Firmen setzen verstärkt auf Leiharbeit

Wasserburg - Die Wasserburger Geschäftsstelle der Trenkwalder Personaldienstleister ist in ein neues Büro am Burgfrieden umgezogen. Aufgrund gesteigerter Nachfrage wurden größere Büroräume nötig.

Über 200 Leiharbeiter beschäftigt Geschäftstellenleiter Andreas Heß. Seit April 2007 ist Geschäftstellenleiter Heß mit seiner Außenstelle in Wasserburg tätig, nun ist er zusammen mit fünf Mitarbeitern von der Innenstadt ins neue Büro am Burgfrieden gezogen, von wo aus zukünftig die Einsätze der Leiharbeiter koordiniert werden. "Anfangs drückten mir noch viele Leute Anträge für Wohngeld oder ähnliches in die Hand, weil sie uns wegen unseres roten Logos mit dem Arbeitsamt verwechselten", scherzt Heß. Mittlerweile ist die Trenkwalder Personalvermittlung aber zu einer festen Adresse im Wasserburger Wirtschaftsraum geworden.

"Die Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, wissen, dass sie sich auf uns verlassen können und wir nur zuverlässiges Personal zu ihnen schicken.", erklärt Heß. In den verschiedensten Bereichen, von Lageristen bis zu Apothekern, von einfachen Angestellten bis zu Geschäftsführern, sind seine Leiharbeiter tätig. Die Unternehmen verzichten teilweise sogar komplett auf öffentliche Stellengesuche und wenden sich stattdessen direkt an Trenkwalder. "Das spart Geld und Personalaufwand, denn besonders kleinere Firmen können sich keine ausgiebige Personalbeschaffung leisten. Und zweitens merkt so die Konkurrenz nicht, wann ein Unternehmen expandiert", begründet Heß diese Tatsache. Dann kann es schonmal sein, dass Trenkwalder die Personalbeschaffung für die Firmen komplett übernimmt und Arbeiter dort gleich oder nach einer kurzen Testphase in die Stammbelegschaft übergehen.

Die Firma Huber und Sohn aus Eiselfing hat beispielsweise Trenkwalder um Hilfe gebeten, als eine eigene Suche nach Fachkräften erfolglos war, wie die Personalabteilung bestätigt. Seitdem nutze sie immer wieder Zeitarbeiter, um hohe Auftragsspitzen abzufedern, die Zahl rangiere meistens zwischen fünf und 20 Mitarbeitern. Und regelmäßig würden Leiharbeiter in ein befristetes Arbeitsverhältnis ins Unternehmen übernommen - laut Heß ein erklärtes Ziel von Trenkwalder.

Die Wasserburger Arzneimittelwerke sehen Trenkwalder fast ausschließlich als Personalvermittler. "Wir nehmen Leiharbeit nur in sehr geringem Ausmaß in Anspruch, hauptsächlich als zusätzlichen Kanal, um Mitarbeiter zu finden, und nicht, um unsere Produktion zu sichern oder billiges, flexibles Personal zu bekommen. Nach sechs Monaten werden die Zeitarbeiter in der Regel übernommen", nimmt die Personalabteilung Stellung.

Bei der Firma Meggle wird Leiharbeit genutzt, um Auftragsspitzen auszugleichen, das verleiht dem Unternehmen Flexibiltät. Laut Personalabteilung sind dort aber nur rund zwei Prozent der gesamten Belegschaft auf Leihbasis tätig. "Wir setzen unseren Schwerpunkt auf die Ausbildung und übernehmen lieber unsere eigenen Azubis."

In der Öffentlichkeit sorgt das Thema Leiharbeit aber immer wieder für Negativschlagzeilen: Leiharbeiter verdienen weniger als Stammkräfte. Stammkräfte werden entlassen und anschließend als Zeitarbeiter in der gleichen Stelle wieder eingesetzt, allerdings bei geringerer Bezahlung. Der Eindruck einer industriellen Reservearmee entsteht, als solche die Zeitarbeiter in prekären Beschäftigungsverhältnissen konjunkturelle Schwankungen auszugleichen hätten.

"Man sollte auf jeden Fall vorsichtig sein, bei welchem Zeitarbeitsunternehmen man anheuert. Es gibt heute immer noch viele schwarze Schafe", gibt Heß zu, grenzt Trenkwalder aber gleichzeitig davon ab. Er versuche, ein nachhaltiges Personalleasing zu betreiben. "Unser Ziel ist ein partnerschaftlicher, respektvoller Umgang mit den Arbeitern, an dessen Ende der Wechsel von der Zeitarbeit in ein festes Arbeitsverhältnis winkt. Das gelingt uns auch bei den meisten unserer Leute." Dass ein Unternehmen Stammbelegschaften abbaue und die gleichen Stellen mit Zeitarbeitern auffülle, habe er in der Region noch nicht erlebt.

Der geringere Stundenlohn von Leiharbeitern im Vergleich zur Stammbelegschaft sei zwar Realität, habe aber laut Heß zumindest bei Trenkwalder einen einfachen Grund und mit Ausbeutung nichts zu tun. "Unsere Arbeiter mögen zwar weniger Stundenlohn erhalten als ihre Kollegen in Festanstellungen. Dafür bekommen sie aber beispielsweise Fahrt- oder Werkzeuggeld, sodass unterm Strich der gleiche Nettolohn herauskommt", sagt Heß. Als Lückenbüßer in konjunkturellen Aufschwungphasen sieht er seine Leute nicht. Seine Angestellten seien das ganze Jahr über im Einsatz, und unter dem Strich wachse mit Hilfe der Zeitarbeit die Gesamtbeschäftigung. "Wenn ein Unternehmen einen kurzzeitigen personellen Engpass hat, lohnt es sich nicht, eigenes Stammpersonal zu rekrutieren. Dies würde zu lange dauern und wäre nicht mehr rentabel, die Stelle bliebe unbesetzt. Für drei Wochen stellt ja kein Unternehmen einen Arbeiter ein. Einen Leiharbeiter nehmen aber die meisten gerne auf. Damit haben durch das Modell Leiharbeit am Ende im Schnitt mehr Leute Arbeit als ohne diese Regelung", bekräftigt der Geschäftstellenleiter.

Wenn die Leiharbeit aber zum Dauerzustand wird und Arbeiter auf lange Zeit ohne Aussicht auf Übernahme in ein und demselben Unternehmen tätig sind - die gesetzliche Obergrenze von zwei Jahren wurde im Jahr 2004 aufgehoben - das sieht auch Heß kritisch. "Einen Arbeiter länger als zwei Jahre auf Leihbasis zu beschäftigen, ist aus unternehmerischer Sicht eigentlich nicht zielführend, denn man riskiert dadurch ja, eine eingearbeitete und erfahrene Kraft kurzfristig zu verlieren", gibt Heß zu bedenken. Seinen Leuten, die konstant im gleichen Unternehmen sind, gelinge in der Regel spätestens nach zwei Jahren der Wechsel von der Leiharbeit in die Stammbelegschaft.

von Johannes Mitterer/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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