Südspange bleibt Thema

+
Die beiden Trassen aus der Vogelperspektive. Für beide stehen derzeit keine Grundstücke zur Verfügung.

Wasserburg - Auch wenn eine Verwirklichung im Moment nicht möglich erscheint: Für den Stadtrat ist das Thema Südspange noch nicht beendet. Das zumindest signalisierte jetzt eine durchaus emotionale Diskussion.

Im Kreisausschuss war der aktuelle Stand des Projektes kürzlich vorgestellt worden, jetzt folgte der Stadtrat Wasserburg. Nach mehr als 30 Jahren der Diskussion hatte ein erneutes Gutachten den sogenannten "Raumwiderstand" analyssiert, dazu eine Aktualisierung des Verkehrsgutachtens die Entlastungswirkung.

Andreas Pöllinger vom Büro Schober erläuterte die Vorgehensweise: Beim "Raumwiderstand" werden die Auswirkungen von Trassen auf Menschen, Pflanzen und Tier sowie Boden und Wasser analysiert. Im Fall der Südspange/Nordumgehung Eiselfing gibt es dabei gleich eine Anzahl von Tabuzonen.

So wurde die vorhandene Bebauung mit einem entsprechenden Umfeld ebenso ausgeschlossen wie das kartierte Biotop Wuhrtal. Eine Überquerung des Tales mit einer Brücke würde mindestens einen Pfeiler bedeuten. Das aber würde so massiv in die Hangquellen eingreifen, dass auch diese bisher vorrangig diskutierte Möglichkeit nicht mehr in Betracht kam.

So blieben am Ende aus Sicht des Gutachters nur zwei denkbare Straßenvarianten: Eine sogenannte "Nordtrasse", die sich um die Bebauung westlich und nördlich von Huber&Sohn herumschlängelt, und eine "Südtrasse", die zwischen Huber&Sohn und Eiselfing auf die Kreisstraße stoßen würde.

Gerhard Kippes vom Landratsamt fasste die verkehrliche Untersuchung dieser Trassen zusammen. Die Nordtrasse hätte dabei den Nachteil von Kurven und Gefällbereichen, so dass hier trotz höherem Bauaufwand wohl höchstens mit 50 Kilometern pro Stunde gefahren werden könnte. Die Südtrasse dagegen brächte "keine echte Verkehrsentlastung für Eiselfing oder Wasserburg", so der Gutachter, und hätte in der Weiterführung in Bachmehring auf Höhe Huber&Sohn eine Problemstelle mit sehr naher Bebauung.

Das Hauptproblem aber: Für beide Trassen stehen die Grundstücke nicht zur Verfügung und sind auch nicht in Sicht. Enteignung sei kein Thema, stellte Bürgermeister Michael Kölbl klar. Für CSU-Fraktionsssprecher Hans Köck war ein Verkauf dieser landwirtschaftlichen Flächen und damit die Straße "Lichtjahre entfernt".

Unabhängig davon wurde im Stadtrat aber über Sinn und Unsinn der Trassen diskutiert. So stand für Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) fest, dass nur die "Nordtrasse" verkehrstechnisch sinnvoll sei, was Helmut Schedel (SPD) nicht automatisch so sah: Mit entsprechenden Lenkungsmaßnahmen könnte auch eine Südtrasse den Lkw-Verkehr von und zur Tegernau aufnehmen.

Dieser Verkehr wird die Diskussion der nächsten Zeit wohl dominieren. So kündigte Markus Bauer (CSU) eine Initiative der Betriebe in der Tegernau an mit der klaren Forderung, etwas zu unternehmen. "Der Schwerverkehr fährt über Wasserburg, das ist kein Hirngespinst", widersprach er dem letzten Verkehrsgutachten von 2002, das für die Salzburger Straße keine Entlastung durch die Südspange gesehen hatte. Und: "Das wird noch mehr in den nächsten Jahren."

"Die Südspange ist wichtiger denn je", unterstrich auch Oliver Winter (CSU). Allerdings sei zu akzeptieren, dass momentan eine Verwirklichung nicht möglich sei. "Direkt über das Wuhrtal geht es aus ökologischen Gründen nicht, auf der Nordtrasse aus Grundstücksgründen nicht."

Teils heftige Reaktionen rief der Vorwurf von Werner Gartner (SPD) hervor, der Bevölkerung sei in Sachen Südspange nur alle sechs Jahre im Wahlkampf etwas "vorgegaukelt" worden. Dies wies die CSU massiv zurück.

Ganz abschließen wollten das Thema die Grünen. "Es gibt keine vernünftige Trasse und es gibt keine durchsetzbare Trasse", so Christian Stadler. Man solle nun endlich über Alternativen sprechen, etwa im öffentlichen Personennahverkehr. Anderen Fraktionen dagegen signalisierten durchaus die Bereitschaft, weiter hinter dem Projekt zu stehen. Lorenz Huber (Bürgerforum) beispielsweise meinte, man würde die Nordtrasse mittragen. Werner Gartner (SPD) sicherte die Unterstützung ebenfalls zu, "falls der Grund zur Verfügung stehen würde." Andreas Aß (CSU) meinte gar: "Es pressiert extrem".

Für Bürgermeister Kölbl war die Ausgangslage ohnehin eindeutig. Der Stadtrat habe 2007 in einem Grundsatzbeschluss sein Interesse an einer Realisierung dieser Straßenverbindung erklärt. Das gelte weiter. Nach dem aktuellen Gutachten sei außerdem klar, dass man endgültig nur über zwei Trassen sprechen könnte - und eventuell eine winzige aber entscheidende Variante: Es wäre am Wuhrtal-Anfang ja noch ein kleines Abrücken Richtung Westen denkbar, merkte er an. Dann könnte ja vielleicht doch eine Entwicklung in Sachen Grundstückskauf denkbar sein.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser