Unbelehrbar: Alkoholiker muss ins Gefängnis

Wasserburg - Mehrere Diebstähle im alkoholisierten Zustand brachten einen 60-Jährigen in die Klemme. Dann erschien er auch noch betrunken vor Gericht - zu viel für eine Bewährungsstrafe.

Das war trotz bescheinigter Sucht und angetretener Therapie zu viel für eine Bewährungsstrafe.

Seine Alkoholabhängigkeit und seine fehlende Einsicht brachten einen 60-jährigen Rentner seit dem Tod der Ehefrau vor drei Jahren immer wieder in die Klemme und zu drei Einträgen in das Bundeszentralregister, denn in angetrunkenem Zustand ließ er sich wiederholt zu kleineren Diebstählen hinreißen. Im August des vergangen Jahres wurde er erneut dabei ertappt, wie er mit rund 1,3 Promille bei einem Discounter in Wasserburg eine Flasche Kräuterlikör im Wert von 4,99 Euro entwendete.

Zur folgenden Gerichtsverhandlung im November erschien er dann deutlich angetrunken. Der im Gerichtssaal durchgeführte Alkoholtest ergab damals einen Wert von gut einem Promille. Darauf wurde die Verhandlung ausgesetzt und die Begutachtung angeordnet. In der Zeit bis zum neuen Verhandlungstermin wurde der Rentner dann im Dezember mit etwa 1,3 Promille beim Diebstahl von zwei Schachteln Zigaretten im Wert von 8,20 Euro abermals erwischt. Pikant, dass der gelernte Maurer zum Zeitpunkt der Straftaten sowohl unter offener Bewährung als auch unter einer Begutachtung stand.

Nun musste er sich vor dem Amtsgericht Wasserburg wegen Diebstahl verantworten. Dabei räumte der Angeklagte die Tatvorwürfe vollumfänglich ein und gab an, unter Alkoholeinfluss ein anderer Mensch zu sein. "Wenn ich trinke habe ich ein Wurschtigkeitsgefühl", sagte der 60-Jährige, der sich vor einigen Wochen freiwillig einer Entgiftung unterzogen und Kontakt mit der Alkoholfachambulanz aufgenommen hatte. Bis dahin habe er schon einige Entgiftungen abgebrochen und täglich acht bis zehn Halbe Bier und eine halbe Flasche Wodka getrunken.

Doch nun habe er die Handbremse gezogen und die begonnene Entgiftung auch durchgezogen. Allerdings bezweifelte er, dass er bereits stabil genug sei, um seine Alkoholabstinenz auch in der Justizvollzugsanstalt durchhalten zu können. Er wolle sich nicht vor der Strafe drücken, sagte er, allerdings würde er sie lieber nach der Therapie antreten.

Das Gutachten der Inn-Salzach-Klinik bescheinigte dem Angeklagten eine chronische Alkoholabhängigkeit mit schwerer Süchtigkeit und auch einer alkoholbedingten Wesensänderung. Der Alkoholgehalt von jeweils rund einem Promille zu den Tatzeiträumen habe jedoch die Einsichtsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus (§63) oder einer Entziehungsanstalt (§64) sei nicht zu befürworten, so das Gutachten. Des Weiteren sei keine konkrete Aussicht auf einen Behandlungserfolg ersichtlich und eine Therapiemotivation sei nicht gegeben.

Staatsanwaltschaft und Gericht schlossen sich der Meinung des Gutachtens an und verurteilten den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Die einschlägigen Vorstrafen und eine Rückfallgeschwindigkeit, wie sie das Gericht "noch nicht erlebt" habe, erforderten eine Freiheitsstrafe, auch wenn der Wert der gestohlenen Gegenstände nur geringfügig gewesen sei, hieß es in der Urteilsbegründung. Viele Abbrüche und Rückfälle ließen einen Therapieerfolg nicht erwarten und der Punkt "jetzt ist Schluss" sei noch nicht erreicht.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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