Sterben in Würde - auch für Betreute

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Begleiten, Schmerzen lindern, den mutmaßlichen Willen der Betreuten erspüren: Andreas Kain ist eine der Fachkräfte des Projektes "Christliche Palliativ- und Hospizkultur in der Stiftung Attl".

Wasserburg-Attel - Ein Abschied in Würde: Diesem Anliegen hat sich auch die Stiftung Attl gewidmet. Die Betreuten werden durch Fachkräfte beim Sterben begleitet, ihre Angehörigen unterstützt.

Vor eineinhalb Jahren nahm die "Projektgruppe für christliche Palliativ- und Hospizkultur in der Stiftung Attl" ihre Arbeit auf. Ihr Ziel ist es, die Lebensqualität von Schwerkranken und Sterbenden zu erhalten und zu verbessern und die menschliche Würde bis zuletzt zu wahren. Das Projekt wurde durch die Erzdiözese finanziell gefördert und hat seitdem viel bewegt - nicht nur in fachlicher Hinsicht, sondern vor allem in der Praxis, wenn es darum geht, den letzten Lebensweg von Menschen mit geistiger Behinderung zu begleiten. Jedes Jahr ist das etwa zehnmal der Fall.

Um bei dieser anspruchsvollen Aufgabe die Kompetenzen der Mitarbeiter zu stärken, wurden im Rahmen des Projekts zwei von ihnen zu Fachkräften für "Palliativ Care" ausgebildet. Unter diesem Fachbegriff versteht man die ganzheitliche Begleitung und Behandlung von Patienten, bei denen aufgrund einer weit vorangeschrittenen Erkrankung keine Heilung mehr zu erwarten ist.

Brigitte Steffan leitet die Projektgruppe, Gaby Schalk und Andreas Kain sind Fachkräfte für Palliativ Care. Sie sind nun die kompetenten Ansprechpartner für Bewohner und Mitarbeiter in der Stiftung Attl, wenn es darum geht, Abschied zu nehmen. Neben der Ausbildung zur Palliativ-Care-Fachkraft hat Gaby Schalk eine Weiterbildung zur Behandlung von Schmerzen absolviert. Als analgesiologische Fachassistenz weiß die gelernte Kranken- und Gesundheitspflegerin, wie wichtig neben der spirituellen und sozialen Begleitung weitgehende Schmerzfreiheit beim letzten Lebensweg eines Menschen ist.

Doch nicht nur die Begleitung Schwerkranker und Sterbender steht für die drei Fachkräfte und die Projektgruppe im Vordergrund, sondern auch der Beistand und die Beratung für die Menschen aus deren nächster Umgebung. Dies sind in der Einrichtung für Menschen mit Behinderung oftmals neben den Angehörigen vor allem die Mitarbeiter auf den Wohngruppen. Hier ist es dem Team wichtig, allen Beteiligten eine ganzheitliche und individuelle Unterstützung bieten zu können. Das betrifft Themen wie Patientenverfügung oder Behandlungsentscheidungen. Letztere werden immer zusammen mit dem Hausarzt, dem gesetzlichen Betreuer und den Mitarbeitern der Wohngruppe im Interesse des betroffenen Bewohners und dessen mutmaßlichem Willen getroffen. Weitere Themen sind unter anderem christliche Abschiedsrituale und Trauerbegleitung.

Wohnbereichsleiter Rupert Ober lag dieses Projekt von Anfang an sehr am Herzen. "Die Palliativ-Begleitung ist multidisziplinär", meint der Heilpädagoge. "Gerade bei so einem schwierigen Thema ist eine Verteilung der Verantwortlichkeiten besonders wichtig. Dadurch können alle Beteiligten entlastet werden." Dies war auch ein Grund, warum in der Projektgruppe neben den Fachkräften auch ein Seelsorger, eine Psychologin und weitere Mitarbeiter aus dem Gruppendienst vertreten waren.

Dass auch die Palliativ-Begleiter in ihrer Arbeit ausreichend betreut werden, ist für Stiftungsvorstand Friedrich Seipel ein großes Anliegen. Er hat die letzten eineinhalb Jahren die Projektgruppe für christliche Palliativ- und Hospizkultur betreut. "In erster Linie durch ihre Ausbildung, aber auch durch den Vorstand, die Möglichkeit zur Supervision und die Einbindung in ein institutionelles Netzwerk erhalten die Begleiter die Unterstützung, die sie für ihre Aufgabe benötigen", so Seipel. Er bedankte sich bei den Mitarbeitern für ihre Zeit und ihr Engagement mit einem gemeinsamen Abendessen.

re/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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