Verkehrs-Rowdy verurteilt

Wasserburg - Mit 21 Jahren fünf Einträge in Flensburg, zwei Führerscheinentzüge und ein schwerer Unfall. Jetzt hatte das Amtsgericht das letzte Wort. 

Offensichtlich hatte es eine plötzliche Bewusstseinsänderung bei dem jetzt 22-jährigen gelernten Koch aus dem Raum Wasserburg gegeben. Während er an der Unfallstelle noch seine Schuld eingeräumt hatte, reifte in ihm später die Überzeugung, dass seine Unfallgegnerin bei angepasster Geschwindigkeit und richtiger Reaktion den Unfall hätte verhindern können.

Im März 2010 bog er von der Umgehungsstraße kommend bei Griesstätt links in den Ort ab. Dabei stieß er mit dem Auto einer 54-Jährigen zusammen, die auf der Vorfahrtsstraße von links kam. Sie zog sich ein schweres Schleudertrauma, Verbrennungen am Unterarm, einen gestauchten Daumen und Schmerzen am ganzen Körper zu. Außerdem wurden einige ihrer Zähne gelockert und es entstand an beiden Fahrzeugen ein hoher Sachschaden.

In zwei Verhandlungstagen versuchte das Amtsgericht, den Unfallhergang zu klären. Nach seinem Einspruch gegen den Strafbefehl hatte der Angeklagte beim ersten Termin betont, dass er sich durchaus vergewissert habe, dass die Straße frei gewesen sei. Beim Blick nach links habe ihn allerdings "die Sonne geblendet". Er sei zügig eingefahren und habe sich bereits auf der Spur nach Griesstätt befunden, als es plötzlich auf der Fahrerseite gekracht habe. Seiner Ansicht war die Unfallgegnerin aufgrund überhöhter Geschwindigkeit "plötzlich aus dem Nichts" aufgetaucht und habe auch falsch reagiert, da sie nach links und nicht nach rechts ausgewichen sei.

Dem gegenüber stand die Aussage der Frau, die angab, auf der übersichtlichen Vorfahrtsstraße nicht schneller als 100 gefahren zu sein. Plötzlich sei der Angeklagte mit seinem Pkw von rechts eingebogen und sie habe nur noch gebremst und versucht auszuweichen. In einem Bruchteil von Sekunden sei es zu dem Zusammenstoß gekommen. Gleich nach dem Unfall habe sich der junge Mann mit den Worten "Tut mir leid, ich hab überhaupt nicht geschaut", entschuldigt.

Weil dem der Angeklagte widersprach, wurde nun ein unfallanalytisches Gutachten erstellt. Anhand der Bilder vom Unfallort, der Beschädigungen an den Fahrzeugen und deren Endstellungssituation versuchte der Gutachter in der zweiten Verhandlung, den Unfallhergang zu rekonstruieren.

Klar war, dass die Sonne zum Unfallzeitpunkt hoch im Süden gestanden war und es definitiv zu keiner Blendung von links gekommen sein konnte. Die Kollisionsgeschwindigkeit ließ sich dagegen nicht eindeutig klären, da dies auch davon abhinge, wie zügig der Angeklagte in die Kreuzung eingefahren sei, so der Gutachter. Die Unfallgegnerin habe zwei bis 2,6 Sekunden Zeit gehabt, um zu erkennen, dass das Fahrzeug einfahren wird. Das Ausweichmanöver nach links sei der erste Reflex gewesen, die Bremsung erfolge meist später.

Im günstigsten Fall sei der Angeklagte sehr langsam in den Kreuzungsbereich eingefahren, dann habe die Frau eine längere Reaktionszeit gehabt und möglicherweise 0,7 Sekunden zu spät reagiert.

Drei Einträge in das Bundeszentralregister und fünf Einträge in das Verkehrszentralregister wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Geschwindigkeitsüberschreitungen und Trunkenheit sowie der Aufkleber "Jage nicht, was du nicht töten kannst" auf seinem Auto ließen die Staatsanwaltschaft allerdings nicht auf defensive Fahrweise schließen. Der Angeklagte sei zum Tatzeitpunkt noch Heranwachsender gewesen, habe den Führerschein aber bereits zweimal abgegeben, so der Staatsanwalt.

Eine mögliche Vermeidbarkeit des Unfalls von Seiten der Unfallgegnerin war weder für ihn noch für das Gericht ein Thema. Die Geschädigte habe rund 1,9 Sekunden Zeit gehabt, um alle Risiken abzuwägen und zu reagieren. Zudem müsse man auch damit rechnen, dass man im Straßenverkehr nicht nur auf Idealfahrer treffe.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten daher zu 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit und verhängte einen Monat Fahrverbot. Dabei wurden aufgrund der prekären finanziellen Situation mit hohen Schulden "alle Augen zugedrückt", betonte das Gericht in der Urteilsbegründung.

Die Tat sei grundsätzlich nach Erwachsenenrecht zu werten, denn wer am Straßenverkehr teilnehme, müsse sich auch so verhalten. Das Strafmaß sei notwendige Konsequenz, um den Angeklagten dazu zu animieren, seine finanzielle Schieflage und sein Leben in den Griff zu bekommen.

Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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