Stützpunkt für Familien

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Wasserburgs Zweite Bürgermeisterin Marlene Hof-Hippke, Regionalbüroleiterin Magdalena Restle, Anke Schellberger als Vertreterin der Molkerei Meggle (Förderer), die stellvertretende Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Rosenheim, Barbara Heuel, Geschäftsführerin Maria Klausner und Landrat Josef Neiderhell (von links) unterstrichen beim Festakt die Bedeutung einer niederschwelligen Familienhilfe vor Ort.

Wasserburg - Seit zehn Jahren gibt es das Regionalbüro des Kinderschutzbundes. 68 Familien fanden im Stützpunkt auf der Burg allein im vergangenen Jahr Unterstützung.

Wie wichtig diese niederschwellige Arbeit vor Ort ist, zeigte ein Festakt zum zehnjährigen Bestehen, an dem auch Landrat Josef Neiderhell teilnahm.

Wasserburg - Kuscheltiere und Bilderbücher in den Regalen, ein Wickeltisch, eine Küche, in der auch ein Babybrei hergestellt werden kann, ein Zelt, in das sich Kinder zum Träumen zurückziehen, gemütliche Sitzecken für die Erwachsenen: Das Regionalbüro Wasserburg des Kinderschutzbundes Rosenheim erinnert eher an eine liebevoll gestaltete Familienwohnung als an eine Beratungsstelle, in der Eltern und Kinder in schwierigen Lebenslagen Hilfe und Therapie finden oder soziale Dienste nutzen können, etwa in Phasen, in denen sich Paare trennen, in denen die Beziehungsprobleme in der Familie zu eskalieren drohen, Mütter und Väter sich mit der Erziehung überfordert fühlen oder soziale Probleme den Alltag erschweren.

Dass sich Familien im Regionalbüro einmal so wohlfühlen könnten, hätte vor zehn Jahren niemand angesichts der stark renovierungsbedürftigen Räumlichkeiten zu ahnen gewagt, erinnerte sich Geschäftsführerin Maria Klausner. Der Kinderschutzbund renovierte die heruntergekommenen Lagerräume auf der Burg, mietete sie an und verwandelte sie dank Unterstützung von Förderern aus der Wirtschaft in behagliche Zimmer. Seit 2011 werden die von der Stadt gekauften Räumlichkeiten auf der Burg dem Kinderschutzbund für seine Arbeit mietfrei zur Verfügung gestellt.

In den vergangenen zehn Jahren erlebte das Regionalbüro, zuständig für Stadt und Altlandkreis Wasserburg, einen starken Aufgabenzuwachs, berichtete Leiterin Magdalena Restle. Heute arbeitet hier ein multiprofessionelles Team aus sieben festen und zwei Honorarkräften, unter ihnen auch zwei Männer. Einer der Schwerpunkte: die ambulante Erziehungshilfe für Familien.

Die Arbeit in Wasserburg beruht außerdem auf zwei Säulen: Vor fünf Jahren übernahm der Kreisverband Rosenheim des Kinderschutzbundes auch die Trägerschaft für das erste Mehrgenerationenhaus im Landkreis. Die Einrichtung in der nördlichen Burgau, einem Stadtteil mit einem hohen Anteil von Familien mit einem Migrationshintergrund, hat sich nach Überzeugung von Wasserburgs Zweiter Bürgermeisterin Marlene Hof-Hippke zu einem lebendigen Begegnungszentrum entwickelt. Hinter dem Mehrgenerationenhaus steht ein gut vernetztes Team von Förderern und Kooperationspartnern. "Der Kinderschutzbund stellt die alles zusammenhaltende Klammer dar", charakterisierte Marlene Hof-Hippke die Arbeit des Vereins.

Größte Herausforderung seit der Gründung des Mehrgenerationenhauses vor fünf Jahren ist die Sicherstellung der Finanzierung: Die finanziellen Anschubunterstützungen durch den Bund und derzeit durch den Europäischen Sozialfonds gehen dem Ende zu. Sponsorengelder, Benefizveranstaltungen wie der Wasserburger Lauf, finanzielle Förderungen durch Stadt und Landkreis sowie eigene Vereinsmittel werden auf Dauer nicht ausreichen.

Maria Klausners skizzierte ihre Vision im Gespräch mit der stellvertretenden Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Rosenheim, Barbara Heuel, zum Abschluss des Festaktes: Sie hofft auf eine Realisierung des geplanten städtischen Bürgerhauses als Mehrgenerationeneinrichtung, in der alle Träger von sozial tätigen Vereinen und Wohlfahrtsorganisationen in der Stadt ein zentrales Zuhause finden. In der nördlichen Burgau müsse jedoch ein Mehrgenerationenhaus als Außenstelle weiter bestehen bleiben.

Auch in den nächsten Jahren können diese Einrichtungen und der Stützpunkt für Familien auf der Burg nur dann so intensiv weiterarbeiten, wenn auch Förderer aus der Wirtschaft hinter ihnen stehen, stellte Vereinsvorstandsvorsitzende Anna-Maria Ehrlicher beim Festakt heraus.

In Wasserburg setzen sich unter anderem die Molkerei Meggle und der Rotary Club mit finanziellen Zuwendungen für die Kinderschutzarbeit ein. Meggle-Personalchefin Anke Schellenberger verdeutlichte das Bedürfnis Toni Meggles, "soziale Verantwortung für die Region" zu übernehmen. Angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen mit dem Zusammenbruch traditioneller Familienstrukturen und der nach wie vor nicht gelösten Probleme rund um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf würden viele Menschen professionelle externe Hilfe benötigen. Die Arbeit des Kinderschutzbundes sei notwendig, um die Gefahr einer verlorenen Generation zu verhindern.

Auch Landrat Josef Neiderhell sieht die Notwendigkeit, Familien Hilfe anzubieten. "Schnell, nah an den Menschen, direkt vor Ort, in einer vertrauten Umgebung", unterstrich er die Notwendigkeit zur Regionalisierung der Jugendhilfe.

Für die nächsten fünf Jahre wünschen sich die Mitarbeiter des Regionalbüros und des Vereins eine weitere Intensivierung ihrer Arbeit mit zusätzlichen Angeboten, etwa für Trennungsfamilien und für das Elterntraining. Das große Ziel beschrieb treffend Anke Schellenberger: "Mehr Präventions- als Feuerwehrarbeit."

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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