Sind Vorwürfe der Tierschützer gerechtfertigt?

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Zu wenig Platz im Käfig: Solche Missstände wie auf dem Archivbild, vor Jahren noch an der Tagesordnung, sind in der Zwischenzeit in Wasserburg nicht mehr zu sehen.

Wasserburg - "Tierschutzwidrige Umstände" will der Deutsche Tierschutzbund auf dem Wasserburger Taubenmarkt am vergangenen Wochenende festgestellt haben. Der Kleintierzuchtverein wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Und das Veterinäramt Rosenheim sieht den Veranstalter - trotz Beanstandungen - "auf einem guten Weg".

Schießen die Tierschützer bei ihrer Beurteilung des Wasserburger Taubenmarktes mit Kanonen auf Spatzen? Ihre Kritik fällt auf jeden Fall massiv aus. "Zahlreiche Verstöße" gegen die tierschutzgerechte Unterbringung und Versorgung hätten die Mitarbeiter bei ihrem Besuch festgestellt, heißt es in einer Pressemitteilung. An mehreren Ständen seien die Käfige ohne entsprechenden Schutz gegen Zugluft beziehungsweise Kälte aufgestellt worden. "Eine Unterbringung von mehr als zwei Tieren bei zu geringem Platzangebot war insbesondere bei Tauben und Geflügel gang und gäbe", heißt es weiter. Die Kaninchen hätten teilweise weder Einstreu noch Heu oder Wasser zur Verfügung gehabt. Tauben seien in Käfigen mit Gitterbodenrosten, in denen eine Verletzungsgefahr bestehe, ausgestellt worden.

Dass es auch heuer Verstöße gab, bestätigt Dr. Werner Hamp, Leiter des Veterinäramtes Rosenheim. "Doch die Anzahl der Beanstandungen ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, die Verstöße sind nicht mehr so gravierend und auch die Bereitschaft der Aussteller und Züchter, aufgetretene Mängel sofort zu beseitigen, ist deutlich besser geworden", sieht Hamp den Taubenmarkt "auf einem guten Weg".

In drei Teams mit fünf Amtstierärzten, begleitet von einem Polizeibeamten, habe die Behörde den Taubenmarkt besucht, kontrolliert, ob die Impfbescheinigungen und Bestandsuntersuchungen vorlagen und die Stände begutachtet. Komme es zu Beanstandungen, müsse den Ausstellern jedoch die Chance gegeben werden, die Situation vor Ort zu verbessern. Dies sei auch beim vergangenen Taubenmarkt geschehen. "Natürlich gibt es immer wieder einige, die beratungsresistent sind, doch auch sie werden immer weniger", betont Hamp.

"Einige werden es nie akzeptieren", bedauert auch Rudolf Schreyer, Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins. "Doch wir als Veranstalter sind dahinter, dass alle Auflagen und Vorschriften eingehalten werden. Denn auch wir sind absolut für den Tierschutz." Der Vorsitzende betont jedoch auch, dass beim Auf- und Abbau der Stände aus organisatorischen Gründen nicht immer sofort alle Auflagen erfüllt werden könnten.

Schreyer kann außerdem nicht nachvollziehen, warum die Mitarbeiter des Tierschutzbundes den Taubenmarkt anonym besucht und sich beim Verein nicht gemeldet haben. "Dabei würden wir eine Zusammenarbeit mit dem Tierschutzbund begrüßen. Ein gemeinsamer Gang über den Markt würde dem Tierschutz am meisten helfen", ist Schreyer überzeugt. Das Veterinäramt betont außerdem: "Wenn es Beanstandungen gegeben hat, heißt das nicht automatisch, dass wir und der Verein diese dulden würden."

Hamp kann einen Kritikpunkt des Tierschutzbundes außerdem nicht nachvollziehen: Dass die Tiere am Sonntag einer "Eiseskälte" und "Zugluft" ausgesetzt gewesen seien, wie der Tierschutzbund kritisiert, "stimmt nicht. Es herrschte kein Wind, es hat nicht geschneit und die Temperaturen lagen um die null Grad."

Hamp zeigt jedoch Verständnis für die Tatsache, dass der Tierschutzbund "natürlich die Optimallösung verlangt". Mit den bundeseinheitlichen Tierbörsenleitlinien, auf denen die örtliche Börsenordnung basiere, sei die entsprechende Rechtsbasis zum Schutz vorhanden. Missstände würden konsequent beanstandet und beseitigt - wenn nicht, müsse der entsprechende Züchter wieder abbauen.

Bei der Realisierung der Tierbörsen-Leitlinien sieht sich auch der Kleintierzüchterverein, so Schreyer, "auf einem sehr guten Weg". "Doch dieser muss so aussehen, dass es einen Markt in dieser Vielfalt auch weiterhin geben kann."

Denn, so Schreyer: "Der Taubenmarkt ist ja nicht nur eine Verkaufsbörse, sondern auch ein Treffpunkt der Züchter." Selbst vorbildliche Taubenlackl hätten schon angekündigt, wegen der "Überreglementierung", die die Atmosphäre zerstöre, nicht mehr an der Traditionsveranstaltung teilnehmen zu wollen, "das schmerzt".

Keinen Einfluss hat der Verein nach Schreyers Angaben auf den Abtransport der Tiere. "Höchst bedenklich ist die Tatsache, dass Besucher ihre gekauften Tiere über Stunden bei Eiseskälte im Freien in tierschutzwidrigen Behältnissen lagern und diese dann im Gepäckraum ihres Reisebusses verstauen", bemängelt der Tierschutzbund hierzu. Hier sieht auch das Veterinäramt noch Verbesserungsbedarf. "Darauf muss zu Recht noch mehr das Augenmerk gelegt werden", so Hamp. duc/koe

Quelle: rosenheim24.de

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