Theater Belacqua erhält Kulturpreis

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Die Kulturpreisträger 2010 des Landkreises Rosenheim sind ein wunderbares Beispiel für die kulturelle Vielfalt in unserer Region.

Wasserburg - Umrahmt von klassischer Klaviermusik, Tanz und Theater wurden die Kulturpreise 2010 des Landkreises verliehen. Landrat Josef Neiderhell bezeichnete sie als die Kronen, die der Landkreis zu vergeben habe.

In seiner unnachahmlichen Weise schüttete Schönmetzler ein Füllhorn des Lobes über das Ensemble des Wasserburger Theaterhauses und seinem Intendanten Uwe Bertram aus. Bertram habe sich Wasserburg und dieses Theater ausgesucht. Mit ihm begann die Stunde der Professionalisierung und heute sei das Belaqua ein Leuchtfeuer der Bayerischen Theaterszene, schwärmte Schönmetzler. Der international renommierte Bühnen- und Fernsehschauspieler wandelte die Laientruppe 2003 in ein professionelles Ensemble um, das heute im Zwei-Sparten- Betrieb mit Sprech- und Tanztheater rund 150 Aufführungen pro Jahr bestreitet. Seit 2005 richtet das Belacqua alljährlich die „Wasserburger Theatertage“ als wichtigstes Festival der bayerischen Privattheater sowie den angeschlossenen Kongress des Dachverbandes „Freie Darstellende Künste Bayern e.V.“ aus, zu dessen Vorstandsmitgliedern Uwe Bertram gehört. Das Theater zählt heute mit aufsehenerregenden Programmkonzepten wie dem Antikenprojekt der Spielzeit 2008/09 und dem Shakespeare-Zyklus 2009/10 zu den herausragenden Privattheatern Bayerns und zog mit aufwändigen Open-Air-Projekten in der Wasserburger Altstadt und am Edlinger „Stoa“ große Besucherkreise an. Als nicht minder überzeugend wie die Aufführungen klassischer und zeitgenössischer Stücke erwiesen sich die Choreographien des Tanztheaters. Durch Kooperationen mit anderen Bühnen bereichert das Belacqua das Kulturleben der Region weit über das eigene Schaffen hinaus. Vor mehr als zwanzig Jahren als Amateur-Ensemble gegründet, machte das Theater schon bald durch ebenso originelle wie überzeugende Klassiker-Produktionen auf sich aufmerksam. Als die ursprüngliche Spielstätte im Grein nicht länger zur Verfügung stand, errichtete die Stadt Wasserburg ein eigenes Theatergebäude, das seit dem Jahr 2000 kontinuierlich bespielt wird.

Die Kultursonderpreise gingen in diesem Jahr an das Musicalprojekt „Aida – Es ist, was es ist, sagt die Liebe“ der Wilhelm-Leibl-Realschule in Bad Aibling sowie für die Oberstufengruppe des Schultheaters im Gymnasium Raubling für ihre selbst erarbeitete Produktion „Ego“ nach Mary Shelleys Horrorklassiker „Frankenstein“. In Zeiten eines drastisch gestiegenen Leistungsdrucks und des veränderten Freizeitverhaltens der Generation Handy und Internet sei Schultheater nur möglich, wenn Idealismus und Beharrlichkeit sowohl der Lehrer als auch der Schüler dahinterstecke, meinte Schönmetzler. Schultheater ist für den Kulturreferenten keineswegs etwas Selbstverständliches. Mit Bedauern erinnerte Schömetzler an die Schultheatertage, die er vor zehn und mehr Jahren zusammen mit dem Kulturreferenten der Stadt Rosenheim organisierte. Mangels Theaterprojekten ist das heute nicht mehr möglich. Die Aufführungen der beiden Schulen entstanden unter großem ehrenamtlichem Aufwand von Schülern und Lehrern, beide zeichneten sich durch Originalität und innovative Konzepte aus und reichten in ihrer öffentlichen Wirkung weit über die jeweilige Schule hinaus. So fand die Bad Aiblinger „Aida“ auch bei der Landesgartenschau ein begeistertes Publikum. Die Kultursonderpreise, vom Kreistag einstimmig vergeben, sind zugleich eine generelle Würdigung der Theaterarbeit an den Schulen im Landkreis und einen Ansporn, diese kreativen Gemeinschaftsleistungen trotz wachsender Belastung auch in Zukunft zu ermöglichen.

Den Träger des Kulturförderpreises Christoph Declara lobte Schönmetzler für dessen phänomenale Technik und Stilbewusstsein. Trotz seines noch jungen Alters könne Declara etwas vorweisen, was man getrost eine Karriere nennen dürfe, so Schömetzler. Der aus Rosenheim stammende und heute in Neubeuern lebende Pianist studierte ab 1999 am Salzburger Mozarteum bei Christoph Lieske und Pavel Gililov. Bereits mit 14 Jahren debütierte er mit Beethovens 5. Klavierkonzert und absolvierte seine ersten Soloauftritte. Es folgten Klavier- und Kammermusik-Abende in Österreich, Deutschland, Italien, Spanien und Polen. Als Orchestersolist trat Declara mit dem Musikverein Rosenheim, den Bad Reichenhaller Philharmonikern und dem Symphonieorchester des Mozarteums unter Dennis Russel Davies auf. 2005 gewann er den ersten Preis des Klavierwettbewerbs der Hildegard-Maschmann- Stiftung zur Förderung junger Konzertpianisten. Beim Internationalen Klavierwettbewerb „Maria Canals“ in Barcelona 2006 erhielt er eine Medaille. 2009 gewann er den 2. Preis beim Internationalen Johannes Brahms-Wettbewerb in Pörtschach am Wörthersee. Declara gilt heute als eines der hoffnungsvollsten jungen Talente der bayerischen Klavierszene. Seine erste CD ist soeben veröffentlich worden.

Für Landrat Josef Neiderhell sind die Kulturpreise etwas besonders: Alle Preisträger seien einstimmig ausgewählt worden und der Rosenheimer Kreistag vergebe die Auszeichnungen stellvertretend für alle Landkreisbürger. Auch Kulturreferent Schönmetzler bezeichnete sie als ganz spezielle Auszeichnungen, zeigten sie doch dokumentarisch, dass Propheten auch im eigenen Lande etwas zählten. Seit Mitte der 1980er Jahre ehrt der Landkreis Bürger, die sich besondere Verdienste um die Kultur in der Region erworben haben. Der Kulturpreis und der Kulturförderpreis wurden bis 2009 alle zwei Jahre verliehen. Seit vergangenem Jahr werden diese jährlich im Rahmen eines Festaktes vergeben.

Pressemitteilung des Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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