Umgeschnittene Bäumchen sorgen für Ärger

+
Von selbst aufgegangen sind vor einigen Jahren fünf Bäumchen "Hinter den Mauern". Jetzt wurden sie vom Nachbarn umgeschnitten.

Wasserburg - Fünf Bäumchen, die ein Hausbesitzer in der Gasse "Hinter den Mauern" einfach mit einer Motorsäge umgeschnitten hat, sorgen für Verärgerung: Sie standen auf öffentlichem Grund.

Florian Pytlik ist stocksauer: Beim Blick aus dem Küchenfenster sah er bisher in die Kronen kleiner Bäumchen, in denen seine Tochter den Amseln beim Brüten zuschauen konnte. Jetzt blickt er auf eine kahle Wand. Und Fritz Pröls, sein Nachbar, versteht nicht, warum die grüne Idylle in dem Gässchen so "aggressiv" zerstört werden musste.

Tatsächlich hat Gerd Kral, der Besitzer der früheren Traube, vor einigen Tagen zur Motorsäge gegriffen und kurzerhand drei mittlere und zwei kleine Bäumchen umgeschnitten sowie ein kräftiges Efeu abgerissen, das sich an seiner Hauswand emporrankte. Nun ist er etwas verblüfft über die Reaktionen: Daran, dass ihm die Bäumchen gar nicht gehört haben, "habe ich nicht gedacht".

Tatsächlich ist die schmale Gasse, durch die nur ein Fußweg führt, im Eigentum der Stadt. Neben den Natursteinplatten, die hier verlegt sind, gingen irgenwann von selbst die Bäumchen auf. Den Nachbarn im Süden gefiel's, Fritz Pröls pflegte das Grün und ließ die Bäumchen regelmäßig in Form bringen, die Stadt verlegte neue Platten so, dass sie weiter wachsen konnten.

Gerd Kral, an dessen Hauswand sie emporwuchsen, war weniger begeistert. Er befürchtete eine Schädigung der Wand durch die Wurzeln und Feuchtigkeit. Daraufhin hätten die Nachbarn extra eine Sperrfolie angebracht, so Florian Pytlik.

Nun führt der Besitzer des Gebäudes, in dem ein Wohnheim des "Internationalen Bund" untergebracht ist, vor allem Brandschutz-Auflagen als Begründung für seine Selbsthilfe-Aktion an. Das Landratsamt Rosenheim habe die Beseitigung verlangt.

Dort weiß man von so einer Auflage allerdings nichts. Tatsächlich habe es im April eine Besprechung wegen eines weiteren Fluchtweges in die Gasse gegeben, so Amtssprecher Oliver Winter. Als Ergebnis hielt die Feuerwehr fest, dass "in einigen Jahren" der weitere Baumwuchs das Anleitern behindern könnte. Daher sollte man ein Zurückschneiden prüfen.

Auch bei der Stadt weiß man nichts von konkreten Auflagen. Es sei im Gespräch gewesen, eventuell einen Baum wegzunehmen oder entsprechend einzukürzen, so Stadtbaumeister Manfred Förtsch-Menzel.

Der ist trotzdem zurückhaltend mit der Bewertung der Selbstschneide-Aktion. Rechtlich habe der Hausbesitzer sicher einen Anspruch darauf gehabt, dass die Bäumchen entfernt werden, die einfach zu nahe an seinem Gebäude aufgewachsen seien - "auch wenn die wunderschön waren", wie er versichert. "Natürlich hätte er einen Antrag bei der Stadt stellen müssen, aber..."

Karl Königbauer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser