Urteil nach tödlichem Überholmanöver

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Wasserburg - Ein Überholmanöver auf der B304 am 3. Dezember vergangenen Jahres forderte ein Todesopfer, zwei Schwerstverletzte und vier leichter Verletzte. Nun wurde das Urteil gesprochen.

Der Unfallverursacher wurde zu einem Jahr und vier Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, verurteilt.

Gegen 14.30 war ein 36-jähriger Traunreuter Marktleiter mit seiner Lebensgefährtin und derer beiden Kindern in seinem BMW auf der B 304 Uhr unterwegs nach München. Es herrschte reger Verkehr und es hatte sich eine Kolonne mit mehreren Fahrzeugen gebildet. Unmittelbar vor der Landkreisgrenze hinter Forsting scherte der Traunreuter, trotz Überholverbotschild und durchgezogener Fahrbahnlinie auf die Gegenfahrbahn aus und stieß dabei frontal mit dem VW Golf einer 20-jährigen Studentin zusammen. Sie war mit ihrem Lebensgefährten von München kommend auf dem Weg zu ihren Eltern in Edling.

Durch die Kollision wurde der Golf von der Fahrbahn geschleudert und kam rechts unterhalb der Böschung an der Ackergrenze zum Stehen. Der BMW schleuderte durch den Aufprall gegen einen nachfolgenden Ford. Während der Beifahrer der Studentin ein Schleudertrauma, Quetschungen und Blutergüsse davontrug und noch heute in psychologischer Behandlung ist, kam für die junge Frau jede Hilfe zu spät. Sie erlag noch an der Unfallstelle ihren schweren Hals- und Kopfverletzungen.

Der Unfallverursacher erlitt einen Becken- und mehrere Rippenbrüche, seine Lebensgefährtin und deren Tochter trugen schwerste Knochenbrüche und innere Verletzungen davon und lagen beide rund ein Monat im Koma. Lediglich der Sohn der Lebensgefährtin kam mit leichteren Verletzungen und Prellungen davon. Am Golf und am Ford entstand jeweils ein Sachschaden von 3000 Euro.

Nun musste sich der Unfallfahrer vor dem Amtsgericht Wasserburg wegen vorsätzlicher Gefährdung im Straßenverkehr in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit sechs tatmehrheitlichen Fällen der Körperverletzung verantworten.

Der Angeklagte bedauerte vor Gericht was passiert sei. Allerdings konnte er sich nach eigenen Angaben an den Unfallhergang nicht mehr erinnern. Er wisse von dem Tag nur noch, dass er mit seiner Familie zum Einkaufen nach München habe fahren wollen. Schon am Morgen sei er dort auf dem türkischen Konsulat gewesen. Auch seine Lebensgefährtin hatte keinerlei Erinnerung mehr an den Unfall. Sie kann sich erst wieder an den Zeitpunkt erinnern, als sie aus dem Koma erwachte. Ihr 13-jähriger Sohn, der zum Unfallzeitpunkt auf dem Beifahrersitz gesessen hatte, gab an, dass sein Stiefvater bis zum Unfallzeitpunkt einige Fahrzeuge überholt gehabt habe. Außerdem sei sein Vater öfters kurz ausgeschert, um den Gegenverkehr zu beobachten. Als es zum Frontalzusammenstoß kam, "habe ich die Augen zugemacht", sagte der Junge dem Gericht.

Weitaus genauer hatte ein 21-jähriger Rosenheimer den Unfallhergang beobachtet. Er fuhr vor dem Unfallverursacher und hatte den BMW-Fahrer schon länger im Rückspiegel beobachtet. Über fünf bis zehn Kilometer sei der Mann dicht aufgefahren und habe immer wieder nach links ausgeschert, denn ein vorausfahrender T5 mit Anhänger habe die Sicht auf den Streckenverlauf stark eingeschränkt. Obwohl es auf der Strecke einige Möglichkeiten zum Überholen gegeben hätte, habe der Beschuldigte ausgerechnet an der unübersichtlichsten Stelle auf die Gegenfahrbahn gezogen, so der Zeuge.

Das Gericht sah die Schuld des Angeklagten als erwiesen und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Die Strafe ist entgegen der Forderung der Staatsanwaltschaft, die keine Möglichkeit für eine Bewährung gesehen hatte, auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Eine neue Fahrerlaubnis bekommt der Angeklagte erst zwei Jahre nach Inkrafttreten des Urteils wieder. Das Gericht wertete das Verhalten des Angeklagten als rücksichtslos und als vorsätzlich, da er sich über Verbotsschilder und Sperrlinien bewusst hinwegsetzte. Die furchtbaren Folgen des Unfalls mit einem Todesopfer und sechs, zum Teil schwerst Verletzten, habe der Angeklagte zwar so nicht gewollt, durch sein Verhalten jedoch billigend in Kauf genommen. Für den Angeklagten und somit für die Aussetzung der Strafe zur Bewährung spreche sein rechtschaffendes Leben, hieß es in der Urteilsbegründung. Bisher habe der Traunreuter keine Vorstrafen und keine Einträge im Verkehrszentralregister. Außerdem hätten der Angeklagte, seine Lebensgefährtin und deren Tochter erhebliche Verletzungen erlitten.

Dem Angeklagten wurde zudem eine Geldbuße von 2000 Euro auferlegt. Außerdem trägt er die Kosten des Verfahrens.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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