Die Tracht zwischen Tradition und Mode

+
Einfach a Gwand für den Alltag sollte sie sein, die Tracht. Das wäre den Brauchtumspflegern am liebsten.

Obing - "Vielleicht ist Tracht am lebendigsten dort, wo diejenigen, die sie tragen, keine Tracht darin sehen, sondern einfach nur Kleidung", ist auf dem Eingangsportal des Trachteninformationszentrums Benediktbeuern zu lesen.

Dies galt auch für die Trachtenmodenschau im Festzelt in Obing. Mit viel Liebe zum Detail ermöglichten D`Grüabinga Obing einen Blick auf die "Gwand-Mode" im letzten Jahrhundert.

Auf dem Laufsteg gab es dabei vom Arbeits-, Fest- und Brautgwand bis hin zum Trauergwand, der Vereinskleidung und den Ergebnissen eines Nähkurses alles zu bestaunen, was seit 1900 modern war. "Denn Tracht ist auch Mode" sagte Alexander Wandinger vom TIZ, der die Veranstaltung moderierte.

Er verdeutlichte: Tracht ist Kleidungskultur und hat sich im Wandel der Zeiten durchaus weiterentwickelt. Das sei auch daran zu erkennen, dass von alten Trachten immer wieder Elemente aufgenommen worden seien, erklärte Wandinger. Bis 1850 seien die Männer glatt rasiert gewesen und hätten auch im Chiemgau lange Haare getragen.

Bei der Vereinskleidung der Trachtler sei es immer schon leger zugegangen, erläuterte er. Auch an der Vereinskleidung der "Grüabinga Obing" zeige sich, dass alle 30 Jahre das Gwand komplett umgestellt worden sei.

Den Auftakt der Modenschau machten die "Alten Schnaitseer" mit ihren Trachten, die aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen. Geheiratet wurde damals in Schwarz. Für die Männer blieb das auch bis in die Mitte der 60er-Jahre so, bis sich dann der "Paradetrachtenanzug" in Grau durchgesetzt habe. Die Lederhose habe man nicht zu festlichen Anlässen angezogen.

Im Chiemgau spielen bestickte Gürtel, die zur Lederhose getragen werden, eine wichtige Rolle. Bei den Frauen waren die Mieder bis 1860 farbig, dann lange Jahre schwarz und erst seit etwa 20 Jahren werden sie wieder farbig getragen. Das Dirndl wurde in Bayern erst zwischen 1915 und 1920 modern. Davor wurde ein Leibgewand getragen. Im Laufe der Zeit durchlief auch das Dirndl viele Moderichtungen, beispielsweise reich bestickt und kurz in den späten Sechzigern bis Mitte der 70er- Jahre. Diese Stilrichtung erlebe heutzutage mit dem "Wiesn-Dirndl" eine Renaissance, sagte Wandinger.

Zum Abschluss gab es noch verschiedene Modelle des Nähkurses von Anni Rothbucher zu bewundern, die mit schönen Stoffen und Plissiertechnik begeisterten. Und wer Lust auf mehr bekommen hatte, konnte sich beim Trachtenhandwerkermarkt umsehen. Es gab Plissee- und Klöppelarbeiten, Gold- und Farbstickereien sowie wertvolle Trachtenstoffe zu bestaunen. Goldschmied, Gamsbartbinder, Hut-, Schachtel-, Korb-, Messer-, Lederhosen-, Schuh- und Harfenmacher zeigten ihr Können. Eine Schneidermeisterin stellte Mieder und "Röckegwänder" aus und auch ein Zinnstiftgürtelmacher führte sein Handwerk vor. Den musikalischen Rahmen bilden die "Trebern-Musi" und die "Duanix- Musi".

ca/Wasserburg Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser