Stäbchen und Neuschwanstein

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Fotosession auf der Expo in Shanghai: David Morber (rechts), seine Mutter und eine chinesische Begleiterin als "Gartenzwerge" im deutschen Pavillon.

Peking/Shanghai - Langsam neigt sich das China-Jahr von David Morber aus Reichertsheim zu Ende. Diesmal kommen seine Grüße auch aus Shanghai, wo er die Weltausstellung mit deutsch/chinesischen Augen unter die Lupe nahm.

Anfang Mai war es endlich so weit, ich bekam Besuch von meiner Mutter. Ich hatte mir extra Urlaub genommen, um sie am Flughafen in Empfang zu nehmen und ihr dann ein paar Tage meine neue Welt zu zeigen. Als Erstes ließen wir uns den selbst gebackenen Geburtstagskuchen, den sie mitgebracht hat, schmecken, nachdem ich die 20 kleinen Kerzen ausgeblasen hatte. Bei Tee und Kuchen wurden viele Grüße aus der Heimat ausgerichtet und Neuigkeiten ausgetauscht.

Schon am ersten Nachmittag ging es auf zu einem Spaziergang am Houhai-See und durch das Altstadtviertel mit Hutongs, das sind die kleinen klassischen Hofhäuser, Cafés, Restaurants und kleinen Läden.

Die nächsten Tage standen dann die großen Sehenswürdigkeiten Beijings auf dem Besichtigungsprogramm: Verbotene Stadt (Kaiserpalast), Sommerpalast, buddhistischer Lamatempel Yonghe Gong und Himmelsaltar.

Auch ein Besuch des Kulturaustauschzentrums stand auf dem Programm. Nach dem Besichtigen der Räume und dem Vorstellen der Belegschaft ging es zum gemeinsamen Mittagessen in ein nahegelegenes Restaurant. Das Essen mit den Stäbchen klappte bei meiner Mutter schon einigermaßen - sogar marinierte Erdnüsse lassen sich mit Stäbchen zum Mund balancieren. Eine Schülerin musste dann am Nachmittag im Gespräch mit meiner Mutter feststellen, dass es an Hörverständnis und Aussprache noch etwas mangelt.

Am Wochenende haben wir einen Ausflug zur Großen Mauer gemacht. Der noch sehr ursprüngliche Abschnitt verläuft in den Bergen nördlich von Beijing, die sich im Frühlingsgrün zeigten. Eine willkommene Erholung vom Trubel und Hektik und der abgasgeschwängerten Luft der Hauptstadt. Von den noch gut erhaltenen Wachtürmen hat man eine weite Sicht in die Landschaft; sie eignen sich auch für ein kleines Picknick.

In der zweiten Woche sind wir dann nach Shanghai gereist, um gemeinsam die Weltausstellung zu besuchen. So eine Ausstellung ist eine anstrengende Sache, wir waren zwei Tage jeweils von 9 bis 22 Uhr unterwegs. Ich wusste gar nicht, dass meine Füße so weh tun können. Für alle beliebten Pavillons gibt es lange Schlangen, die Wartezeit beträgt sehr oft zwei Stunden.

Der deutsche Pavillon hat uns mit am besten gefallen. Die maximal mögliche Ausstellungsfläche wird vielfältig genutzt. Es werden alle Bundesländer mit einer Art Postkarte in Schaufenstergröße vorgestellt, Bayern wird durch das Schloss Neuschwanstein repräsentiert. Die Chinesen lieben es, sich auf die Bank vor dem Bild zu setzen und fotografieren zu lassen. Gemäß dem Motto für den deutschen Pavillon "Balancity", ein Kunstwort aus Balance und City, werden verschiedene Themen wie Architektur, Verkehr, Garten/Grünanlagen, Kunst und Kultur dargestellt.

Meine Mama leistete bei einer Karaoke-Station ihren Beitrag zur deutschen Kultur, indem sie "Freude schöner Götterfunken" zum Besten gab. In der Abteilung "Fabrik" wurden dann Design "Made in Germany", Hightech-Materialien und technische Innovationen gezeigt. Die Besucher, ich schätze mehr als 90 Prozent Chinesen, wurden von geschultem Personal in der Ausstellung begleitet, das sehr gut chinesisch sprechen konnte. Die jungen Deutschen haben fast alle Sinologie studiert. Zum Abschluss gab es dann noch eine Aufführung mit der eigens für die Expo hergestellten Hightech-Kugel, die auf Geräusche reagiert, ihre Oberfläche verändert und im Raum schwingen kann. Dies soll dem Publikum sinnbildhaft vermitteln, gemeinsam etwas in Bewegung setzen zu können.

Bald hieß es dann wieder Abschied nehmen. Noch ein paar Wochen Arbeit in Beijing, dann komme ich wieder nach Hause nach Deutschland.

Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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