl. Der gibt daher der Bahn einfach keine Chance mehr auf diesem kurzen Stich: "Die Stadtverwaltung sieht auch nach intensiver Prüfung kaum Argumente zugunsten einer Reaktivierung der Bahn, weder heute noch in Zukunft."

Ob und wie die Trasse künftig anders genutzt wird, das müsse allerdings in einer späteren Sitzung entschieden werden, auch aus rechtlichen Gründen, so Kölbl, und: "Letztlich muss jeder Stadtrat persönlich entscheiden, wie er die verkehrstechnische Zukunft der Stadt am besten gesichert sieht."

Karl Königbauer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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