Überraschender Kampf um 1. Mai

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Den Schutz der Sonn- und Feiertage konsequent einzuhalten - dazu wird Bürgermeister Michael Kölbl mit dieser Postkarte der "Allianz für den Freien Sonntag" aufgefordert.

Wasserburg - Ausgerechnet an "ihrem" Feiertag, dem Tag der Arbeit, müssen dieses Jahr viele Beschäftigte im arbeiten. Nun regt sich Widerstand gegen den Beschluss, am 1. Mai den verkaufsoffenen Georgimarkt zu veranstalten.

Mit der SPD-Hochburg Wasserburg haben die Gewerkschaften derzeit nicht viel Freude: Der Stadtrat hat schon vor einem Jahr beschlossen, den Georgimarkt 2011 am 1. Mai zu veranstalten. Das bedeutet für die Beschäftigten im Einzelhandel, dass sie antreten müssen, wenn ihr Geschäft öffnet, was für die meisten in Wasserburg gilt.

Dies sei "politisch instinktlos", hielt der DGB-Regionsvorsitzende und SPDler Günther Zellner seinem Parteigenossen Michael Kölbl in einem Schreiben vor: "Es geht um die grundsätzliche Frage, mit wie viel Respekt eine Stadt mit ihren Beschäftigten und dem einzigen gesetzlichen Feiertag, der der Situation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gewidmet ist, umgeht."

Hintergrund für den Markt am 1. Mai ist der späte Ostertermin in diesem Jahr. Denn der Georgimarkt wird nach der Wasserburger Marktregel von 1803 immer am Sonntag nach Georgi (23. April) veranstaltet und wäre damit 2011 auf den Ostersonntag gefallen. Dass dies nicht geht, war im Stadtrat klar, und so einigte man sich auf den darauffolgenden Sonntag, heuer der Tag der Arbeit.

So wie Wasserburg ging es auch anderen Städten, unter anderem Traunstein und Waldkraiburg. Dort gibt es, anders als in Wasserburg, aber jedes Jahr eine Mai-Kundgebung und starke Gewerkschafts-Ortsverbände. Und dort entzündete sich auch die Diskussion um den verkaufsoffenen 1. Mai, die nun auf Wasserburg übergegriffen hat.

Dabei kommt die Kritik nicht nur von den Arbeitnehmer-Vertretern, sondern auch von kirchlichen Organisationen. Gemeinsam kämpft man in einer "Allianz für den freien Sonntag" dafür, dass dieser Tag nicht einfach wirtschaftlichen Interessen untergeordnet wird. In der Region Rosenheim wurde dieses Bündnis erst kürzlich aus der Taufe gehoben.

Jetzt hat es eine erste Kampagne gestartet: Eine Postkartenaktion fordert Michael Kölbl und die anderen Bürgermeister der betroffenen Kommunen auf, die Ladenöffnung am 1. Mai zurückzunehmen, um nicht durch die "Shoppingveranstaltung" den besonderen Charakter dieses Tages zu missachten. Dabei wird auch angeführt, dass dies der "weiße Sonntag" und damit traditioneller Erstkommunion-Tag ist.

Letzteres zumindest trifft für Wasserburg nicht zu. Und so kann Stadtpfarrerei Dr. Paul Schinagl mit der einmaligen Ausnahme auch ganz gut leben. "Das Leben besteht aus Kompromissen", so Schinagl, und: Die Geschäftsöffnung sei ja schließlich freiwillig.

Auch Michael Kölbl kann die Aufregung um diesen Termin nicht ganz verstehen. Das Problem sei seinerzeit zwar angesprochen worden, aber man habe keine echte Alternative gesehen, meint er. "Wir wollten möglichst nah an der historischen Regelung bleiben" - und nicht zu nahe an andere Märkte kommen. Denn kurz zuvor, am 3. April, ist bereits der Mittfastenmarkt, und schon am 19. Juni wieder der Bennomarkt. So war der Verlegungs-Spielraum relativ eng.

Man wolle ja nicht den 1. Mai generell missachten, so Kölbl, eine solche Überschneidung komme "vielleicht alle 50 Jahre" vor. Sie sei auch deshalb verschmerzbar erschienen, weil es in Wasserburg keine Mai-Kundgebung gebe.

In dem Schreiben der Stadt an den DGB wird auch darauf verwiesen, dass sich Wasserburg auf vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr beschränke und "auf die weitergehenden Öffnungsmöglichkeiten der Bayerischen Ladenschlussverordnung bewusst verzichtet". Außerdem, so heißt es in dem Brief, müssten die Geschäfte ja nicht öffen. Und es seien ohnehin nicht die Läden prägend, sondern der Jahrmarkt mit den Ständen.

Zumindest ein SPD-Stadtrat aber hat trotzdem inzwischen zurückgerudert: Peter Stenger gibt zu, dass er die Problematik bei der damaligen Abstimmung "nicht überrissen" habe. Jetzt aber müsse man zumindest die Öffnung der Läden wieder zurücknehmen: "Der Tag der Arbeit ist vielleicht inzwischen etwas entwertet, aber er hat immer noch einen starken symbolischen Charakter."

re/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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