Nur Suff gegen die Langeweile

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Wasserburg/Rosenheim - Noch nicht 21 Jahre alt, aber schon viermal vorbestraft ist ein Wasserburger, der jetzt erneut vor dem Jugendschöffen stand wegen versuchter Körperverletzung.

Am 27. Februar dieses Jahres ging er kurz nach Mitternacht von einer Geburtstagsfeier nach Hause. Genauer gesagt, er wankte. Dabei wurde er bei Ramerberg von einem Pkw angefahren. Die herbei gerufenen Rettungssanitäter stellten außer Abschürfungen keine weiteren Verletzungen fest. Die inzwischen eingetroffene Polizeistreife bemerkte aber auch, dass der junge Mann nicht unerheblich alkoholisiert war. Weil das für die Schuldfrage nicht unerheblich ist, forderten die Beamten den Angeklagten auf, zwecks Blutentnahme zur Polizeiinspektion mitzufahren.

Damit begann das Problem: Der Maschinenbau-lehrling ist im betrunkenen Zustand äußerst renitent. So gelang es den Beamten selbst nach längerem Zureden nicht, ihn ohne handfeste Argumente zum Mitfahren zu bewegen. Deshalb wurde er schließlich gefesselt zur Wache transportiert. Auch dort setzte er sich zur Wehr und trat um sich, bis er schließlich in die Ausnüchterungszelle gebracht wurde und nach der Blutabnahme seinen Rausch ausschlief.

Das Jugendschöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Bärbel Höflinger versuchte, den Ursachen seiner Probleme auf den Grund zu gehen. Nach intensivem Hinterfragen ergab sich ein differenzierteres Bild: Der Angeklagte ist demnach im nüchternen Zustand ein fleißiger, lernbereiter junger Mann, der sich derzeit intensiv auf seine Gesellenprüfung vorbereitet. Ihm mangelt es einfach an wirklichen Freizeitinteressen. Beim Jugendgerichtshelfer gab er einzig "Baden gehen" und "Playstation spielen" als Hobbys an. Ansonsten treffe er sich mit seinen Freunden.

Weil offensichtlich auch dort die Langeweile vorherrscht, wird gesoffen. An jenem Abend hatte der 21-Jährige flotte 2,35 Promille im Blut. Es stellte sich auch heraus, dass er alle Vergehen, die in seinem Strafregister aufgezählt wurden, unter Alkoholeinfluss begangen hatte.

Der Polizist berichtete im Zeugenstand, dass der Angeklagte bereits mehrmals wegen Volltrunkenheit in "Schutzgewahrsam" genommen worden sei. Dabei sei es nicht zu Straftaten gekommen. Er sei eben nur volltrunken gewesen. In diesem Zustand neige der Angeklagte aber immer zu Aggressionen und sei mit Vorsicht zu genießen.

In einer weiteren Anklage wurde ihm Unfallflucht bei einer Kollision in Haag vorgeworfen. Er hatte sich erst am darauf folgenden Tag der Polizei gestellt. Dies räumte er voll ein. Er bestritt allerdings entschieden, dass er auch bei diesem Unfall alkoholisiert gewesen sei und sich nur deshalb erst am folgenden Tag bei der Polizei gemeldet habe. Das war ihm nicht nachzuweisen, weshalb es bei dem Vorwurf der Unfallflucht blieb.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft beantragte einen Schuldspruch auf Bewährung, der allerdings mit einem Fahrverbot von drei Monaten und mit einer Behandlung seines offensichtlichen Alkoholproblems verbunden werden solle.

Das Gericht entsprach diesem Antrag, unterstellte den jungen Mann einem Bewährungshelfer und belegte ihn mit einem Bußgeld von 500 Euro.

au/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser