Umgehungsbrücke: Blick hinter die Kulissen

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Durch diese Tür geht es in den Innenraum der B304-Brücke, die sich 375 Meter lang über den Inn spannt.

Wasserburg - Als ein riesiger Betonkasten zieht sich die Umgehungsbrücke in elegantem Schwung über den Inn. An der Seite eine Stahltür: Wie schaut es wohl dahinter aus?

Nicht nur die Schächte am östlichen Fahrbahnende der Brücke, auch die massive Tür hat immer wieder zu Spekulationen geführt. Noch vom "Kalten Krieg" geprägt ist das Gerücht, dass dahinter Spengstoff lagert, um die Brücke zu sprengen, falls "der Russe kommt" - eine in dieser Zeit geläufige Redewendung.

Ingenieur Marcus Kast vom Staatlichen Bauamt in Rosenheim hat den Schlüssel für die Tür - oder besser die: Zwei sind gleichzeitig erforderlich, um den ausgeklügelten Schließmechanismus zu überlisten. Aber erst nach einem weiteren Kniff öffnet sich die Tür wirklich, und es ist... erst einmal dunkel.

Mehrere Lichtschalter sorgen dann immerhin für eine Notbeleuchtung. Wer hier etwas zu arbeiten hat, muss selbst besseres Licht mitbringen. Der Weg führt quer zu Fahrbahnmitte bis zu einem Eingang wie in einem U-Boot. Der führt in den sogenannten Stahlhohlkasten unter der Fahrbahn. Dieser grüne Kasten, über vier Meter hoch und fünfeinhalb Meter breit, hat auf der Seite einen Steg zum Gehen bis zur anderen Seite des Inns. In der Mitte sorgen quer verlaufende Eisenstreben für die notwendige Stabilität.

Der Lärm hier, direkt unter der Fahrbahn, ist zum Aushalten, Lastwagen hört man allerdings deutlich. Bei jedem der drei Pfeiler führen Leitern durch mehrere Etagen rund 30 Meter hinab. Die erste Etage genau zwischen Brücke und Pfeiler ist die beste, wenn man einen guten Rundumblick genießen will. Diese Möglichkeit haben aber nur wenige Auserwählte: Gedacht ist die Plattform zur Inspektion der Teflonlager, auf denen sich die Brücke je nach Temperatur bewegt, bis zu 60 Zentimeter insgesamt.

Mitarbeiter des Straßenbauamtes schauen sich alle drei Jahre von unten alles genau an, von der Schweißnaht bis zum Anstrich. Alle sechs Jahre gibt es noch einmal eine Hauptprüfung, die eine Woche dauert, 2010 war die letzte. Dann "darf" von der Fahrbahn aus ein schwindelfreier Fachmann in einer Hebebühne auch die Außenwände anschauen.

U-Boot-Gefühle: Marcus Kast auf dem Weg vom gewaltigen Stahlhohlkasten der Brücke in einen Pfeiler.

Besonders das Salzwasser im Winter setze einer Brücke zu, erklärt Marcus Kast. Deshalb gibt es viele Abläufe,damit sich die aggressive Flüssigkeit ja nicht staut. Diese Öffnungen nutzen aber auch gerne Tiere. Vogelnester um die Ablauflöcher zeugen davon, den Platz zwischen Kabelsträngen beanspruchen derzeit Marienkäfer als ihr Winterquartier.

Was man jedoch nicht findet, ist Sprengstoff. Ältere Brücken hätten durchaus zum Teil Sprengschächte, erklärt der Ingenieur. Aber der Sprengstoff lagere in friedlichen Zeiten niemals darin, das sei "viel zu gefährlich". Immerhin: Über dem östlichen Brückenlager der Umgehungsbrücke - von dort wurde der Feind erwartet - sind Panzersperren vorgesehen: Acht Schächte, in die Stahlträger eingesteckt werden, um den Feind am Vorrücken zu hindern. Es gibt allerdings Pläne, auch diese Schächte abzubauen.

Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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