Effektiv: Strom wird aus Fäkalien erzeugt

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Einen Blick ins Innenleben des Gasmotors warfen bei der Inbetriebnahme (von links) Bürgermeister Michael Kölbl, Kläranlagenreferent Hans Köck, Klärwärter Günter Grasberger und Planer Anton Mader.

Wasserburg - Wie macht man Fäkalien zu Geld? Indem man Faulgas in einem Blockheizkraftwerk zu Strom und Wärme macht. In der Kläranlage ging jetzt eine neue Anlage dafür in Betrieb.

Im Hintergrund wummerte der Gasmotor, und den Verantwortlichen war die Erleichterung darüber anzumerken: Zwei Wochen vor Inbetriebnahme hatte der Lieferant der Anlage überraschend Insolvenz angemeldet. Weil er aber in Wasserburg mit zwei Subunternehmern gearbeitet hatte, darunter auch die Eiselfinger Firma Wuchterl, und diese den Auftrag noch fertig stellten, konnte nun doch gefeiert werden.

Schon seit der Inbetriebnahme der Kläranlage vor 23 Jahren gibt es hier ein Blockheizkraftwerk (BHKW), das die anfallenden Faulgase verbrennt und dabei Strom und Wärme für das Klärwerk liefert. Nun waren die zwei Motoren nach 45.000 Betriebsstunden "fertig". Eine neue größere und effizientere Anlage sei wirtschaftlicher als ihre Überholung, ergab eine Berechnung - trotz Kosten von 600.000 Euro.

Dafür gab es zwei unabhängig zu betreibende BHKWs mit je einem Liebherr-Sechszylindermotor von rund 10.000 Kubik und je einem Generator mit 125 KW - bisher nur 86 KW - Leistung. Die neuen Anlagen sind dabei energieoptimiert und erreichen so mit gesamt 89,4 Prozent einen höheren Wirkungsgrad als die Vorgänger.

Neben einer Strommenge, die rund die Hälfte des Kläranlagenbedarfs deckt, entsteht dabei genug Wärme, um die Anlage und vor allem den Klärschlamm aufzuheizen auf die erforderlichen 37 Grad. "Nur mehr an Spitzentagen müssen wir einen Ölbrenner dazuschalten", so der Planer Anton Mader.

Das setzt aber voraus, dass genügend Fäkalien an der Kläranlage ankommen. Da dies wie auch die Qualität des Gases schwankt, wird es in einem Druckbehälter zwischengespeichert.

Zusammen mit einer Reduzierung des Stromverbrauchs durch moderne Umwälzpumpen wertete Bürgermeister Michael Kölbl die Investition als einen wichtigen Schritt in Richtung der Klimaschutzziele der Stadt.

Von einer ganz anderen Seite sah die Sache der Hersteller der BHKWs, die Firma Edel in Wangen. Ihr Geschäftsführer lobte zum einen ausdrücklich den Leiter des Klärwerkes, Günter Grasberger, für seinen großen Einsatz. An die Wasserburger richtete er einen klaren Apell: "Macht viel Mist."

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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