Tendenz zum Aufschieben

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Die Firma Meggle wird derzeit noch von den Resten der Gleisstraße durchschnitten. Sie fordert seit Jahren die Stilllegung.

Wasserburg - Im Stadtrat zeichnet sich die Tendenz ab, die Trasse der Altstadtbahn als infrastrukturelle Zukunftssicherung im jetzigen Zustand zu belassen.

Keine wirklich neuen Erkenntnisse erbrachte die Fragestunde, zu der die Verfasser des Gutachtens zur Altstadtbahn, die Büros Gevas und Zierl, in den Stadtrat gekommen waren. Vor den kritischen Fragen des Publikum diskutierten die Stadträte die Ergebnisse.

Die einzige Überraschung kam von Bürgermeister Michael Kölbl. Aus einem Gespräch letzte Woche im Wirtschaftsministerium brachte er eine neue juristische Sichtweise mit: Nach aktuellen Urteilen gibt es für Wasserburg auf der von der Stadt gekauften Bahnstrecke keine Betriebspflicht. Man habe also zur Wiederinbetriebnahme und zur offiziellen Stilllegung und Entwidmung eine dritte Möglichkeit, nämlich die Dinge einfach zu lassen wie sie sind.

Dagegen allerdings hat die Firma Meggle, durch deren Gelände die Trasse immer noch führt, bereits in der Vergangenheit Protest eingelegt. Die Vorstellung ihrer Sichtweise, voraussichtlich im Mai oder Juni, wird der nächste Schritt im Stadtrat vor einer Entscheidung sein.

Nur die CSU wies in der Sitzung auf das Problem Meggle hin. Fraktionssprecherin Elisabeth Fischer erinnerte daran, dass es "hier um Arbeitsplätze geht. Wir werden uns entscheiden müssen."

Eine nachvollziehbare Festlegung mahnte Bürgermeister Kölbl an, wobei er gleichzeitig die Tendenz erkennen ließ, derzeit keine Stilllegung zu beschließen. Die Grundsatzentscheidung sei die "für oder gegen das Ziel Bahn." Sollte man sich pro Bahn entscheiden, die Umsetzung aber vertagen, müsse man ein realistisches Zeitfenster wählen und dann beispielsweise in fünf Jahren wieder beraten. Dann aber sei auch ein aktuelles Gutachten fällig, "und das kostet 60 000 Euro."

Alle anderen Stellungnahmen gingen in die Richtung des Abwartens. So forderte Dr. Budenhofer (Freie Wähler Reitmehring), die Entwicklungen auf lange Sicht zu überlegen. "In 15 bis 20 Jahren sind wir vielleicht froh um die Trasse." Die Grünen unterstrichen ihren Wunsch, die Linie zu reaktivieren. Christian Stadler bezweifelte dabei die im Gutachten mit einem Prozent relativ niedrig angesetzten jährlichen Zuwachsraten für die Bahn. Marlene Hof-Hippke (SPD) stellte fest, dass es keine Entscheidungspflicht gebe, "dann sollten wir es auch offen lassen." Lenz Huber (Bürgerforum) meinte, man müsse die Trasse zumindest vorläufig sichern: "Die Lage wird nicht besser." Damit spielte er auf den Baumwuchs an der Gleisstrecke an.

Die Kosten für die Rodung seien zu hoch angesetzt, hatte zuvor Werner Gartner (SPD) kritisiert. Der stellte außerdem fest: "Ich würde im Moment nicht neun Millionen investieren."

Dass es laut Wirtschaftsministerium keinerlei Finanzhilfe des Staates für die Reaktivierung und auch keine Bestellung von Fahrleistungen auf der Altstadtbahn gibt, überraschte nach dem Fazit des Gutachten nicht. Und dass ein anderer Betreiber Interesse an der Strecke haben könnte, ist zum einen nicht zu erwarten, zum anderen wäre es kein Problem: "Jeder der hier fährt, wäre uns willkommen", so Kölbl, eine Position, die auch Oliver Winter (CSU) teilte. Der allerdings relativierte die Bedeutung der Altstadtbahn gleichzeitig: "Wir reden von einer Stadt, die einen Bahnhof hat."

Eigentlich stand im Stadtrat gar keine Diskussion, auf der Tagesordnung, sondern die Möglichkeit zur Befragung der Gutachter. Dies nutzte Markus Pöhmerer (Block). Der wollte wissen, wie sich eine Reduzierung der Herstellungskosten auf die Wirtschaftlichkeit der Strecke auswirken würde. Bei einer Halbierung steige der Faktor von 0,13 auf 0,18, so Erik Meder. Erforderlich wäre aber ein Faktor 1,0.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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