Stolz auf deutsche Elf und auf die Freiheit

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Wasserburg - Fahnen, Wimpel, Flaggen: Schwarz-Rot-Gold bestimmt das Bild zur Weltmeisterschaft auch in Wasserburg. Doch was steckt hinter dem alle vier Jahre aufblühenden Nationalstolz?

Anne-Marie Kohwagner-Leucht wollte es wissen und bat beim Nationenfest in Wasserburg Besucher aller Generationen um ihre Einstellung zum Mutterland. "Was schätzen Sie an Deutschland?" fragte die Künstlerin die Gäste. Außerdem wollte die gebürtige Wasserburgerin, Mitglied der Künstlergemeinschaft AK 68, wissen, ob sich die Bürger auch außerhalb von Großereignissen wie der Fußball-Weltmeisterschaft mit ihrem Heimatland identifizieren. Und sie interessierte die Frage, ob die Wasserburger, die derzeit häufig mit beflaggten Autos durch die Stadt fahren und sogar viele Balkone mit den schwarz-rot-goldenen Farben geschmückt haben, die historische Bedeutung der Nationalfarben kennen.

Obwohl auch die Wasserburger in Scharen zum Public Viewing strömen und wie eine starke zweite Mannschaft hinter der deutschen Elf stehen, waren manche Bürger nicht bereit, sich mit ihren Gefühlen zum Nationalstolz intensiver auseinander zu setzen. Gedanken machen über Deutschland - abseits vom Fußball? Zahlreiche Besucher in der Altstadt ließen sich auf die Auseinandersetzung trotzdem ein, freut sich Anne-Marie Kohwagner-Leucht. Die Passanten schrieben ihre Gedanken zu Deutschland auf eine große Leinwand. 50 füllten außerdem einen Fragebogen aus.

Erstaunlichstes Ergebnis: Nur zwei Bürger wünschten sich, einem anderen Herkunftsland anzugehören. Bei beiden stand Italien hoch im Kurs - "wegen der Wärme, dem guten Essen und dem Meer", berichtet die Künstlerin schmunzelnd.

Am meisten schätzen die Wasserburger nach ihren Angaben die Freiheit an Deutschland. "Hingehen, wohin man will, offen seine Meinung äußern können: Auch dies verstehen viele unter der Freiheit.

Weitere Werte, die in den Fragebögen genannt wurden: das Bildungsangebot und die eigene Sprache. "Identifizieren Sie sich mit der eigenen Nation?" Dies bejahten fast alle - auch für die Zeit nach der WM. Nur die Bedeutung der Farben Schwarz-Rot-Gold konnte kaum jemand erklären: Ihr Ursprung liegt nach Informationen der Künstlerin in den Befreiungskriegen gegen Napoleon, als das Freikorps sich aus Studenten zusammensetzte, die mit unterschiedlichen Uniformen auftraten. Für ein einheitliches Bild wurden sie schwarz eingefärbt, verbunden mit messingfarbenen (goldenen Knöpfen) und roten Aufschägen.

Viel wichtiger als die Vermittlung dieser historischen Information ist Künstlerin Anne-Marie Kohwagner-Leucht jedoch die Tatsache, dass es ihr gelungen ist, die Bürger zum Nachdenken über ihr Verhältnis zu Deutschland zu inspirieren. "Es wurde ein Dialog in Gang gesetzt, der hoffentlich über die Weltmeisterschaft hinausträgt."

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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