Die Technik verursacht nur selten Unfälle

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Ein untypischer Unfall: Knapp drei Wochen ist es her, dass ein Rollerfahrer nahe Bad Endorf von einem Rad getroffen wurde, das sich von einem zweiachsigen Autoanhänger gelöst hatte.

Rosenheim - Sollen Autos ab einem Alter von sechs Jahren jährlich zum TÜV? Ein Vorstoß von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas sorgt für Diskussionen.

Die EU begründet ihre Forderung damit, dass europaweit jährlich mehr als 2000 Verkehrstote technischen Mängeln zum Opfer fallen würden. Wer einen Blick auf die Unfallstatistik in der Region Rosenheim wirft, kommt zu anderen Ergebnissen.

13 Menschen kamen 2010 auf den Straßen in Stadt und Landkreis Rosenheim ums Leben. 2011 waren es sogar 16. Doch in keinem der Fälle war die Unfallursache ein technischer Defekt am Fahrzeug.

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd hat in seiner Statistik aufgeführt, was die häufigsten Ursachen von Unfällen mit Todesopfern in seinem Zuständigkeitsbereich sind. An erster Stelle stand 2011 überhöhte Geschwindigkeit, gefolgt von der Missachtung von Vorfahrtsregeln. Daran schlossen sich Alkohol am Steuer und Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Einfahren an. Technische Defekte tauchen in der polizeilichen Unfallstatistik als eigene Kategorie gar nicht auf, sondern verbergen sich unter "Sonstige Ursachen".

"Die häufigste Unfallursache ist menschliches Versagen", erklärt Stefan Sonntag, Sprecher der Polizei in Rosenheim. "Technische Defekte sind die ganz große Ausnahme." Nur bei 0,4 bis 0,5 Prozent der Unfälle liege die nachgewiesene Ursache in der Fahrzeugtechnik. Klassiker seien eine defekte Bremse, ein verklemmtes Gaspedal oder ein Rad, das sich gelöst habe.

Diese Einschätzung bestätigt auch der Kolbermoorer Kfz-Sachverständige Bernhard Greilinger, der häufig mit unfallanalytischen Gutachten betraut wird. "Ich bin seit 1995 dabei und kann mich nur an zwei Fälle erinnern, bei denen ein technischer Defekt definitiv Unfallursache war."

Beide Fälle ereigneten sich nicht in der Region: In einem Fall hatte ein Hobby-Schrauber selbst den Bremsbelag seines Autos falsch montiert, woraufhin es zu einem Auffahrunfall kam. Bei einem Unfall in Grafenwöhr, zu dem Greilinger hinzugezogen wurde, war die Bremsleitung eines Busses geplatzt. "In den allermeisten Fällen werden Unfälle durch persönliches Versagen verursacht", so auch seine Erfahrung.

Greilinger kennt das Geschäft auch aus der Sicht eines Prüfers der Hauptuntersuchung. "Manchmal hat man Fahrzeuge, bei denen müsste auch der technische desinteressierte Laie merken, dass da etwas nicht stimmen kann." Tatsächlich zeige sich dann am Prüfstand, dass beispielsweise die Vorderachse ein großes Spiel habe: "Aber obwohl das ein erheblicher Defekt ist, kommt man nicht in den gefährlichen Bereich." Greilingers Schlussfolgerung: "Im hiesigen Bereich ist eine jährliche Untersuchung nicht zwangsläufig erforderlich."

ku/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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