Im Suff Freundin mit SAT-Receiver geschlagen?

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Wasserburg - Bei einem Paar aus Wasserburg ging es im Suff schon mal etwas heftiger zu. Diesmal allerdings landete der Streit vor Gericht und endete mit einer Verurteilung.

Jede Menge Provokationen und Alkohol gab es an jenem Abend im vergangenen Juli, der dann mit blauen Flecken und einer Erinnerungslücke endete. Nach dem gemeinsamen Grillen mit Bekannten, bei dem der 44-jährige Russe eine Flasche Wodka und seine 46-jährige deutsche Lebensgefährtin vermutlich eine Flasche Wein getrunken hatte, machten sich die beiden auf den Heimweg, wo sie noch zwei Bekannte trafen, die die Frau in ihre Wohnung einlud. Gemeinsam leerte das Quartett eine weitere Flasche Wodka, wobei der 44-Jährige nochmals kräftig zulangte. Als er sich dann auf die Toilette begeben wollte, erwischte er dort seine Lebensgefährtin in flagranti mit einem der Besucher.

"Dann ist es zum Skandal gekommen", sagte der Hilfsarbeiter, der sich nun wegen gefährlicher Körperverletzung in Tatmehrheit mit vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Wasserburg verantworten musste. Laut Anklageschrift soll er seine Lebensgefährtin mit einem SAT-Receiver geschlagen und ihr einen Faustschlag versetzt haben. Allerdings gab es unterschiedliche Sichtweisen, wie sich die Geschädigte das Monokel-Hämatom ("Veilchen") zugezogen hatte.

Vor Gericht räumte der Angeklagte, der mit einer Dolmetscherin erschienen war, Handgreiflichkeiten ein. Allerdings sei es bei dem Gerangel lediglich um den Receiver gegangen, der russische Programme empfangen könne und seiner Freundin gehört habe. Die habe das Gerät gepackt und die Kabel herausgerissen. "Ich wollte nur, dass er nicht kaputt geht", betonte der Angeklagte. Beim Versuch, ihr das Gerät zu entreißen, könne er sie möglicherweise schon am Auge getroffen haben. Absichtlich habe er ihr jedoch keine Verletzungen zugefügt und auch keinen Faustschlag verpasst.

Vermutlich sei seine Lebensgefährtin sauer gewesen, weil er die Männer aus der Wohnung geworfen habe. Nach der Auseinandersetzung habe er die Wohnung verlassen und bei seiner Tante übernachtet.

Die Geschädigte, eine Reinigungskraft, konnte sich kaum noch an den Tathergang erinnern und berief sich auf eine teilweise Erinnerungsstörung, seit sie "mit dem Kopf gegen die Heizung geknallt" sei. Davor habe der Angeklagte mindestens eine Flasche Wodka getrunken. Meistens bleibe es nicht bei einer Flasche. Immer am Monatsersten, wenn der 1,50- Euro-Jobber seinen Lohn erhalte, kaufe er Wodka und trinke dann drei oder vier Tage. In dieser Zeit komme es häufig zu Skandalen, beispielsweise "wenn ich mit einem flirte". Dann eskaliere die Situation. Sie provoziere ihn dann ziemlich, beleidige ihn und seine Eltern und haue ihm auch eine runter.

Auf Belehrung des Gerichts, sich nicht selber mit einer Aussage belasten zu müssen, ließ die Frau in ihren weiteren Ausführungen die Ohrfeigen weg. Sie habe ihn verletzen wollen und deshalb den Receiver herausgerissen, den sie ihm vor Kurzem geschenkt habe. An alles Weitere könne sie sich nur bruchstückhaft erinnern.

Etwas genauer waren die Erinnerungen ihrer Tochter, die zum Tatzeitpunkt in der Wohnung war. Allerdings musste die 23-Jährige erst durch einen Anruf des Gerichts und unter Androhung, aufgrund ihres unentschuldigten Fernbleibens die Gerichtskosten aufgebrummt zu bekommen, zu ihrer Zeugenaussage motiviert werden. Die Zeugin machte glaubhaft, dass es bei der Auseinandersetzung sehr wohl Handgreiflichkeiten gab, bei denen der Receiver auf dem Kopf der Mutter gelandet und es zu einem Faustschlag gekommen sei. Auf die Frage des Gerichts, warum die Mutter den Vorfall anders schildere, sagte die Tochter: "Vielleicht möchte sie ihn nicht loswerden, vielleicht liebt sie ihn."

Bei einer Blutentnahme rund fünf Stunden nach der Tat wurde bei dem Angeklagten ein Alkoholgehalt von rund 2,13 Promille festgestellt. Laut Gerichtsgutachten habe der Angeklagte zum Tatzeitpunkt somit zwischen 2,5 und 3 Promille gehabt und, trotz des großen Verteilungsfaktors aufgrund seines Körpergewichts, doch deutliche Ausfallerscheinungen gezeigt. Eine Minderung des Steuerungsvermögens sei nicht auszuschließen. Es liege zwar eine gewisse Gewöhnung, aber keine Alkoholkrankheit vor.

In diesem Fall habe die emotionale Komponente zum Aggressionsdelikt geführt, so das Gutachten. Der Angeklagte leide unter der Sprachbarriere und der andauernden Arbeitslosigkeit. Er zeige sich Alkohol gegenüber unkritisch und neige dazu, zur Entspannung zu trinken. Problematisch werde es, wenn er gemeinsam mit der Lebensgefährtin trinke. Zudem sei es eine Frage der Mentalität. In Russland würde der Vorfall die Gerichte möglicherweise gar nicht beschäftigen, daher sei eine höhere Einsicht wohl nicht zu erwarten.

Gericht und Staatsanwaltschaft sahen den Tatvorwurf der gefährlichen und vorsätzlichen Körperverletzung als erwiesen. In der Urteilsfindung wurde sowohl seine starke Alkoholisierung als auch eine Vorahndung wegen Körperverletzung, die ebenfalls an der Lebensgefährtin verübt wurde, berücksichtigt. Der Angeklagte wurde zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, und zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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