Tendenz zur Flucht in Sachwerte

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Dass Kapitalanleger lieber in den Immobilienmarkt als in Aktien und Wertpapiere investieren, beobachten auch im Raum Wasserburg Banken und Makler.

Wasserburg - Kapitalanleger investieren lieber in den Immobilienmarkt als in Aktien und Wertpapiere. Das beobachten Banker und Makler auch im Raum Wasserburg.

Die Wirtschaftskrise ist noch nicht lange genug her und immer noch werden Milliardensubventionen für Banken genehmigt. Auch im Wasserburger Raum hätten Anleger deshalb Angst vor drohender Geldentwertung, wie Banker auf Nachfrage bestätigten. Investitionen in Sachwerte gewinnen an Beliebtheit.

"Eine gesteigerte Nachfrage nach Immobilien ist auf jeden Fall festzustellen. Bei uns verzeichnet die Immobilienvermittlung ein Wachstum um mehr als 30 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr", beschreibt Reiner Hörl, Abteilungsleiter des Immobiliencenters der Wasserburger Sparkasse, die Entwicklung.

Dafür sieht er mehrere Ursachen: Wegen der Finanzkrise haben die Leute immer noch Angst vor einer drohenden Geldentwertung. Deswegen sei "eine Tendenz zur Flucht in Sachwerte gegeben", legt Hörl dar. Außerdem sei der Mietzins derzeit höher als der Anlagezins, der Aktien- und Wertpapiermarkt sei rückläufig. Hinzu kommt laut Immobilienmakler Klaus Rottenwalter, dass der Immobilienmarkt sehr stabil ist und in Zukunft Preissteigerungen zu erwarten sind. "Wer sein Geld gut und sicher anlegen will, hat als erste Wahl eine Immobilie", so Rottenwalter.

Auch Immobilienmaklerin Waltraud Dörfler spürt einen Anstieg bei der Nachfrage, besonders Stadtwohnungen in guter und sehr guter Lage sowie Neubauten seien die Objekte der Begierde. "Die Zahl der Kapitalanleger im Immobilienbereich wächst", bilanziert Dörfler.

"Aber boomen tut am Immobilienmarkt noch gar nix", relativiert Harald Frank, Makler bei der VR Bank Rosenheim-Chiemsee, gegensätzliche Meldungen. Dafür fehle es schlicht und ergreifend an gutem Angebot.

"Wer keinen zwingenden Grund hat, sich von seiner Immobilie zu trennen, verkauft sie auch nicht. Denn was macht man dann mit dem Bargeld?", fragt Rottenwalter.

Wenn die Leute verkaufen, dann in der Regel nur in erb- oder familienbedingten Fällen, schildern Banker ebenso wie Immobilienmakler ihre Erfahrungen. Das heißt, wenn jemand eine Immobilie erbt und keine Verwendung dafür hat, oder wenn Familien auseinander gehen, kommen Immobilien auf den Markt. "Die wenigsten trennen sich von einer Immobilie, weil derzeit ein höherer Preis erzielt werden könnte", beschreibt Hörl. In allen Bereichen ist der Markt laut Rottenwalter ausgedünnt: "Es gibt entweder das Angebot oder die Nachfrage. Beides gleichzeitig gibt es eigentlich nie."

Was Neubauten betrifft, scheint auch in absehbarer Zeit kein großer Angebotsschwung anzustehen. In den umliegenden Gemeinden Griesstätt und Soyen wird zwar gebaut, von einem krisenbedingten Boom ist aber nicht die Rede. "Wir verzeichnen eine normale Nachfrage wie in den letzten Jahren auch. Bei schönen Baugebieten ist die Nachfrage größer, bei anderen eben nicht so", fasst der Soyener Bürgermeister Karl Fischberger zusammen. Im Einheimischen-Baugebiet in Griesstätt ziehe nach Aussage von Kämmerer Andreas Haimerl "die Nachfrage zwar etwas an", gebaut werde aber fast nur für den Eigenbedarf.

Deutlich mehr Renovierungs- als Neubauaufträge erhält die Firma Holzbau Latein in Eiselfing. "Wir haben zwar auch Neubauaufträge, aber dass der Wohnungsbau jetzt total boomt, kann ich nicht sagen", urteilt Geschäftsführerin Patrizia Latein.

Johannes Mitterer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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